11.09.2008

Geophysiker warnen vor großen Erdbeben in China

Das katastrophale Erdbeben in der Provinz Sichuan hat die Wahrscheinlichkeit weiterer großer Beben an drei anderen Erdverwerfungen in der südwestchinesischen Region verdoppelt.

 

Peking (dpa) - Das katastrophale Erdbeben in der Provinz Sichuan hat die Wahrscheinlichkeit weiterer großer Beben an drei anderen Erdverwerfungen in der südwestchinesischen Region verdoppelt. Nach der Analyse seismischer Aktivitäten im vergangenen Jahrzehnt warnen Geophysiker im US-Fachjournal «Geophysical Research Letters» vor einem neuen großen Erdbeben in den nächsten Jahren in der Region. Die Forscher um Shinji Toda vom japanischen Geologischen Dienst in Tsukuba forderten, Gebäude erdbebensicher zu bauen und die Menschen über Schutzmaßnahmen zu unterrichten.

«Ein großes Erdbeben scheint das nächste wahrscheinlicher zu machen, nicht umgekehrt», betonte Teammitglied Ross Stein. «Wir neigen zu der Annahme, dass Erdbeben die Spannungen einer Verwerfung lösen», sagte Ross. «Das mag für diejenige zutreffen, die bricht, aber nicht für benachbarte.» Die Forscher sehen einen «Domino-Effekt» für die drei anderen Verwerfungen Xianshuihe, Kunlun und Min Jiang, die zwischen 150 und 450 Kilometer von der Longmen-Shan-Verwerfung entfernt liegen. Diese hatte am 12. Mai das Beben der Stärke 8 ausgelöst, bei dem wahrscheinlich mehr als 80 000 Menschen ums Leben gekommen sind.

Das tibetische Hochplateau sei eine der seismisch aktivsten Regionen der Welt, warnte der Chinese Jian Lin von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) in dem Team. «Wir glauben, dass es glaubhafte Beweise für ein neues großes Erdbeben in der Region gibt.» Es muss aus seiner Sicht mehr für die Vorbeugung getan werden. Nicht die Erdbeben selbst seien tödlich, sondern etwa der Einsturz unzureichend gesicherter Gebäude, sagte Lin. Neben weit verbreiteter Aufklärung über Vorsorge gegen ein neues Erdbeben müssten Gebäude auf ihre Erdbebensicherheit inspiziert werden.

Die Wahrscheinlichkeit eines neuen Bebens der Stärke 6 oder höher liegt nach der Analyse der Forscher in den nächsten zehn Jahren bei 57 bis 71 Prozent. Dass ein Beben die Stärke 7 übersteigt, sei in dem Zeitraum zu 8 bis 12 Prozent und während der nächsten drei Jahrzehnte zu 23 bis 31 Prozent wahrscheinlich, berichten die Forscher.

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