1898 ließ H. G. Wells seine bösartigen Marsianer in dreibeinigen Gefährten (Tripods) auf der Erde landen. Die Antwort der Menschheit ließ auf sich warten, aber am 20. Juli 1976 landete um 13:53 Uhr MEZ ein irdischer Dreibeiner auf dem Roten Planeten: Der Mars-Lander der NASA-Mission Viking 1 setzte sicher in der Region Chryse Planitia auf, einer weitläufigen Tiefebene auf der nördlichen Hemisphäre des Mars.
Geplant war eigentlich eine Landung am 4. Juli 1976, dem Tag der 200-Jahr-Feier der USA, die ursprüngliche Landeregion auf der östlichen Hemisphäre des Mars stelte sich jedoch als zu riskant heraus. Der neue Landetermin fiel aber ebenfalls auf einen geschichtsträchtigen Tag – sieben Jahre zuvor waren mit Apollo 11 erstmals Menschen auf dem Mond gelandet.
Sechs Wochen später gesellte sich die Zwillingssonde Viking 2 hinzu, wie bei Viking 1 mit einem begleitenden Orbiter. Die Viking-Mission legte damit vor fünfzig Jahren den Grundstein für die Erforschung der Marsoberfläche, auf dem alle nachfolgende Missionen seitdem aufbauen.



Noch zehn Jahre vor dem Start der Viking-Mission am 20. August 1975 (Viking 1) und 9. September 1975 (Viking 2) war der Mars selbst durch die besten Teleskope auf der Erde betrachtet lediglich ein fleckiger orangefarbener Ball, auf dem kaum Merkmale zu erkennen waren.
In den 1960er-Jahren flogen dann drei NASA-Missionen am Mars vorbei und nahmen dabei grobkörnige Schnappschüsse eines kleinen Ausschnitts der Oberfläche auf. Die sowjetischen Mars-Missionen scheiterten weitesgehend, leisteten aber durchaus lehrreiche Pionierarbeit.
Die NASA-Sonde Mariner 9 schwenkte 1971 erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Mars ein und war die erste Sonde, die einen anderen Planeten als die Erde umkreiste. Sie fotografierte rund 85 Prozent der Marsoberfläche und enthüllte bis dahin unbekannte Riesenvulkane und Schluchten. Erste Beobachtungen deuteten darauf hin, dass es einst Wasser auf dem Mars gegeben haben könnte.
Doch der Mars blieb ein Rätsel, solange es noch nicht gelungen war, dort einen Lander abzusetzen, um detaillierte Bilder von der Oberfläche zu erhalten. Das überaus komplexe Viking-Projekt startete im Jahr 1968 und erforderte die Arbeit vieler Tausende von Menschen, um Konstruktion und Bau einer möglichst leistungsfähigen Sonde und das ehrgeizige Ziel einer weichen Landung auf dem Mars zu erreichen.
Das Funksignal, das die erfolgreiche Landung von Viking 1 bestätigte, benötigte 19 Minuten, um die 341 Millionen Kilometer zur Erde zurückzulegen, wo sich das Missionsteam im Jet Propulsion Laboratory der NASA in Südkalifornien versammelt hatte. Die ersten beiden wurden begeistert gefeiert und markierten den Beginn der Erforschung der Marsoberfläche.

Viking 2 landete am 3. September 1976 auf der anderen Seite des Planeten. Bei den „Vikings“ handelte es sich eigentlich um zwei Paare von Raumfahrzeugen: Die Landesonden waren jeweils mit einem Orbiter gekoppelt, der die Oberflächenfahrzeuge zum Mars beförderte und anschließend in der Umlaufbahn des Planeten verblieb.
Die Orbiter sammelten eigenen Daten, übermittelten diese sowie die Ergebnisse der Lander zur Erde und nahmen Bilder aus der Umlaufbahn des Mars auf, die weitaus besser waren als alles, was Mariner 9 fünf Jahre zuvor erreicht hatte. Insgesamt mehr als 52.000 Bilder übermittelten die Viking-Orbiter zur Erde. Die Lander sammelten weitere über 4500 Bilder – ein wesentlich umfangreicherer Blick auf einen anderen Planeten als es den sowjetischen Sonden Venera 9 und Venera 10 im Jahr zuvor auf der deutlich unwirtlicheren Venus-Oberfläche gelungen war.
Das Viking-Projekt war entscheidend, um Ausrüstung und Methoden zu testen, mit denen sich ein Raumfahrzeug sicher auf die Marsoberfläche bringen ließ. Damit lieferte es den Leitfaden für nachfolgende Missionen. Die ersten Messungen und Bilder von der Oberfläche waren grundlegend für ein neues, wesentlich weitreichenderes Bild vom Mars. Mit Viking 1 und 2 zeigte sich, dass der heutige Mars kalt und trocken, aber chemisch aktiv ist.
Eindeutige Indizien für Leben ergaben sich nicht, aber es war wichtig zu erkennen, wie komplex und schwierig die Suche nach Leben auf dem Mars tatsächlich ist. Viking lieferte starke Hinweise darauf, dass in der fernen Vergangenheit Wasser eine wichtige Rolle auf dem Mars gespielt hat. Die prägende Rolle der Mission für unser Wissen über den Mars ist nicht zu unterschätzen, zumal es zwei Jahrzehnte dauern sollte, bis mit der NASA-Mission Pathfinder (vgl. hier auf S. 7)der erste Mars-Rover, Sojourner, am 4. Juli 1997 im Gebiet Ares Vallis landete.
Weitere NASA-Missionen sollten folgen: die Rover Spirit und Opportunity (2004), der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO, 2006) mit der hochauflösenden HiRISE-Kamera, der Rover Curiosity (Mars Science Laboratory, 2012) sowie Perseverance und Ingenuity (Mars 2020). Mit Mars Express (2003) und dem ExoMars-Programm wurde die ESA ein weiterer wichtiger Player bei der Erforschung des Mars.
All diese und künftige Missionen, etwa die ehrgeizige Probenrückfuhrmission Tianwe-3, setzen die Erforschung des Mars fort, die mit Viking vor fünfzig Jahren begonnen hat. Ob dort auch einmal mit dem Menschen Zweibeiner landen werden, steht derzeit noch in den Sternen.
Weitere Informationen
- Viking Project (NASA)
- Mars (NASA)
- Das Viking-Programm (DLR)
- Das Mars-Mysterium von Cydonia (ESA, 16. Oktober 2006)
- Viking Lander (National Air and Space Museum)
- Journal of Geophysical Research 82, Issue 28 (1977) [Sonderausgabe mit Ergebnissen der beiden Viking-Missionen]
Weitere Beiträge
- Physik Journal Dossier: Sonnensystem
- Horst W. Köhler, Mars-Programm Viking im Rückblick, Physikalische Blätter 34, 175 (1978) PDF
- Horst W. Köhler, Marslandung und erste Ergebnisse von Viking 1, Physikalische Blätter 32, 445 (1976) PDF
- Horst W. Köhler, Programm Viking, die Landung auf dem Mars, Physikalische Blätter 31, 373 (1975) PDF
- Weitere Artikel zum Mars in den Physikalischen Blättern (Wiley Online Library)
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