Der Traum vom Weltraum
Dallas Campbell: Der Traum vom Weltraum – Menschen, Missionen und Meilensteine der Raumfahrt, Knesebeck, München 2026, geb., rund 400 Abb., 288 S., 40 Euro, ISBN 9783989620841
Dallas Campbell
Der britische Wissenschaftsjournalist Dallas Campbell spannt mit seinem „Space Journal“, so der Titel der englischen Ausgabe, einen Bogen von Keplers Traum einer Mondreise bis zum Forschungsgebiet der Weltraumarchäologie. Dabei gelingt ihm das Kunststück, aufschlussreichen Lesestoff für Neulinge wie für eingefleischte Raumfahrtfans zu bieten. Campbell bringt auch die oft beschworenen zwei Kulturen unter einen Hut, was der originale Untertitel „Art, Science and Cosmic Exploration“ besser trifft als derjenige der deutschen Ausgabe, an der es sonst nichts zu bemängeln gibt.

Ziel ist keine enzyklopädische Raumfahrtgeschichte, sondern eine unterhaltsame Auswahl repräsentativer Porträts, die Schlaglichter auf vielfach unbekanntere, aber darum nicht weniger wichtige Bereiche werfen. Die 33 Kapitel sind dabei in sechs Bereiche gruppiert, die vom „Traum“ und frühen „Himmelsbeobachtern“ zur „Zündung“, „Reise“ und schließlich zur „Suche nach Leben“ und „Zeitenwanderer“ führen.
Dabei lernt man den Maler Chesley Bonestell kennen, der faszinierende und erstaunlich realistische Ansichten von den Planeten gemalt hat, lange bevor Sonden dorthin gelangen. Gleichermaßen faszinierend ist das Werk von Mary Ward, einer Amateurastronomin im viktorianischen Zeitalter, die eine Pionierin der Wissenschaftspopularisation war.
Besonders überraschend fand ich das Kapitel über die wichtigen Beiträge von Frauen zum Apollo-Programm. Das betrifft nicht nur die eher bekannten Beispiele aus dem Kontrollraum oder in der Programmierabteilung, sondern die im wahrsten Sinne des Wortes lebenserhaltenden Näharbeiten für die Raumanzüge und die Webtechniken für die magnetischen Datenspeicher.
Das große Plus des Buches ist die Bebilderung. Das Querformat und die flach aufliegende Bindung erweisen sich als sehr vorteilhaft. Statt sattsam bekannter Fotos oder schlecht reproduzierter historischer Bilder hat der Autor mit einem Rechercheteam rund 400 Abbildungen zusammengetragen, die in hervorragender Qualität abgedruckt sind und immer wieder überraschen.
Ein gutes Beispiel liefern die originaltreu abgedruckten Messkurven, auf denen Jocelyn Bell Burnell den ersten Pulsar entdeckte und die zu einem ikonischen Schallplatten-Cover führten. Kleinteilig, aber nicht weniger faszinierend ist der „Integrated Space Plan“ des Ingenieurs Ron Jones.
Campbell schreibt ebenso instruktiv wie inspiriert und hat die herausgestellten Zitate klug ausgewählt, wobei die Schattenseiten der Raumfahrtgeschichte nicht ausgespart bleiben. Kurzum: ein rundweg empfehlenswertes Buch über die lange Geschichte der Raumfahrt und ihrer Inspirationen!
Alexander Pawlak
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