20.07.2026 • Nanophysik

Hochdurchsatz-Screening für Nanokristalle

Neue Me­tho­de für Qua­li­täts­ana­ly­se ein­zel­ner Par­ti­kel ist wich­ti­ger Schritt für die zu­ver­läs­si­ge Pro­duk­tion im in­dus­tri­el­len Maß­stab.

Nanokristalle werden bereits heute millionenfach in Fernsehern, Laptops und Displays eingesetzt und gelten als Schlüsselmaterialien für die nächste Generation von Quanten-, Sensor- und Solartechnologien. Ihr volles Potenzial können sie bislang jedoch noch nicht entfalten. Ein zentraler Grund: Die winzigen Partikel sind uneinheitlich. In einer einzigen Lösung befinden sich Milliarden Nanokristalle mit teils stark unterschiedlichen Eigenschaften. Obwohl sich die Partikel charakterisieren lassen, sind wichtige Qualitätsparameter nur als Durchschnittswert über alle Partikel zugänglich. „Für ihre Funktion in Bauteilen sind diese Durchschnittswerte jedoch unzureichend“, sagt Emiliano Cortés, Professor am Nanoinstitut der LMU, „denn jedes einzelne Nanoteilchen kann sich unterschiedlich ver­hal­ten – zum Beispiel in seiner Größe oder darin, wie gut es Licht emittiert, also aufgenommene Energie wieder als Licht abgibt.”

Emiliano Cortés, Christoph Gruber, Alexander Urban, Andrea Mancini am LMU-Nanoinstitut
Emiliano Cortés, Christoph Gruber, Alexander Urban, Andrea Mancini in einem Labor des LMU-Nanoinstituts
Quelle: LMU München

Wie sich diese Lücke schließen lässt, beschreibt Cortés gemeinsam mit seinem Team in einer aktuellen Studie vor. Darin bestimmen die Forschenden erstmals die Größe und Quantenausbeute von Tausenden einzelnen Pe­rows­kit-Nano­wür­feln direkt in Lösung und zeitlich hochaufgelöst. „Wir haben eine Hochdurchsatz-Methode basierend auf Licht entwickelt, mit der wir eine Qualitätskontrolle auf Einzelpartikelebene abbilden können”, erklärt LMU-Nano­phy­si­ker Christoph Gruber, Erstautor der Studie. „Für die zuverlässige Produktion der Materialien und der darauf aufbauenden Geräte ist das von entscheidender Bedeutung. Milliarden Nanopartikel ergeben die Gesamtleistung. Wir können jetzt statt gemittelter Werte differenzieren, wie stark einzelne Teilchen beitragen und wie stark diese in der Probe variieren.“

Ein Erfolgsfaktor der Studie war die enge Zusammenarbeit mit weiteren LMU-Forschenden: dem Team um Alexander Urban. Die Gruppe hat sich auf die Synthese von Pe­rows­kit-Nano­kris­tal­len spezialisiert und stellt die Nanowürfel her. Die untersuchten Pe­rows­kit-Nano­wür­fel sind kleiner als zwanzig Nanometer und unterscheiden sich teils stark in ihrer optischen Leistung, auch wenn es scheinbar einheitliche Proben sind. Urban: „Wir können jetzt gezielt auf einzelne Teilchen schauen und klare Tendenzen erkennen: Kleinere Nanokristalle weisen beispielsweise eine höhere Quantenausbeute auf als größere. Dieses Verständnis ist entscheidend, um das große Potenzial von Perowskiten für leistungsfähige und skalierbare optoelektronische Bauteile tatsächlich auszuschöpfen.“

Mehr zu Nanokristallen

Photo
Photo
Photo
Photo
Photo
Photo

Der Weg zum Hoch­durch­satz-Scree­ning war jedoch anspruchsvoll, denn dazu müssen Tausende Partikel schnell, präzise und reproduzierbar erfasst werden. „Eine große Herausforderung war es, die großen Datenmengen zu bewältigen und eine verlässliche Auswertungspipeline aufzubauen”, erklärt Co-Erst­autor Andrea Mancini. Zudem sind Perowskit-Nanokristalle empfindlich, reagieren sensibel auf starke Lichteinstrahlung, Sauerstoff oder Feuchtigkeit und können sich während der Messung verändern. „Wir mussten sicherstellen, dass wir wirklich das Material messen und nicht ein Zersetzungsprodukt“, erklärt Cortés. „Dass wir stabile In-situ-Messungen erreicht haben, war ein wichtiger Durchbruch.”

Mit der neuen Methode verknüpfen die Forschenden erstmals systematisch Größe und Funktion einzelner Nanopartikel – und machen diese Beziehung für die Materialentwicklung nutzbar. „Hochdurchsatz-Qualitätskontrolle auf dem Niveau einzelner Nanoteilchen – das war bisher so nicht machbar“, betont Gruber. „Es wird möglich, die Materialqualität bereits vor der Integration in ein Bauteil gezielt zu bewerten und zu optimieren.” Das Potenzial der Technologie hat auch der European Innovation Council erkannt: Die Weiterentwicklung und Überführung der patentierten Methode in die praktische Anwendung wird mit einem EIC Transition Grant in Höhe von 2,45 Millionen Euro gefördert. Im Rahmen des [↗] iNSyT One-Projekts wird Gruber daran arbeiten, die Technologie in ein marktfähiges Produkt zu überführen. Ziel ist es, damit eine schnelle und präzise Qualitätskontrolle von Nanopartikeln zu ermöglichen. [LMU / dre]

Anbieter

Ludwig-Maximilians-Universität München

Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland

Kontakt zum Anbieter







Sonderhefte

Physics' Best und Best of
Sonderausgaben

Physics' Best und Best of

Die Sonder­ausgaben präsentieren kompakt und übersichtlich neue Produkt­informationen und ihre Anwendungen und bieten für Nutzer wie Unternehmen ein zusätzliches Forum.

Anbieter des Monats

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

Meist gelesen

Themen