Wellenfunktion eines Moleküls dreidimensional abgebildet
Göttinger Team kombiniert hochpräzise Photoelektronenspektroskopie mit leistungsfähigen Computeralgorithmen.
Einem interdisziplinären Forschungsteam der Universität Göttingen ist es nun gelungen, die Wellenfunktion eines nanometergroßen organischen Moleküls dreidimensional abzubilden – und das mit einer Röntgenlichtquelle, die auf einen Labortisch passt. „Die Wellenfunktion ist eine fundamentale Größe der Quantenmechanik, lässt sich aber nicht direkt messen“, erklärt Stefan Mathias, Leiter der Forschungsgruppe „Ultraschnelle Dynamik in Quantenmaterialien“. Besonders interessant sind die Wellenfunktionen der Elektronen in Molekülen. Diese Molekülorbitale bestimmen, wie ein Molekül Licht aufnimmt oder chemische Reaktionen eingeht. Um sie sichtbar zu machen, kombinierte das Team hochpräzise Photoelektronenspektroskopie – dabei löst Licht Elektronen aus dem Material, deren Impuls Rückschlüsse auf die Wellenfunktion erlaubt – mit leistungsfähigen Computeralgorithmen. Das Ergebnis: ein vollständiges 3D-Bild des Molekülorbitals, mit einer Auflösung feiner als der Abstand zweier Kohlenstoffatome. Bisher waren solche Aufnahmen nur an großen Beschleunigeranlagen möglich, und selbst dort nur mit erheblichem Zeitaufwand.


„Wir führen zwei neue Konzepte ein: Erstens liefert unser von Grund auf neu entwickelter Algorithmus zuverlässige 3D-Bilder aus deutlich weniger Messdaten. Zweitens beruht das Experiment auf einer leistungsstarken Lichtquelle im Labormaßstab, die ultrakurze Pulse weicher Röntgenstrahlung erzeugt“, erklärt Matthijs Jansen, Mitglied der Forschungsgruppe und einer der Leiter der Studie. „Es ist die Kombination beider Methoden, die diese Ergebnisse so beeindruckend macht.“ Erstautorin Wiebke Bennecke von derselben Forschungsgruppe fügt hinzu: „Damit könnte stroboskopische Videografie Wirklichkeit werden: Wir würden nicht nur die Form von Wellenfunktionen sehen, sondern auch, wie sie sich verändert – mit einer Zeitauflösung von Femtosekunden. So lernen wir, wie ein Molekül auf optische, elektronische oder chemische Reize reagiert, und finden neue Wege, diese Prozesse auf atomarer Skala zu steuern.“ [GAU / dre]
Weitere Informationen
- Originalveröffentlichung
W. Bennecke, T. L. Dinh, J. P. Bange, et al., Table-top three-dimensional photoemission orbital tomography with a femtosecond extreme ultraviolet light source, Nat. Commun. 17, 5457, 19. Juni 2026; DOI: 10.1038/s41467-026-74308-1 - AG Ultraschnelle Dynamik in Quantenmaterialien (Stefan Mathias), 1. Physikalisches Institut – Quantenmaterialien, Georg-August-Universität Göttingen
Anbieter
Georg-August-Universität GöttingenWilhelmsplatz 1
37073 Göttingen
Deutschland
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