24.08.2026

Im Schatten der Atombombe

Peter Illetschko: Im Schatten der Atombombe. Victor Weisskopf – Ein Physikerleben zwischen Wissenschaft und Gewissen, Residenz Verlag 2026, geb.,
160 S., 22 Euro, ISBN 9783701736218

Peter Illetschko

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Der 2002 im Alter von 93 Jahren verstorbene österreichisch-amerikanische Theoretiker dürfte den meisten durch sein zusammen mit John Blatt verfasstes Kernphysik-Lehrbuch, durch die Wigner-WeisskopfMethode oder die Weisskopf-Einheit bekannt sein.

Von all dem ist im vorliegenden Büchlein zwar keine Rede, dennoch ist es dem Autor auf nur 160 Seiten gelungen, ein – nach eigenem Bekunden Weisskopfs – „glückliches Leben in einem schrecklichen Jahrhundert“ unterhaltsam und fundiert im Kontext der Zeit auszubreiten und auch die wissenschaftlichen Verdienste angemessen zu würdigen.

Der Sohn einer gutbürgerlichen jüdischen Familie aus Wien studierte bei Hans Thirring und promovierte bei Born in Göttingen. Seine Lehrund Wanderjahre führten ihn zu Heisenberg nach Leipzig, zu Landau nach Charkow, zu Bohr nach Kopenhagen – wo er seine spätere dänische Frau kennenlernte – und zu Dirac nach Cambridge.

Er war Assistent von Schrödinger in Berlin und von Pauli in Zürich. Oppenheimer holte Weisskopf, der sich immer als Reisender und nicht als Flüchtling bezeichnete, 1943 nach Los Alamos, wo er stellvertretender Leiter der Theorieabteilung unter Bethe wurde.

Der Autor enthüllt, dass Weisskopf sich im Oktober 1942 in einem Brief an Oppenheimer wandte und vorschlug, Heisenberg bei Gelegenheit in Zürich entführen zu lassen. Eine Idee, die er später selbst als „Schnapsidee“ bezeichnete. Oppenheimer antwortete ihm nur lapidar, dass ihm Heisenbergs Vortragsreise in die Schweiz bekannt sei und „den Behörden übermittelt“ worden sei.

Weisskopf wird von allen Zeitzeugen als umgänglicher und beliebter Kollege beschrieben, der es wegen seiner sozialen Kompetenz und seines Engagements für andere in Los Alamos sogar zum Bürgermeister brachte. Er war Zeuge des ersten Atombombentests, der ihn so nachhaltig prägte, dass er beschloss, sich nie mehr an der Entwicklung von Waffen zu beteiligen.

Enthusiastisch unterstützte er nach dem Krieg die PugwashBewegung und die paneuropäische Forschungsidee eines gemeinsamen Kernforschungszentrums. Von 1961 bis 1965 ließ er sich vom MIT in Boston freistellen und wurde Generaldirektor des CERN. Der Nobelpreis blieb ihm trotz 22 Nominierungen versagt. Illetschko vermutet die Ursache hierfür in seiner zögerlichen Unsicherheit beim Veröffentlichen.

Weisskopf betonte immer wieder, dass Wissenschaft nie losgelöst von ethischer Verantwortung betrieben werden dürfe und Forschung ohne moralische Reflexion gefährlich sei.

Dr. Michael Schaaf
Deutsche Internationale Schule, Kapstadt

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