04.09.2026 • Sonnensystemforschung

Loslassen, um anzukommen

Mit der erfolgreichen Abtrennung des Transfermoduls hat die mehrstufige Ankunftsphase der ESA-Mission Bepi-Colombi zum Merkur begonnen.

OEAW / ESA / Alexander Pawlak

Merkur ist der einzige Planet im Sonnensystem, der wie die Erde ein eigenes – aber etwa 150-mal schwächeres – Magnetfeld besitzt. Die europäisch-japanische Mission BepiColombo soll ab 2027 dieses Magnetfeld und seine Beeinflussung durch den Sonnenwind auf völlig neue Weise untersuchen. Erstmals werden dabei zwei Raumsonden das Magnetfeld gleichzeitig präzise vermessen, um den inneren Aufbau des Merkur zu erforschen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit dem Erdkern zu untersuchen. Dadurch wird sich auch die innere Struktur unseres Heimatplaneten besser verstehen lassen.

Nach fast acht Jahren im Weltraum und rund neun Milliarden zurückgelegter Kilometer sind die beiden wissenschaftlichen Orbiter von BepiColombo, der Mercury Planetary Orbiter (MPO) der ESA und der Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio) der japanischen Raumfahrtagenteur JAXA nun auf dem Weg zum Eintritt in die Umlaufbahn um den Merkur.

Das Team des ESA-Raumflugkontrollzentrums ESOC in Darmstadt registrierte am 3. September um 15:52 Uhr das erlösende Signal. Das empfangene Doppler-Signal bestätigte, dass sich das Transfermodul erfolgreich abgetrennt hat – ein kritischer Meilenstein, der die mehrstufige Ankunftsphase einleitet. Aktuelle Telemetriedaten zeigen, dass alle Systeme ordnungsgemäß funktionieren und die Solarpaneele des MPO die Batterien des Raumfahrzeugs aufladen. Der MPO wird die Energieversorgung übernehmen, bis sich der Mio am 9. oder 10. Dezember 2026 abtrennt.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) leistet mit zwei Instrumenten, dem Spektrometer MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer) und dem Laser-Höhenmessgerät BELA (BEpiColombo Laser Altimeter) einen zentralen Beitrag zur wissenschaftlichen Nutzlast von BepiColombo. Die beiden Instrumente wurden vom DLR gebaut und während der Mission betrieben.

In Österreich sind neben dem Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die beiden Weltraumfirmen Beyond Gravity Austria und Terma Technologies maßgeblich an der Mission beteiligt. Ein technologisch wesentlicher Aspekt dabei ist der Hitzeschutz der Raumsonde, wissenschaftlich stehen die Erforschung des Merkur-Magnetfeldes und die Untersuchung der dünnen Atmosphäre des Planeten im Mittelpunkt.

BepiColombo startete am 20. Oktober 2018 an Bord einer Ariane‑5-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Es ist Europas erste Mission zum Merkur, dem innersten, kleinsten und am wenigsten erforschten Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems. Bisher besuchten erst zwei US-amerikanische Raumsonden den Merkur: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und MESSENGER von 2011 bis 2015..

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BepiColombo ist zudem die erste Mission, bei der mit MPO und Mio zwei Raumsonden zum Merkur gebracht wurden, um zeitgleich einander ergänzende Messungen des Planeten, seiner Wechselwirkung mit der nahen Sonne und seiner dynamischen Umgebung vorzunehmen.

Obwohl der Merkur relativ nahe an der Erde liegt (im Durchschnitt etwa 77 Millionen Kilometer), ist die Reise dorthin aufgrund der starken Gravitationskräfte der Sonne äußerst anspruchsvoll. BepiColombo benötigte aus diesem Grund einen Vorbeiflug an der Erde, zwei Vorbeiflüge an der Venus und sechs am Merkur selbst sowie ein solarelektrisches Antriebssystem, um gegen die gewaltige Anziehungskraft der Sonne in eine stabile Merkurumlaufbahn einschwenken zu können. Bei dem Transfermodul wurde erstmals ein Ionentriebwerk im interplanetaren Raum verwendet, dessen Betrieb sich mitunter als trickreich herausgestellt hat. Dadurch hat sich die Ankunftszeit um ein Jahr verzögert

Nach der Abtrennung vom Transfermodul werden die verbleibenden Bremsmanöver durchgeführt, um die beiden wissenschaftlichen Satelliten ans Ziel zu bringen. Bevor die wissenschaftliche Phase der Mission im April 2027 beginnen kann, gilt es einige bedeutende und äußerst kritische Zwischenziele zu erreichen.

Wenn BepiColombo Ende 2026 beim Merkur ankommt, werden die Hightech-Instrumente an Bord trotz der extremen Hitze an der Außenhülle der Satelliten mindestens zwei Jahre lang hochgenaue Daten über den kleinsten und am wenigsten erforschten Gesteinsplaneten sammeln.

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Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

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