Naked-eye Astronomy
Thomas Hockey: Naked-eye Astronomy, DeGruyter (2025), XIX + 444 Seiten S., brosch., 74,95 Euro, ISBN 9783111441184
Thomas Hockey

Astronomie mit dem bloßen Auge ist ein faszinierendes Feld – sowohl für Studierende als auch für naturwissenschaftliche Laien, die sich an Naturphänomenen erfreuen. Ein Lehrbuch zum Thema misst sich daher zwangsläufig immer am Erfolg des Balanceakts, beiden Gruppen gerecht zu werden. Im Vorwort tut sich der Autor Thomas Hockey noch etwas schwer damit, seine Zielgruppe zu umreißen. Aufgrund des Aufbaus und der Bewerbung als Lehr- und nicht als Sachbuch scheint es mir jedoch klar auf Studierende nordamerikanischer Hochschulen ausgerichtet, die in ihrem Curriculum irgendein naturwissenschaftliches Fach belegen müssen, ohne allzu tief einsteigen zu wollen.
Die insgesamt rund 440 Seiten sind in 20 recht kurze Kapitel unterteilt, von denen sich jedes in einer Vorlesungsstunde behandeln lässt. Der Beginn eines jeden Kapitels umreißt jeweils die Lernziele; am Ende findet sich eine kurze Zusammenfassung, bevor meist etwa zehn bis zwölf Fragen zum Thema die Leser:innen zum Reflektieren anregen.
Die einführenden acht Kapitel behandeln das Auge, die Atmosphäre und den Himmel über uns sowie kurz die Sterne und wie wir uns am Himmel zurechtfinden. Hockey führt dabei auch quantitativ die Himmelskugel sowie ihre Winkelkoordinaten und die Präzession ein. Der Hauptteil beobachtbarer Objekte am Himmel beginnt mit der Sonne und der Erklärung der Jahreszeiten sowie der täglichen Sonneneinstrahlung. Es folgen Kapitel zum Mond und seinen Zyklen, zu Finsternissen, den Planeten, dem Sonnensystem und zu beobachtbaren Phänomenen darüber hinaus.
Am Ende finden sich zwanzig kurze Anhänge, darunter diverse Tabellen von Sternen, Doppelsternen und Sternbildern sowie ausgewählte Daten zu Planeten und Meteorschauern, aber auch Definitionen von Jahres-, Monats- und Tageslängen. Ein in Zeiten des Internets meines Erachtens überflüssiges Glossar ergänzt das Buch, dazu kommen ein Index und eine viel zu kurze Liste weiterführender Bücher. Ein Beispiel: Beim Thema Finsternisse hätte ich mindestens eines der Standardwerke erwartet wie Totality: Eclipses of the Sun (Oxford University Press 2009).
Positiv hervorzuheben sind viele zumeist unbekannte Fotos der Phänomene. Etwas unüblich für ein Lehrbuch erscheint allerdings, dass praktisch alle Abbildungen ohne Erwähnung im Text auftauchen und zudem meist nur sehr kurze, teils zu knappe, Bildunterschriften haben. Einige wenige Druckfehler sind verschmerzbar, selbst Laien werden aus dem Kontext heraus vermuten, dass es nicht 4,8, sondern 4800 Sterne mit Magnitude 6,0 oder heller gibt.
Alles in allem ist das Buch als Lehrbuch für den deutschen Markt nur bedingt empfehlenswert. Als Sachbuch gelesen, können naturwissenschaftliche Laien allerdings durchaus von der Lektüre profitieren.
Prof. Dr. Michael Vollmer
TH Brandenburg
Weitere Informationen













