10.07.2023

Würdigung für Lebenswerk

Karlheinz Langanke wird Ehrenmitglied der Europäischen Physikalischen Gesellschaft.

Es ist eine große Ehre für eine renommierte Forscher­persönlichkeit und zugleich eine Würdigung der heraus­ragenden Qualität der wissen­schaftlichen Forschung am GSI Helmholtz­zentrum für Schwerionen­forschung und dem künftigen Beschleuniger­zentrum FAIR: Der theoretische Kernphysiker Karlheinz Langanke ist von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPS) zum Ehren­mitglied ernannt worden. Diese Auszeichnung wird nur wenigen Wissenschaftlern weltweit zuteil, da die Liste der EPS-Ehren­mitglieder nie mehr als dreißig lebende Personen umfasst.

 

Abb.: Karlheinz Langanke (Bild: G. Otto / GSI / FAIR)
Abb.: Karlheinz Langanke (Bild: G. Otto / GSI / FAIR)

Der EPS-Council hat vor kurzem in seiner Sitzung die Aufnahme von Karlheinz Langanke in diesen außergewöhnlichen Kreis beschlossen, der nun aus 19 Mitgliedern besteht, darunter sieben Nobelpreis­träger. Die Ehren­mitgliedschaft ist eine Würdigung seiner erstklassigen Leistungen in der Physik und seines wissen­schaftlichen Lebenswerkes.

Karlheinz Langanke arbeitet auf dem Gebiet der theoretischen Kernastrophysik, insbesondere an der theoretischen Berechnung von Kernreaktionen in Supernovae und der stellaren Element­synthese. Geboren 1951, studierte er Physik an der Universität Münster, wo er auch promovierte und sich habilitierte. Als Postdoc ging er an das California Institute of Technology (Caltech), wo der Nobelpreis­träger Willy Fowler sein Interesse an der nuklearen Astrophysik weckte. Von 1987 bis 1992 hatte er eine Professur an der Universität Münster inne, und 1992 trat er als Senior Research Associate in die Fakultät des Caltech ein. Im Jahr 1996 nahm er einen Lehrstuhl an der Universität Aarhus in Dänemark an. Seit 2005 hat er eine gemeinsame Professur an der Technischen Universität Darmstadt und an der GSI inne, wo er auch als Forschungsdirektor und 2015/16 zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Geschäfts­führer tätig war.

Der wissenschaftliche Geschäftsführer von GSI und FAIR, Paolo Giubellino, betont: „Ich freue mich sehr über die Wahl von Professor Karlheinz Langanke zum Ehrenmitglied der EPS. Er ist eine heraus­ragende Persönlichkeit in unserem Wissenschafts­bereich und hat das wissenschaftliche Programm von GSI und FAIR entscheidend mitgestaltet. Er ist ein herausragender Wissenschaftler, der mit seinen Projekten und seinem Engagement wichtige Herausforderungen in der Kernphysik angeht. Mit der Aufnahme in diesen renommierten Kreis der EPS-Ehrenmitglieder werden seine wissenschaftliche Arbeit und sein internationales Ansehen zu Recht gewürdigt. Zugleich zeigt die Auszeichnung die wissenschaftliche Stärke von GSI und FAIR. Karlheinz Langankes bahnbrechende Beiträge zur mikroskopischen Beschreibung von nuklearen Prozessen in astro­physikalischen Umgebungen haben einen tiefgreifenden Einfluss auf unser modernes Verständnis der Stern­entwicklung, der Supernova­dynamik und der Nukleosynthese. Karlheinz initiierte und entwickelte weltweit führende Aktivitäten auf dem Gebiet der nuklearenKarlheinz Langanke zum Ehrenmitglied der Europäischen Physikalischen Gesellschaft ernannt Astrophysik in Darmstadt, die in Zukunft das Rückgrat der Forschung an unserer neuen Anlage FAIR bilden werden, von der wir grundlegende neue Erkenntnisse über den Ursprung der Elemente im Universum und der astrophysikalischen Objekte, die sie hervorbringen, erwarten. Die Arbeit von Professor Langanke schafft somit ein wichtiges und lang anhaltendes Vermächtnis.“

Karlheinz Langanke hat sich im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere mit vielen Themen der nuklearen Astrophysik beschäftigt, die von hydrostatischen Brennphasen in Sternen bis zum Verständnis der Dynamik und der damit verbundenen Nukleosynthese von explosiven Ereignissen wie Supernovae reichen. Seine wohl wichtigste Forschungs­arbeit befasst sich mit dem Elektronen­einfang an Kernen, dem dominierenden Prozess, der dem Gravitations­kollaps im Kern eines massiven Sterns entgegenwirkt und zu einer Supernova­explosion führt. Er entwickelte die Strategie und die Techniken zur Beschreibung dieses Prozesses unter den extremen Dichte- und Temperatur­bedingungen, die in einem kollabierenden Stern herrschen. Seine Ergebnisse fließen heute in moderne Supernova-Simulationen ein und haben wichtige Konsequenzen für die Dynamik des Kollapses. Darüber hinaus entwickelte Langanke auch das Forschungs­gebiet der Neutrino-Kern-Reaktionen für astro­physikalische Anwendungen in der Nukleo­synthese und dem Neutrino-Nachweis auf der Erde. Er erkannte auch die wichtige Rolle, die Spaltausbeuten in der Nukleosynthese des r-Prozesses spielen, und entwickelte zusammen mit GSI-Experimentatoren den ersten Satz von Spaltausbeuten für Kerne des r-Prozesses.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Karlheinz Langanke unter anderem 2012 mit dem Lise-Meitner-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft und 2015 mit dem Benjamin Lee Professorship Award des Asian Pacific Center for Theoretical Physics ausgezeichnet. Er wurde zum Mitglied der Academia Europaea gewählt und zum Ehrenmitglied der Hellenic Nuclear Physics Society ernannt. Langanke wurde in zahlreiche internationale Beratungsgremien führender Laboratorien weltweit berufen. Er ist Autor zahlreicher bedeutender wissenschaftlicher Publikationen und Übersichts­artikel. Darüber hinaus vertrat er das Gebiet der nuklearen Astrophysik auf vielen großen Konferenzen und hält regelmäßig Vorträge in Schulen auf allen Kontinenten, um seine Begeisterung für die nukleare Astrophysik mit der nächsten Generation von Forschern zu teilen.

GSI / DE

 

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