23.06.2020

Können wir die Welt verstehen?

Josef M. Gaßner und Jörn Müller: Können wir die Welt verstehen? S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, geb., 672 S., 32 €, ISBN 9783103974812

Josef M. Gaßner und Jörn Müller

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Können wir die Welt verstehen?

Eins vorab: Der Titel des Buches ist etwas irreführend, denn der dicke Band des Astrophysikers Josef M. Gaßner und des Experimentalphysikers Jörn Müller ist keine philosophische Untersuchung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Der Untertitel „Meilensteine der Physik“ trifft die Intention des Buches viel besser, nämlich verständlich und anschaulich in die großen Theorien der Physik einzuführen.

So etwas hätte ich mir als Lektüre während meines Studiums gewünscht, denn es spannt den großen Bogen, den man im Wust der Details von Vorlesungen oft vermisst. Dabei werden die grundlegenden Formeln aber nicht ausgespart, sodass das Buch an den Stoff der Vorlesungen anschließt. Zudem ist es sehr übersichtlich gestaltet und hervorragend farbig illustriert.

Die beiden Autoren führen locker, aber nicht anspruchslos durch die (im Wesentlichen theoretische) Physik zunächst von der Klassischen Mechanik über die Spezielle zur Allgemeinen Relativitätstheorie und Quanten­mechanik. Anschließend behandeln sie die Quantenfeldtheorien und das Standardmodell mitsamt dem Higgs-Mechanismus, wobei sie das Higgs-Feld launig und durchaus zutreffend als „Bad Bank“ der Quantenfeldtheo­rie bezeichnen.

Dieser Abschnitt zeigt sehr gut, wie man auf etwas höherem Niveau gelungen die ausgetretenen Pfade der Physik-Popularisierung verlassen kann. Am Schluss blicken die Autoren über den Tellerrand des Standardmodells hinaus und führen in die Quantenschleifen­theorie, Supersymmetrie und Stringtheorie ein.

Insgesamt ist den beiden Autoren ein überaus lesenswertes und lehrreiches Buch gelungen, das erfolgreich die Brücke zwischen Populärwissenschaft und Lehrbuch schlägt.1)

Alexander Pawlak


1) Das Buch ist gewissermaßen die Begleitlek­türe zur Video-Serie „Von Aristoteles zur Stringtheorie“ von Josef von Gaßner. Diese findet sich auf bit.ly/3eHXBoD.

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