27.03.2026

Aller guten Dinge sind drei

Der Wissenschaftsrat empfiehlt die ersten drei Projekte der nationalen Shortlist für Forschungsinfrastrukturen zur baldigen Umsetzung.

Maike Pfalz / DESY / FZ Jülich

Im vergangenen Sommer hatte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eine Shortlist für Forschungsinfrastrukturen mit den vielversprechendsten neun Projekten veröffentlicht. Davon waren sechs in der Physik angesiedelt. Nun hat der Wissenschaftsrat die ersten drei Projekte zur baldigen Umsetzung empfohlen: Demnach sollen drei Strahlungsquellen nun den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken, nämlich die Dresden Advanced Light Infrastructure (DALI) des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, die High Brilliance Neutron Source – Phase I (HBS-I) des Forschungszentrums Jülich und des Helmholtz-Zentrums Hereon sowie die 4D-Röntgenmikroskopiequelle PETRA IV des Deutschen Elektronen-Synchrotrons.

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Quelle: HZDR / FZ Jülich / DESY

Ziel des Nationalen Prio­ri­sie­rungs­ver­fah­rens war es, diejenigen Projekte auszuwählen, die für den Ausbau und Erhalt der deutschen Spitzen­position im interna­tionalen Wettbewerb und der Leistungs­fähigkeit des deutschen Wissenschafts­systems als Teil des europäischen Forschungs­raums prioritär sind. Bis zum Ende der Eingangsfrist Ende Oktober 2024 waren 32 Konzepte mit einem Investi­tions­volumen von insgesamt 8,5 Milliarden Euro eingegangen, von denen es neun auf die Shortlist schafften. 

Das Vorhaben DALI am HZDR plant den Betrieb beschleuniger­basierter Terahertz-Licht­quellen. Diese sollen die Analyse von Materie unter hoch­intensiven elektromagnetischen Feldern ermöglichen und neue Einblicke in kurz­lebige Zustände von Materie auf ultra­schnellen Zeitskalen eröffnen. DALI ist als interna­tionale User Facility konzipiert, die ab dem Jahr 2035 wissen­schaftlichen Communitys und industriellen Nutzenden für anspruchs­volle, multi­diszi­plinäre Experimente offenstehen soll. Die Anlage soll neue Forschungs­ansätze in den Material­wissen­schaften, der Festkörper­physik und Halbleiter­forschung ermöglichen und damit zum Erkenntnis­gewinn in der Physik, Chemie, Biologie, Elektronik und Medizin beitragen.

Besonders positiv hebt der Wissenschaftsrat den klaren Anwendungsbezug, die enge Verzahnung von Grundlagenforschung und industrieller Nutzung sowie das hohe Kooperationspotenzial hervor. DALI adressiere zentrale Herausforderungen moderner Hochtechnologie‑Produktion, etwa Prozessstabilität, Qualitätssicherung und Skalierbarkeit. Überzeugend seien das wissenschaftliche Konzept, die starke Einbindung führender Forschungseinrichtungen sowie die strategische Bedeutung des Vorhabens für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Insgesamt wird DALI als zukunftsweisend, gut begründet und wissenschaftlich wie technologisch hoch relevant bewertet.

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Beate Heinemann • 6/2025 • Seite 3

Essenzielle Investitionen

Die HBS-I des FZ Jülich und des Helmholtz-Zentrums Hereon soll eine leistungs­fähige, national verankerte Neu­tro­nen‑User‑Facility auf Basis der HiCANS‑Technologie etablieren. Mithilfe hochbrillanter Neutronenstrahlen mit kleinem Durchmesser geht es darum, Struktur, Dynamik und Magnetismus von Materialien auf atomarer und molekularer Ebene zu untersuchen. Zentrale wissen­schaft­liche Ziele sind die Stärkung der Material‑, Energie‑, Lebens‑ und Quanten­technologie­forschung, die Ausbildung des wissen­schaft­lichen Nachwuchses sowie die Entlastung der akuten Knappheit an Neutronen­strahlzeit in Deutschland und Europa. Dazu soll sie ab 2033 den Zugang zu Neutronen­experimenten für Wissenschaft und Industrie ermöglichen und medizinische Radioisotope bereitstellen. HBS‑I soll die großen Neutronen­quellen komplemen­tär ergänzen – mit schnellerem, niedrig­schwel­ligem Zugang und hoher Flexibilität für explorative und risikoreiche Experimente.

Besonders positiv hebt der Wissenschaftsrat das außerordentlich hohe wissen­schaftliche Potenzial, den hohen Reifegrad der technischen Planung, die modulare und anpassungsfähige Anlagen­konzeption sowie die exzellente Expertise der beteiligten Institute hervor. Die innovative HiCANS‑Technologie, der geringe Einsatz radio­aktiver Materialien, umfangreiche Vorarbeiten inklusive Prototypen und Testreihen sowie die starke Einbindung in die europäische Neutronen­landschaft werden ausdrücklich gewürdigt. 

PETRA IV ist das Upgrade der bestehenden Synchrotronstrahlungsquelle PETRA III zu einer hochbrillanten 4D-Röntgen­mikroskopie­quelle. Ziel ist es, Struktur, Dynamik und Funktion von Materialien und biologischen Systemen unter realistischen Bedingungen mit bislang unerreichter räumlicher und zeitlicher Auflösung zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen grundlegende Frage­stellungen zum Zusammenhang von Struktur und Funktion, insbesondere für Energie‑, Material‑, Lebens‑, Umwelt‑ und Informations­technologien. PETRA IV soll eine Führungs­position in der europäischen und globalen Synchrotron­forschung einnehmen.

Der Wissenschaftsrat lobt insbesondere das außerordentliche wissenschaftliche Potenzial, die klare strategische Einbettung in die europäische Forschungslandschaft sowie die konsequente Ausrichtung als offene User Facility. Gelobt werden zudem das breit und zukunfts­orientiert angelegte Instrumenten­portfolio, die Integration komplementärer Methoden, die starke internationale Vernetzung sowie das innovative Nutzungskonzept mit rollierendem Peer‑Review und umfassender Nutzerunterstützung. 

Im Laufe des Jahres sollen weitere fünf der neun Vorhaben auf der Shortlist evaluativ begleitet werden, dazu zählen die deutschen Beteiligungen am Teilchen­physik­experiment LEGEND-1000 und am Neutrino­detektor IceCube-Gen2, digitale Forschungs­infra­strukturen für die Sozial­wissenschaften (RIDLOP) sowie die Informations­technologien (SLICES-DE) und Einrichtungen für die Gen- und Zelltherapie (CREATION).

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