13.08.2026 • Quantum2025

Quantenphysikerinnen für die Lehre

Die Artikelserie im Physik Journal ist nun gedruckt und digital als Arbeitsset für Schule und Universität verfügbar.

DPG / Alexander Pawlak

Wo verbergen sich die Frauen in der Geschichte der modernen Physik, abgesehen von den bekannten Beispielen wie Marie Curie oder Lise Meitner? Bei aller Rede von „Knabenphysik“ oder „Drei-Männer-Arbeit“ muss es doch mehr Physikerinnen gegeben haben, die an der Entwicklung der Quantenphysik beteiligt waren. Dieses Manko war Ausgangspunkt für ein Projekt, das der Wissenschaftshistoriker Arne Schirrmacher (HU Berlin) initiiert hat.

Bei einer Physiklehrerfortbildung zur Geschichte der Quantenphysik wurde er auf das große Interesse an passenden Lehrmaterialien zu Quantenphysikerinnen aufmerksam. In Zusammenarbeit mit der Wissenschaftshistorikerin Andrea Reichenberger (TU München) wurde daraus zunächst eine Artikelserie im Physik Journal, die von Beginn an im Hinblick auf eine Verwendung in der Lehre konzipiert war.

Die Biografie der kanadischen Physikerin Laura Chalk (1904 bis 1996) war das...
Die Biografie der kanadischen Physikerin Laura Chalk (1904 bis 1996) war das erste Fallbeispiel der Artikelserie über Quantenphysikerinnen, die nun auch als Arbeitsset vorliegt. Laura Chalk lieferte einen frühen experimentellen Nachweis der jungen Quantenmechanik, der vollkommen in Vergessenheit geriet.
Quelle: DPG

Auf jeweils drei Seiten erhält man dabei kompakt einen Einblick in das Leben und die physikalischen Leistungen von zehn Quantenphysikerinnen. Die Beiträge haben ihren Ursprung in wesentlich ausführlicheren Darstellungen, die im Rahmen des Projects Women in the History of Quantum Physics erarbeitet wurden, die jedoch für den Einsatz in der Lehre zu umfangreich und zudem auf Englisch erschienen sind.

Mit Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung steht die Artikelserie nun auch als Arbeitset für den schulischen und universitären Einsatz kostenfrei zur Verfügung, in begrenzter Auflage gedruckt in einer Sammelmappe. Alternativ lässt es sich im DIN-A3 oder DIN-A4 Format digital herunterladen.

Die Einleitung von Arne Schirrmacher und der Abschlussartikel von Andrea Reichenberger vermitteln übergreifende Gesichtspunkte und bieten je nach Lehrsituation verschiedene Einsatzmöglichkeiten an. Ein typischer Gebrauch wäre es, die zehn Fallstudien in Lehrveranstaltungen an Zweier- oder Dreiergruppen zu verteilen, die sich ein Porträt anschauen und ihre Eindrücke diskutieren.

Die Konzeption als doppelseitige DIN-A3-Blätter (mit Falzkante rechts) für jedes Porträt sorgt dafür, dass sich das Leben und die Physik jeder Quantenphysikerin übersichtlich entfalten lässt und kein Durcheinander von Blättern entsteht, wenn mehrere Fälle auf dem Tisch liegen.

Das lässt sich mit dem Arbeitsauftrag kombinieren, der jeweils auf der vierten Seite gegeben wird, die im Arbeitsset hinzugekommen ist. Diese bietet Raum, um Eindrücke festzuhalten und Einflussfaktoren in einem Schema einzutragen. Literaturangaben motivieren zu weiterer Lektüre.

Anhand einer Grafik lassen sich die in einer Matrix angeordneten...
Anhand einer Grafik lassen sich die in einer Matrix angeordneten Einflussfaktoren auf die akademische Laufbahn der zehn Quantenphysikerinnen diskutieren. Weitere eigenständig gefundene Faktoren können ergänzt werden.
Quelle: DPG

Jeder Lebensweg einer Quantenphysikerin war individuell – aber jeder ist es wert, genauer betrachtet zu werden. Unter diesem Motto lädt das Arbeitsset dazu ein zu erforschen, wie zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten die Barrieren und die Chancen für eine Karriere in der Quantenphysik andere waren. Insbesondere Frauen stießen an Grenzen, manchmal konnten sie diese überwinden, häufig gelang dies erst mit Verzögerung.

Die insgesamt zehn Porträts erlauben es, sehr verschiedene Fälle zu betrachten und etwa zunächst allein, zu zweit oder zu dritt einen Fall kennenzulernen, um diesen dann in der Diskussion in der Gruppe mit den anderen Karrierewegen zu vergleichen. Einige Anregungen zur Diskussion und ein Schema der vielfältigen Einflussfaktoren auf die Karrieren von Wissenschaftlerinnen werden gegeben und können hierbei helfen. Ergänzend gibt es Einleitungs- und Ausblickstexte, die zur Unterrichtsvorbereitung oder zur Vertiefung in der Gruppe herangezogen werden können.

Das Arbeitsset will die Einsicht, dass auch Frauen wesentliche Beiträge für die Entwicklung der Quantenphysik geliefert haben, in die Physikausbildung integrieren und so anhand jüngerer Ergebnisse der Physikgeschichte die verbreiteten Mythen einer rein von Männern geprägten Physik gar nicht erst aufkommen lassen.

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