Jochen Kuhn, Stefan Küchemann, Dave Rakestraw und Patrik Vogt • 6/2026 • Seite 36 • DPG-MitgliederAssistent statt Antwortmaschine
Das gestufte Lernmodell AIRIS ermöglicht forschendes Lernen und Selbstregulation mit Künstlicher Intelligenz in der physikalischen Lehre.
Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz (KI) – hier speziell Large Language Models – nicht nur Antworten auf Fragen liefert, sondern Lernen wirkungsvoll begleitet? Wir möchten hier ein didaktisches Konzept vorstellen, das generative KI gezielt in physikalische Lernprozesse einbettet. Ziel ist ein Unterricht, der Eigenaktivität stärkt und KI als Werkzeug reflektiert nutzt.
Die zunehmende Verfügbarkeit generativer KI wie ChatGPT stellt Lehrende und Lernende vor neue Chancen und Herausforderungen zugleich. Während das Potenzial zur Unterstützung von Lernprozessen in der Hochschullehre [1] und im Physikunterricht [2] offensichtlich ist, bleibt unklar, wie Lernende verantwortungsvoll, effektiv und lernförderlich mit solchen Technologien umgehen können. Aktuelle Meta-Analysen deuten zwar vielfach auf positive Effekte von KI auf Lernleistungen [3, 4], die daraus resultierende Evidenz ist aber aufgrund extremer Heterogenität der Ergebnisse, breiter Konfidenzintervalle und Publikationsbias1) als niedrig einzustufen. Ein zu früher oder zu umfangreicher KI-Einsatz kann demnach kritisches Denken und Gedächtnisbildung beeinträchtigen. Positive Ergebnisse scheinen erheblich überschätzt zu werden [4]. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens.
Der AIRIS-Ansatz (AI-Augmented Inquiry with Responsible, Informed Self-Regulation [5, 6]) zielt darauf ab, Künstliche Intelligenz systematisch auf Grundlage von Theorien und Erkenntnissen aus Fachdidaktik und Lehr-Lern-Forschung zu integrieren. Forschendes Lernen (Inquiry Learning) bildet dabei eine zentrale Säule: Lernende entwickeln eigene Fragen, führen Experimente durch, lösen Probleme, analysieren Daten und kommunizieren ihre Erklärungen. Dieses Vorgehen erfordert konzeptuelles, prozedurales und epistemisches Wissen [7]. (...)
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Marie Braasch und Sina Saravi • 5/2026 • Seite 32 • DPG-MitgliederIntelligenz durch Interferenz
Licht denken lassen: Diffraktive Optik trifft neuronale Netze.
Künstliche Intelligenz (KI) prägt unseren Alltag mit überraschend hoher Geschwindigkeit. Ob Gesichtserkennung, autonomes Fahren, forensische Analysen oder Krebsdiagnostik – KI ist inzwischen allgegenwärtig. Allerdings steigt mit zunehmender Komplexität der Rechenaufgaben auch die erforderliche Rechenleistung massiv an. An diesem Engpass knüpfen diffraktive neuronale Netzwerke an.
Bildinformation ist ganz natürlich in der elektromagnetischen Strahlung verschlüsselt. In künstlichen neuronalen Netzwerken (KNN) wird diese Bildinformation gemessen und anschließend in digitale Signale für eine elektronische Auswertung umgewandelt. Diffraktive neuronale Netzwerke (DNN) nutzen das Licht als Rechenmedium und können so von all seinen Freiheitsgraden Gebrauch machen, bevor die Intensitätsverteilung gemessen wird. Durch gezieltes Modulieren der Wellenfronten verarbeiten sie Bildinformation in Lichtgeschwindigkeit.
Digitale vs. diffraktive neuronale Netzwerke
Um das Problem greifbar zu machen, richten wir den Blick auf eine konkrete Anwendung, die Objekterkennung. Das mag vielleicht auf den ersten Blick trivial erscheinen, doch auch ein scheinbar simples Problem kann überraschend komplex sein. So zum Beispiel die knifflige Herausforderung, einen haarigen Hund von einem Wischmopp zu unterscheiden. Bei einem digitalen Lösungsansatz mit einem künstlichen neuronalen Netz startet der Prozess damit, dass das Licht der vorhandenen Szene mit einer Kamera aufgenommen und in Pixeln diskretisiert gemessen wird (Abb. 1). Der Rechner verarbeitet diese digitalisierten Daten sequenziell und ordnet jeder möglichen Kategorie (hier Hund oder Wischmopp) eine Zahl zu. Schließlich gibt er für jede Kategorie eine Zahl aus. Gewonnen hat die Kategorie mit dem höchsten Wert. (...)
weiterlesenAlexander Pawlak • 4/2026 • Seite 11 • DPG-MitgliederKünstliche Intelligenz sicher gestalten
Der AI Impact Summit beschwört die Demokratisierung der Künstlichen Intelligenz, während über 120 Professorinnen und Professoren verbindliche Sicherheitsstandards einfordern.
Erich Runge • 2/2026 • Seite 3Studieren Sie Physik!
Kompetenzen aus der Physik sind dringend erforderlich, um den Wandel durch Künstliche Intelligenz maßgeblich mitzugestalten.
Dominik Dold • 4/2025 • Seite 22 • DPG-MitgliederStabiles Lernen durch Pulse
Die Form der elektrischen Pulse von biologischen Neuronen könnte der Schlüssel für das Training energieeffizienter neuronaler Netze sein.
Ralf Otte • 2/2025 • Seite 3Risiko oder Chance?
Der Physiknobelpreisträger Geoffrey Hinton hat die Künstliche Intelligenz entscheidend vorangebracht. Doch heute warnt er vor ihren Gefahren.
Achim Schilling, Claus Metzner und Patrick Krauss • 1/2025 • Seite 33 • DPG-MitgliederDas Gehirn physikalisch betrachtet
Von der Physik über die Hirnforschung zur Künstlichen Intelligenz und wieder zurück
In unserem Gehirn entfaltet das Zusammenspiel von etwa 86 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), von denen jede für sich betrachtet ohne Intelligenz ist, erstaunliche Fähigkeiten: ein ausgeprägtes Gedächtnis, Sprachverständnis, Kreativität, Fantasie und alle weiteren kognitiven Funktionen. Doch bis heute gibt uns das Gehirn Rätsel auf. Kann hier die Künstliche Intelligenz helfen?
John Hopfield und Geoffrey Hinton haben den Physik-Nobelpreis 2024 erhalten – als erste Forscher aus dem Bereich der künstlichen neuronalen Netze bzw. künstlichen Intelligenz (KI). John Hopfield, ursprünglich Quantenphysiker, nutzte physikalische Prinzipien, um neuronale Netze zu entwickeln und damit das menschliche Gehirn besser zu verstehen. Der Psychologe und Kognitionswissenschaftler Geoffrey Hinton baute darauf auf und legte die Grundlage für maschinelles Lernen und die heutige Künstliche Intelligenz.
Unser Gehirn besitzt außergewöhnliche Eigenschaften und benötigt doch erstaunlich wenig Energie, etwa 20 Watt – nicht mehr als eine alte Glühbirne. Das steht in krassem Kontrast zum hohen Energieverbrauch der Serverfarmen großer KI-Firmen. Die Anzahl möglicher Konnektome (verschiedene Gehirne) übersteigt die Anzahl der Protonen im bekannten Universum um viele Größenordnungen!
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Matthias Bethge und Jakob Macke • 12/2024 • Seite 24 • DPG-MitgliederPhysik-Nobelpreis An der Schwelle zur Physik des neuronalen Lernens
Den Physik-Nobelpreis teilen sich John Hopfield und Geoffrey Hinton für bahnbrechende Entdeckungen, die maschinelles Lernen mit künstlichen neuronalen Netzen ermöglichen.
Der diesjährige Nobelpreis für Physik stellt eine Besonderheit dar. Anders als die meisten Nobelpreise, die sich eher auf klassische Forschungsthemen der Physik konzentrieren, zielte die Forschung der diesjährigen Preisträger darauf ab, das Gehirn zu verstehen, wofür die Methoden der Physik bisher nur begrenzt geeignet schienen. Dennoch ist es umso wichtiger, die Fortschritte der quantitativen Modellbildung des Gehirns auch als einen Durchbruch der Physik zu feiern. John Hopfield antwortete vor kurzem auf die Frage, ob seine Arbeit wirklich als „Physik“ zu bezeichnen sei: „Meine Definition von Physik ist, dass Physik nicht das ist, woran man arbeitet, sondern wie man daran arbeitet. Wenn man die Denkweise einer Person hat, die aus der Physik kommt, dann ist es ein physikalisches Problem“ (Abb. 1) [1].
Die Physik strebt danach, die Natur in Form grundlegender Komponenten zu beschreiben, die es erlauben, alle denkbaren Erfahrungen in einem Zustandsraum durch eine neue Kombination bereits bekannter Variablen zu erklären. Dieser Ansatz hat unser Verständnis des Universums entscheidend geprägt und uns in die Lage versetzt, selbst weit entfernte oder indirekt beobachtbare Phänomene wie die Entwicklung des Kosmos zu modellieren. Wenn wir jedoch versuchen, uns als Menschen selbst zu verstehen, oder wenn wir vom Verhalten lebloser Objekte zu lebenden Systemen – insbesondere mit intelligentem Verhalten – übergehen, schien eine physikalische Modellbildung lange außer Reichweite. So wie es auch beim Verständnis chemischer Prozesse gedauert hat, alchemistische Vorstellungen auf grundlegende physikalische Modelle zurückzuführen, kann man spekulieren, dass wir uns gerade an der Schwelle zu einem Durchbruch in der physikalischen Modellierung des Gehirns befinden. Die Statistische Physik hat bereits viele wichtige Erkenntnisse geliefert, um wichtige Grundlagen des Lebens zu erklären. Zum Beispiel konnte sie erklären, wie der biologische Stoffwechsel die freie Energie als Grundlage für autonomes Handeln erzeugen kann [2]. (...)
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Stefan Küchemann, Steffen Steinert und Jochen Kuhn • 10/2023 • Seite 22 • DPG-MitgliederLehrreiche Künstliche Intelligenz
Stefan Küchemann, Steffen Steinert und Jochen Kuhn
Die Digitalisierung in Schule und Hochschule hat nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie einen großen Schub erhalten. Onlinebasierte Formate fanden größere Verbreitung; allein die Lernplattform Moodle umfasste im September 2023 über 46 Millionen Kurse und über 394 Millionen Nutzende weltweit [1]. Dies macht digitale Daten verfügbar und verarbeitbar, nicht zuletzt durch Methoden der Künstlichen Intelligenz. Insbesondere verdeutlicht das Sprachmodell ChatGPT von OpenAI, dass KI-basierte Anwendungen für Lernen und Lehren weit über den Rahmen von gängigen Lernplattformen hinausgehen [2].
Für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungskontext stellen sich weitreichende Fragen: Wie lassen sich Lernende durch solche Anwendungen effektiv begleiten und (frühzeitig) fördern? Auf welche Weise lassen sich personenbezogene Daten für das Training von KI-Algorithmen nutzen und gleichzeitig schützen? Genügen Menge und Qualität der anfallenden Datensätze überhaupt für eine sinnvolle Anwendung von Künstlicher Intelligenz? (...)
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Erich Runge • 11/2024 • Seite 3Königsweg statt Trampelpfad
Wie lassen sich Künstliche Intelligenz und Machine Learning in das Physikstudium integrieren?
Zoë Siebers, Leonie Barghorn, Hannes Vogel und Götz Neuneck • 3/2024 • Seite 78 • DPG-MitgliederAustausch über autonome Waffensysteme
Ein dreitägiges Seminar widmete sich dem Thema „Autonome Waffensysteme und künstliche Intelligenz“.
Alexander Pawlak • 6/2023 • Seite 10 • DPG-MitgliederChatGPT an der Uni?
Der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz wird auch für Lehre und Studium diskutiert.
Denise Müller-Dum und Jens Kube • 6/2022 • Seite 46 • DPG-MitgliederEine helfende Hand
Damit Prothesen die Aufgaben unserer Hände zumindest teilweise übernehmen können, nutzen sie modernste Technologien und künstliche Intelligenz.
Kerstin Sonnabend • 5/2021 • Seite 24„Ich bin jeden Tag begeistert, wie nah wir am realen Leben sind.“
Als Physiker bei Lidl Analytics wendet Armin Müller Methoden der Statistik und der künstlichen Intelligenz an.
Dr. Armin Müller (34) arbeitet bei der Lidl Stiftung & Co. KG in Neckarsulm. Als Bereichsleiter bei Lidl Analytics unterstützt er andere Geschäftsbereiche beim Einsatz analytischer Methoden. Ziel ist es dabei, die Geschäftsprozesse des international agierenden Discounters zu optimieren – damit sich ein Einkauf bei Lidl für die Kunden lohnt.
Was waren Ihre Schwerpunkte im Studium?
Ich habe am Karlsruher Institut für Technologie studiert und für meine Diplomarbeit untersucht, wie Halbleiter-Nanopartikel auf Polymerstrukturen wachsen. Die Frage dahinter war, ob elektronische Strukturen auch ohne lithographische Verfahren herstellbar sind.
Haben Sie das in der Promotion vertieft?
Nein, ich habe nach dem Diplom bei einer Unternehmensberatung gearbeitet. Für die Promotion an der FernUniversität in Hagen war ich freigestellt und habe mich an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit Monte-Carlo-Verfahren befasst. (...)
weiterlesenMaike Pfalz / GWK / BMBF • 1/2021 • Seite 10 • DPG-MitgliederStärkung der Künstlichen Intelligenz
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat zwei neue Bund-Länder-Programme beschlossen, um die Forschung zu Künstlicher Intelligenz zu fördern.
Alexander Pawlak / BMBF • 10/2020 • Seite 11 • DPG-Mitglieder
Künstliche Intelligenz bi- und multilateral
Alexander Pawlak / Helmholtz • 9/2020 • Seite 7 • DPG-MitgliederKünstliche Intelligenz kollaborativ
Helmholtz fördert 19 KI-Projekte zur Lösung drängender gesellschaftlicher Herausforderungen.
4/2020 • Seite 54
Bücher zum Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
Kerstin Sonnabend • 4/2020 • Seite 46Ohne Handumdrehen sauber
Saugroboter reinigen den Boden dank zahlreicher Sensoren und durchdachter Algorithmen zunehmend autonom.
Maike Pfalz • 4/2020 • Seite 42„Uns hat es alle überrascht, wie gut der Mensch ist.“
Interview mit den Tübinger Forschern Felix Wichmann und Matthias Bethge zur Robustheit des Sehens und zur Zukunft der KI-Forschung in Deutschland
Der Psychophysiker Felix Wichmann und der Physiker Matthias Bethge wollen den menschlichen Sehprozess genau verstehen, um künstlichen Intelligenzen robustes Sehen beizubringen. Bethge nutzt künstliche neuronale Netze, um das Sehen zu ergründen, Wichmann beschäftigt sich mit den psychologischen Prozessen, die der menschlichen visuellen Wahrnehmung zugrunde liegen.
Sie untersuchen die Robustheit des Sehens. Worum geht es dabei konkret?
Felix Wichmann: Robustes Sehen bedeutet, sich nicht davon beeinflussen zu lassen, dass sich die Randbedingungen radikal ändern. Das stört den Menschen praktisch nicht. Wir können Objekte erkennen, wenn sie halb
verdeckt sind oder wir sie aus einem anderen Blickwinkel sehen beziehungsweise wenn es sehr hell oder dunkel wird. Dieses robuste Sehen möchten wir den Maschinen beibringen.
Worin besteht dabei das Problem?
Matthias Bethge: Wenn neue Daten oder Probleme den Trainingsdaten ähneln, sind Maschinen meistens besser als der Mensch. Aber mit Störungen können sie schlechter umgehen. In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir, was die Robustheit des menschlichen Sehens ausmacht.
Wie untersuchen Sie das?
Wichmann: Unser Labor ist komplett schwarz, damit wir die Versuchspersonen gezielt visuellen Reizen aussetzen können, die wir genau unter Kontrolle haben. Ich weiß also exakt, welches Licht mit welcher Wellenlänge den Menschen ins Auge fällt. Darauf bauen wir unsere Modelle auf, um daraus Verhalten vorauszusagen. (...)
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Marco F. Huber • 4/2020 • Seite 37Lernen aus der Black Box
Cognitive Deep Learning soll neuronale Netze und Wissensverarbeitung kombinieren.
Maschinen sind dem Menschen bei vielen Aufgaben überlegen. Ein Computer führt numerische Berechnungen um Größenordnungen schneller und präziser durch, und auch beim fehlerlosen Speichern und Abrufen großer Datenmengen ist die Maschine ungeschlagen. Was uns auszeichnet, sind die kognitiven Fähigkeiten: Zwar übertreffen künstliche Sensoren unsere Sinneswahrnehmungen, doch in der Verarbeitung dieser Information, also im Lernen, Erinnern und Anwenden, zeigt unser Gehirn seine wahre Leistungsfähigkeit. Durch das sogenannte Deep Learn ing gelang es in den letzten Jahren, den Rückstand von Maschinen bei Mustererkennung, Sprachverarbeitung oder Problemlösefähigkeit deutlich zu verkürzen und in Teilen sogar in eine Überlegenheit zu wandeln.
Von allen Sinnesorganen des Menschen ist der Sehsinn für das Wahrnehmen der Umwelt der wichtigste: Er liefert rund Prozent aller Informationen. Sehen bedeutet, dass elektromagnetische Lichtwellen die Hornhaut und das gesamte Auge durchdringen. Auf der Netzhaut angelangt, regen sie Nervenzellen an, welche die Licht reize über den Sehnerv an das Gehirn weiterleiten. Erst dort entsteht das Bild. Im visuellen Cortex, dem Bereich des Gehirns, der für das Sehen zuständig ist, reagieren Nervenzellen auf unterschiedliche Reize wie bestimmte Farbkombinationen oder Hell-Dunkel-Kontraste. Solche Eindrücke ermöglichen durch den Vergleich mit gespeicherten Bildern das Wiedererkennen eines bekannten Gesichts. (...)
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Martin Erdmann • 4/2020 • Seite 31Deep Learning
Erkenntnisgewinn durch moderne datengetriebene Methoden
Die Entwicklung neuer Technologien ist entscheidend für Erkenntnisgewinne in der Grundlagen- und angewandten Forschung. Fortschritten bei modernen Datenanalyseverfahren kommt dabei besondere Bedeutung zu: Sie sind der Schlüssel, um neue Erkenntnisse aus Messdaten zu schöpfen und entscheidenden Mehrwert aus Messapparaturen zu erwirken.
In der Physik werden aktuell Deep Learning-Verfahren bei Fragestellungen erprobt, bei denen sich ein passender Algorithmus nicht so einfach programmieren lässt. Hier weisen Deep Learning-Verfahren häufig Vorteile gegenüber bisher verwendeten Analyseverfahren auf, was zu präziseren wissenschaftlichen Resultaten führt, Erkenntnisprozesse zu mindest beschleunigt oder eventuell erst ermöglicht. Deep Learning beruht auf neuronalen Netzwerken (vgl. dazu die Artikel von Ulrich Eberl und Marco F. Huber sowie die Infoseite „Neuronale Netzwerke kurz erklärt“) [1]. Mit ihnen lassen sich flexible Modelle für beliebige funktionale Zusammenhänge realisieren (Abb. 1). (...)
weiterlesen4/2020 • Seite 30
Neuronale Netzwerke kurz erklärt
Ulrich Eberl • 4/2020 • Seite 24Die Revolution der smarten Maschinen
Treiber, Einsatzfelder und Perspektiven der Künstlichen Intelligenz
Maschinen lernen dank Künstlicher Intelligenz rasend schnell sprechen, sehen, lesen und auch, große Datenmengen nach Mustern zu durchsuchen. Sie werden bald alle Lebensbereiche des Menschen grundlegend verändern. Was treibt diese Entwicklung, wo liegen die Anwendungen, wie intelligent können Maschinen werden und was können Phy-
siker dazu beitragen?
Über ein halbes Jahrhundert lang spiegelte der Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI) eher die überzogenen Erwartungen seiner Erfinder wider, als dass er etwas mit der Realität zu tun hatte. In den Jahrzehnten nach 1956, als erstmals ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlern um John McCarthy, Marvin Minsky und Claude Shannon so bezeichnet wurde [1], waren die Erfolge überschaubar: Eine Software, die besser Dame spielte als ihr Entwickler, erste selbsttätig fahrende Autos in den 1980er-Jahren, der IBM-Rechner Deep Blue, der 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow besiegte, zweibeinige Roboter wie Hondas Asimo und kleinere Neuronale Netze, welche die Steuerung von Walzwerken und Papierfabriken optimierten – das waren die wesentlichen Meilensteine. (...)
weiterlesen4/2020 • Seite 22
Meilensteine der Künstlichen Intelligenz
Achim Lilienthal und Sami Haddadin • 4/2020 • Seite 3Die Physik der Roboter
Eine starke Verbindung von Physik und Robotik dient dem KI-Standort Deutschland.
Alexander Pawlak • 11/2019 • Seite 13
Künstliche Intelligenz für die Grundlagenforschung
Bernd Müller • 2/2019 • Seite 52Künstliche Menschen gibt es nur in Hollywood
Das Thema der letztjährigen Tagung „Forschung – Entwicklung – Innovation“ war die Künstliche Intelligenz.
Alexander Pawlak • 1/2019 • Seite 14Künstlich oder intelligent?
Die Bundesregierung hat ihre Strategie für Künstliche Intelligenz vorgestellt.
Henning Kagermann • 10/2018 • Seite 3Künstliche Intelligenz gestalten
Mit gezielter Förderung kann sich Deutschland auch in der zweiten Welle der Digitalisierung und bei der Gestaltung künstlicher Intelligenz an die Spitze der Entwicklung setzen.
Alexander Pawlak • 9/2018 • Seite 7
Konsequente Initiativen für KI
Edward G. Krubasik • 12/2017 • Seite 3Ein neues Forum in der DPG
In der DPG wurde der Arbeitskreis für „Physik und moderne Informationstechnologien“ gegründet
Maike Pfalz • 4/2017 • Seite 24Die Kunst der Intelligenz
Der Bereich künstliche Intelligenz und Robotik bietet auch Physikerinnen und Physikern vielfältige Jobmöglichkeiten.
Präzise führt der zweiarmige Roboter im Reinraum die Pipette in das winzige Reaktionsgefäß und nimmt die Flüssigkeit darin auf. Nach einem genau festgelegten Ablauf schwenkt er seinen anderen Arm zur Seite und greift eine Petrischale, in die er die Flüssigkeit füllt und rührt. Obwohl die Bewegungen ungelenk aussehen, geht nichts kaputt, nichts wird verschüttet, nie greift der Roboter daneben. Mit einer Präzision von einem Zehntel Millimeter führt er zielsicher den einprogrammierten Arbeitsablauf aus. Ob er dabei mit teuren oder giftigen Substanzen hantiert, die z. B. zur Herstellung von Krebsmedikamenten notwendig sind, spielt keine Rolle.
Heutzutage sind Roboter in der Industrie wichtige Helfer – sei es zum Sortieren, Verpacken, Kleben, Schweißen oder als ein Helfer in der Automobilherstellung, der schwere Einzelteile hebt und perfekt positioniert, damit der Mensch diese Lasten nicht mehr stemmen muss. Das japanische Unternehmen Yaskawa ist mit weltweit rund 15 000 Mitarbeitern einer der führenden Hersteller von Antriebstechnologie, Automation und Industrierobotern. Diese sind unter dem Label „Motoman“ bekannt und zählen weltweit zu den besten in puncto Bahn- und Wiederholgenauigkeit. Zudem können mehrere Roboter perfekt synchron arbeiten, indem sie parallel miteinander kommunizieren. Auch in Deutschland ist das Unternehmen tätig mit der Zentrale in Eschborn und einem Standort für Anlagentechnik und Robotik in Allershausen nördlich von München. Leiter dieses Standorts, an dem hochkomplexe Anlagen bis hin zu kompletten Fertigungsstraßen gebaut werden, ist seit dem letzten Jahr der Physiker Otwin Kleinschmidt.
Seit 2012 arbeitet er bei Yaskawa. Gestartet ist er dort als Leiter des Projektmanagements – eine Aufgabe, die nach dem Physikstudium nicht unbedingt nahe lag. „Nach dem Abschluss habe ich mich bewusst für den Wechsel in die Industrie entschieden. Alles weitere hat sich dann sukzessive entwickelt“, erinnert sich Otwin Kleinschmidt. Bei verschiedenen Arbeitgebern – zunächst in der Oberflächenanalytik, später in der Halbleiterfertigung – hat er im Marketing, Vertrieb und im Projektmanagement gearbeitet. „In all diesen Feldern hatte ich mit der Technologie zwar nicht direkt zu tun, aber ohne technisches Verständnis hätte ich keine komplexen Anlagen verkaufen können“, stellt er fest.
weiterlesenPeter Dauscher • 12/2016 • Seite 52
U. Eberl: Smarte Maschinen – Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert