25.03.2026 • Teilchenphysik

Antiprotonen to go

Nach dem Trans­port von Pro­to­nen in einer Pen­ning-Fal­le letz­tes Jahr trans­por­tier­te die BASE-Kol­la­bo­ra­tion nun auch Anti­teil­chen im Lkw über den CERN-Cam­pus.

Das Team von BASE-STEP am CERN
Quelle: CERN

Am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf wurden heute erstmals Antiprotonen transportiert, in einer speziell dafür konstruierten Falle über das dortige Gelände. Diese Weltpremiere ist ein großer Erfolg für die BASE-Kollaboration, die von Stefan Ulmer von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) geleitet wird. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zum Transport von Antimaterie an andere europäische Labore. Unter anderem entsteht an der HHU ein neues Hochpräzisionslabor, in dem die Eigenschaften von Antiprotonen und Protonen mit bisher unerreichter Genauigkeit gemessen und verglichen werden sollen.

Die Antiprotonen wurden an der Antimateriefabrik (AMF) des CERN produziert, der weltweit einzigen Anlage, die diese speziellen Teilchen mit besonders niedriger Energie bereitstellen kann. Dem Forschungsteam von BASE (Baryon Antibaryon Symmetry Experiment) gelang es nun, eine Wolke aus rund hundert Antiprotonen in einer transportablen sogenannten Penning-Falle zu sammeln. Die Falle wurde daraufhin von der stationären Versuchsanlage getrennt, auf einen Lkw verladen, mit diesem über das CERN-Gelände gefahren und schließlich wieder mit der Versuchsanlage verbunden, sodass die Antiprotonen zurückgespeist werden können.

Stefan Ulmer, Sprecher von BASE und Lehrstuhlinhaber für Quantentechnologie und Fundamentale Symmetrien an der HHU: „Antiprotonen einzufangen und über längere Zeit zu speichern, erfordert einiges an Know-how. Denn Antimaterie zerstrahlt sofort, sobald sie mit Materie in Kontakt kommt. Deshalb müssen die Antiteilchen so mit elektrischen Feldern und Magnetfeldern unter extrem hohem Vakuum gelagert werden, dass sie nicht mit Gasteilchen oder dem Speichergefäß in Kontakt kommen.“

Stefan Ulmer, Sprecher von BASE und Lehrstuhlinhaber für Quantentechnologie und Fundamentale Symmetrien an der HHU: „Antiprotonen einzufangen und über längere Zeit zu speichern, erfordert einiges an Know-how. Denn Antimaterie zerstrahlt sofort, sobald sie mit Materie in Kontakt kommt. Deshalb müssen die Antiteilchen so mit elektrischen Feldern und Magnetfeldern unter extrem hohem Vakuum gelagert werden, dass sie nicht mit Gasteilchen oder dem Speichergefäß in Kontakt kommen.“

Die BASE-Kollaboration will die Eigenschaften von Antiprotonen, wie beispielsweise ihr intrinsisches magnetisches Moment, präzise vermessen und diese Messergebnisse mit denen des Protons vergleichen. BASE hält seit langem den Rekord, Antiprotonen länger als ein Jahr in ihrem stationären Aufbau an der AMF zu speichern.

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Klaus Blaum, Sven Sturm und Stefan Ulmer • 1/2017 • Seite 31

In die Falle gegangen

Um auf die notwendige Präzision zu kommen, stehen die Physiker aber vor einem Problem: Die Beschleuniger in der AMF am CERN – wo sich BASE befindet – erzeugen Magnetfeldschwankungen, die die erreichbare Genauigkeit einschränken. „Um ein noch tieferes Verständnis der grundlegenden Eigenschaften von Antiprotonen zu erlangen, brauchen wir eine Umgebung mit geringeren Störfeldern. Wir müssen also umziehen, beispielsweise in unser an der HHU entstehendes Labor für hochpräzise Messungen der Antiprotoneneigenschaften. Daher haben wir vor etwa zehn Jahren begonnen, eine transportable Falle zu konzipieren, die wir unter Federführung von Christian Smorra innerhalb der Kollaboration entwickelt haben“, so Ulmer. Die Weltpremiere am CERN ist für diesen „Umzug“ ein wichtiger Test: Er zeigt, dass es technisch möglich ist, Antiprotonen in andere europäische Labore zu transportieren.

„Wir haben dazu die transportable Falle BASE-STEP entwickelt, um die eingefangenen Antiprotonen an verschiedene Präzisionslabore transportieren zu können – innerhalb des CERN, an die HHU, die Leibniz-Universität Hannover und möglicherweise an weitere Labore. Dort sollen die äußerst präzisen Antiprotonenmessungen durchgeführt werden“, erklärt Christian Smorra, Mitglied in Ulmers Düsseldorfer Arbeitsgruppe und der Leiter des vom European Research Council (ERC) geförderten Projekts STEP – Symmetry Tests in Experiments with Portable antiprotons. „Im letzten Jahr haben wir die Machbarkeit unseres Konzepts bereits mit Protonen bestätigt. Nun haben wir das gleiche mit Antiprotonen erreicht, ein riesiger Sprung in Richtung unseres Ziels.“

BASE-STEP fängt die Antiteilchen mithilfe magnetischer und elektrischer Felder ein. Die Apparatur wiegt rund 850 Kilogramm, sie kann auf einen Lkw verladen werden, passt durch normale Labortüren und hält den Stößen und Vibrationen während des Straßentransports stand. Sie umfasst einen supraleitenden Magneten, eine Kryokühlung mit flüssigem Helium, Energiereserven und eine Vakuumkammer. Damit ist sie wesentlich kompakter als jedes andere bestehende System zur Untersuchung von Antimaterie.

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„Bis jetzt haben wir in BASE-STEP Antiprotonen zwei Wochen verlustfrei gespeichert, und wir können die Falle vier Stunden autonom transportieren“, sagt Smorra. „Aber um unser Labor an der HHU zu erreichen, benötigen wir mindestens zehn Stunden. Das bedeutet, dass wir den supraleitenden Magneten der Falle so lange auf einer Temperatur unter 8,2 K halten müssen.“ Anstelle von flüssigem Helium, das zur Neige gehen kann, bräuchte es dazu einen Generator, um einen Kryokühler auf dem Lkw mit Strom zu versorgen.

„Der Transport von Antimaterie ist ein bahnbrechendes und ehrgeiziges Projekt, und ich gratuliere der BASE-Kollaboration zu diesem beeindruckenden Meilenstein. Wir stehen am Anfang einer spannenden wissenschaftlichen Reise, die es uns ermöglichen wird, unser Verständnis von Antimaterie weiter zu vertiefen“, sagt Gautier Hamel de Monchenault, Direktor für Forschung und Datenverarbeitung am CERN. [HHU / dre]

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