26.09.2022

Eine Handvoll Quantenphysik

Das Wissenschaftsfestival Highlights der Physik in Regensburg zog Mitte September über 40 000 Besucherinnen und Besucher an.

„Haben Sie die Quantenphysik verstanden?“ Das fragte Moderatorin Angela Halfar das Publikum gleich zu Beginn der großen Abendshow, die den Auftakt der diesjährigen Highlights der Physik bildete. Die Antwort darauf fiel gemischt aus, aber die rund 4000 Zuschauer:innen in der Regensburger Donau-Arena lernten im Verlauf des Abends einiges über die Geschichte der Quantenphysik, die in diesem Jahr den Schwerpunkt bildete. So hat Max Planck das Konzept der Quanten eher widerwillig eingeführt, als er entdeckte, dass sich das Spektrum der Schwarzkörper-Strahlung sonst nicht erklären ließ. Er nannte die Einführung der diskreten Quanten gar einen „Akt der Verzweiflung“.

Die Physikerin Angela Halfar moderierte in diesem Jahr erstmals die große...
Die Physikerin Angela Halfar moderierte in diesem Jahr erstmals die große Eröffnungsshow (Bild: Offer & Offer).

Zahlreiche Experimente auf der Bühne veranschaulichten die Welt des Allerkleinsten. So zeigte das Doppelspalt-Experiment den Welle-Teilchen-Dualismus des Lichts und das Publikum erfuhr, wie sich ein Quantencomputer programmieren lässt. Von der reinen Grundlagenforschung hat die Quantenphysik längst den Weg zu einer großen Zahl von Anwendungen gefunden. Die moderne Technik ist vielfach nur durch die weitreichenden Erkenntnisse der Quantenphysik möglich geworden. „Eine Handvoll Quantenphysik hat fast jeder mit dem Smartphone dabei“, brachte es Angela Halfar auf den Punkt.

Gäste auf der Bühne waren unter anderem der DPG-Präsident Joachim Ullrich und der Präsident der Universität Regensburg, Udo Hebel, der das Projekt RUN (Regensburg Center for Ultrafast Nanoscopy) vorstellte, das demnächst einen neuen Forschungsbau bekommt. Mit dabei war auch der aus dem Fernsehen bekannte Astrophysiker Harald Lesch. Dieser präsentierte gemeinsam mit seiner Frau Cecilia Scorza den von ihnen entwickelten Klimakoffer, mit dem Schulklassen mehr über die Ursachen und Folgen des Klimawandels lernen können.

Künstlerisch aufgelockert wurde das Programm durch den Jongleur-Weltmeister Thomas Dietz und die Trampolin-Gruppe Cosmic Artists. Für den musikalischen Rahmen sorgten Ehemalige der Regensburger Domspatzen.

Auftritte der Gruppe URPHI (links) und die große Mitmach-Ausstellung (rechts)...
Auftritte der Gruppe URPHI (links) und die große Mitmach-Ausstellung (rechts) lockten viele Besucherinnen und Besucher an (Bild: Offer & Offer).

Eine Woche lang stand auch die Regensburger Innenstadt ganz im Zeichen der Physik. Das Wissenschaftsfestival konnte dieses Jahr wieder ohne Beschränkungen vor Ort stattfinden. Die zahlreichen Vorträge, Shows, Experimente, Workshops und Ausstellungen an verschiedenen Plätzen in der Stadt lockten rund 40 000 Interessierte vor Ort oder virtuell an. Der Ausbau des Online-Programms ist eine Neuerung seit der Corona-Pandemie und sorgt dafür, dass die Ausstellung und viele Vorträge dauerhaft im Web zu finden sind.

Den Kern bildete die große Mitmach-Ausstellung auf dem Neupfarrplatz, bei der die Besucher:innen die allerkleinsten Strukturen hautnah erleben konnten. Forschende standen dem Publikum Rede und Antwort und erklärten beispielsweise wie ein Rasterkraftmikroskop funktioniert, was sich mit dem Teilchenbeschleuniger Petra III in Hamburg erforschen lässt und welch tiefen Blick ins Universum das James-Webb-Weltraumteleskop ermöglicht, das Anfang Juli 2022 seinen Beobachtungsbetrieb aufgenommen hat.

An Kinder und Jugendliche richtete sich vor allem das Zelt „Phänomikon“ auf dem Bismarckplatz. Hier ließen sich etwa Kugelbahnen bauen und eine Wasserschüssel in Schwingung versetzen. Physik für Fußgänger veranstaltete die Gruppe URPHI. In ihren stündlich stattfindenden Auftritten bewiesen die Physiker der Uni Regensburg, dass Geldscheine in Flammen aufgehen können, ohne zu verbrennen. Außerdem zeigten sie, wie ein Geysir funktioniert und ließen eine Rakete starten.

Mit dabei waren auch der Forschercircus von Jörn Birkhahn und die Zauberschule der Hexe Exploralda, die mit ihren Shows und Versuchen eher jüngere Kinder begeisterten. Bei dem neuen Format „Physik in der Kneipe“ präsentierten Physiker:innen aktuelle Forschungsthemen in lockerer Atmosphäre in verschiedenen Regensburger Bars.

Die täglich stattfindenden Vorträge boten eine bunte Vielfalt an Themen. Cornelia Denz, Präsidentin der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, spannte in ihrem Abendvortrag den Bogen von den Anfängen der Quantenphysik bis hin zu ihrer Rolle bei der Neudefinition der internationalen Maßeinheiten über Naturkonstanten 2019. Andere Vorträge, etwa über die Funktionsweise und Einsatzbereiche der Rastertunnelmikroskopie, richteten sich speziell an Schülerinnen und Schüler.

Die Highlights der Physik wurden von der DPG, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Universität Regensburg veranstaltet. Im nächsten Jahr soll das Wissenschaftsfestival in Kiel stattfinden.

Anja Hauck

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