23.02.2026 • Science Fiction

Letzte und Erste Menschen / Sterneschöpfer

Olaf Stapledon: Letzte und erste Menschen, Dieter von Reeken, Lüneburg 2025, brosch., 322 S., 22,50 Euro, ISBN 9783911230148; Sternenschöpfer – Star Maker, Dieter von Reeken, Lüneburg 2025 (ergänzte Nachauflage)243 S., 17,50 Euro, ISBN 978-3-945807-67-5

Olaf Stapledon

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Die Bezeichnung „Science-Fiction“ ist nun fast hundert Jahre alt. Sie hat ­ihren Ursprung im April 1926, als ihn der aus Luxemburg stammende Radio­techniker und Verleger Hugo Gernsback im allerersten Heft seines Magazins „Amazing Stories“ einführte, zunächst noch als „Scientific­tion“. Kaum vier Jahre später erschien eines der bis heute erstaunlichsten Werke dieses Genres: die große Erzählung „Last and First Men“ des englischen Philosophen und Schriftstellers Olaf Stapledon (1886 – 1950).

Darin wird nichts weniger geschildert als die Zukunft der Menschheit in den kommenden zwei Milliarden Jahren. In diesem Zeitraum ent­wickeln sich 18 verschiedene und immer exotischere­ Generationen von Menschen, die auch die Venus und zu guter Letzt den Neptun besiedeln, bevor das Ende des Sonnen­systems ihr Schicksal besiegelt.

Mit noch größerem Einfallsreichtum als bei H. G. Wells in „The Time Machine“ (1895) wagt sich Stapledon in die fernste Zukunft. Ihm gelingt das Kunststück, eine detaillierte „future history“ aus der Perspektive des 18. und letzten Menschen so zu erzählen, dass es oft nur wenige Zeilen braucht, um den Verlauf von vielen Jahrtausenden zu schildern.

Stapledons „evolutionäre Fantasie“ erschafft Wesen, die oft nur noch entfernt Ähnlichkeit mit dem heutigen Menschen haben, dafür aber fliegen oder den Lauf der Zeit verändern können, der Schwerkraft des Neptuns angepasst sind oder sich wie der letzte Mensch in weitere Subgeschlechter aufteilt, die aber telepathisch verbunden sind. Mit seinem Füllhorn an Science-Fiction-Ideen hat Stapledon großen Einfluss auf Autoren wie Arthur C. Clarke und Iain M. Banks ausgeübt.

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Dem Herausgeber und Übersetzer Dieter von Reeken verdanken wir nun diese gerade mal dritte deutsche Ausgabe nach der ersten von 1983. Dabei hat er zwei Seiten ergänzt, die in den bisherigen Ausgaben gefehlt habe, Im Vorwort rät er, die ersten drei oder vier Kapitel zu überspringen, wenn man davon irritiert sein sollte, dass sie auch die Zeit bis zu unserer Gegenwart berühren.

Denn Stapledon schildert darin zunächst in größerer Ausführlichkeit die Ereignisse in den vier Jahrhunderten nach 1930. Dabei spielen neben zahlreichen Kriegen die Entdeckung der „subatomaren Energie“, die Wissen­schaft und die Energieversorgung eine besondere Rolle. In den Zeiten eines US-Präsidenten Trump, der den Staatspräsidenten von Venezuela entführen lässt, Ansprüche auf Grönland erhebt und Fakten der Klimaforschung für ungültig erklärt, gewinnen diese Kapitel neue Relevanz. Es ist bezeichnend, dass die „Amerikanisierung“ bei Stapledon mit der Erschöpfung der arktischen Kohlevorkommen endet.

Olaf Stapledons visionäre Achterbahnfahrt ist nicht als Vorhersage gedacht, sondern als Zukunfts­mythos und Warnruf, der sich an eine gefährdete Menschheit richtet. Auch nach fast hundert Jahren ist das immer noch eine erstaunliche Lektüre.

Das gilt auch für sein 1937 erschienenes Buch Star Maker (Sternenschöpfer), das eine noch weitere zeitliche wie räumliche Perspektive entfaltet. Darin wird ein Engländer bei der Betrachtung des Nachthimmels aus seiner bitteren Existenz in die Tiefen des Alls katapultiert, das er nun körperlos durchstreift. Er erkundet fremde Welten, verbindet sich mit anderen bewussten Wesen und wird Zeuge der Entstehung und des Untergangs von Zivilisationen. Auf dieser kosmischen Odysee erkundet er den Ursprung wie die Zukunft des Universums.

Die an die heutige Rechtschreibung angepasste Übersetzung dieser kosmischen Erzählung, die 1966 erstmals auf Deutsch erschienen ist, ist ebenfalls von Dieter von Reeken neu aufgelegt worden. Zusammen mit „Letzte und Erste Menschen“ ergibt sich wohl die weitreichendste Geschichte der Zukunft, die es in der Science-Fiction-Literatur gibt.

Alexander Pawlak

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