18.09.2003

Wie die Zeit in die Welt kam

Genz

Wie die Zeit in die Welt kam

Von H. Genz.
Hanser Verlag, München 1996. 337 S., geb.,
ISBN 3-446-18742-1

,,Für uns gläubige Physiker hat die Scheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer wenn auch hartnäckigen Illusion" - dieses Zitat aus Einsteins Kondolenzbrief an die Familie seines langjährigen Freundes Michele Besso, vier Wochen vor Einsteins Tod verfaßt, dient als Motto des vorliegenden Buches. Wie kam die Illusion Zeit in die Welt?

Um dies zu verstehen, sind verschiedene Aspekte zu betrachten. Zum einen gibt es den Parameter Zeit, der quasi als Etikett für physikalische Ereignisse dient. Zum anderen zeichnen fast alle beobachteten Phänomene eine Zeitrichtung aus, obwohl die grundlegenden physikalischen Ge setze dies gerade nicht tun. Am erstaunlichsten ist der Zeitbegriff auf der fundamentalen Ebene der Quantengravitation - deren Gleichungen enthalten überhaupt keinen Zeitparameter mehr. Dies verstärkt noch den Eindruck, den Hermann Weyl durch die Relativitätstheorie gewann: ,,Die objektive Welt ist schlechthin, sie geschieht nicht."

Genz nähert sich einer Antwort auf diese Frage, indem er sowohl die Rolle des Parameters Zeit in den physikalischen Theorien von der klassischen Mechanik bis zur Relativitätstheorie und Quantenmechanik als auch die verschiedenen Manifestationen des ,,Zeitpfeils" detailliert untersucht. Letztere sind vor allem die durch den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik festgelegte Zunahme der Entropie sowie die wohldefinierten klassischen Eigenschaften (,,Verfestigungen"), die in der Quantenmechanik aus der Verschränktheit von Zuständen beim Übergang zum klas sischen Grenzfall irreversibel entstehen. Dies kann nur verstanden werden, wenn der überaus starke Einfluß der Außenwelt auf die entsprechenden physikalischen Systeme, bei denen es sich ja um offene Systeme handelt, einbezogen wird.

Wie der Autor überzeugend ausführt, können alle Zeitpfeile auf eine Ursache zurückgeführt werden: die extreme Ordnung in der Frühphase des Universums. Deren Ursprung kann freilich erst im Rahmen einer fundamentalen Theorie verstanden werden. Die Zeit kommt in die Welt durch Aufteilung in ,,Beobachter" und ,,Beobachtetes", ihre Richtung entsteht durch die zunehmende Unordnung im Universum. In diesem Sinne ist die beobachtete Veränderung der Welt tatsächlich eine Illusion.

Genz hat sein Buch sehr kurzweilig und didaktisch gestaltet. Zahlreiche Einschübe erkenntnistheoretischer Art, die vor allem begründen sollen, daß die Welt naturwissenschaftlich erklärt werden kann, runden das Werk ab. Im Unterschied zu manch anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema werden auch neueste Entwicklungen berücksichtigt. Die Lektüre kann sowohl Physikern als auch interessierten Laien empfohlen werden.

C. Kiefer, Freiburg

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