Interaktive Photonik mit Metaoberflächen
Interaktiv adressierbares, organisches Bauelement ermöglicht es, einzelne Pixel von Metaoberflächen individuell anzusteuern.
Metaoberflächen sind ultradünne optische Komponenten, die Licht auf eine Weise steuern können, die mit konventioneller Optik nur schwer zu erreichen ist. Während bei konventionellen optischen Komponenten in der Regel Form und Dicke dafür verantwortlich sind, wie Licht gelenkt wird, manipulieren Metaoberflächen Licht mithilfe speziell strukturierter Nanostrukturen. Diese Nanostrukturen sind auf einer planaren Oberfläche angeordnet.


„Aktive Metaoberflächen erweitern die Möglichkeiten der planaren Optik: Sie ermöglichen es, optische Funktionen dynamisch zu konfigurieren“, sagt Laura Na Liu, Direktorin des 2. Physikalischen Instituts der Uni Stuttgart. „Um dieses Potential zu nutzen, müssen wir lernen, einzelne Pixel einer Metaoberfläche innerhalb des sichtbaren Wellenlängenbereichs individuell anzusteuern.“
Ihr Team hat nun ein Metaoberflächen-Bauelement entwickelt, das Licht mithilfe elektrisch
Metaoberflächen haben die planare Optik in den letzten zehn Jahren revolutioniert, da sie mithilfe von Nanostrukturen eine präzise Steuerung von Licht ermöglichen. Jedoch führen die meisten bisher entwickelten Metaoberflächen-Bauelemente nur vordefinierte Aufgaben aus. In zahlreichen Ansätzen gelang bereits eine dynamische Änderung der optischen Funktion nach der Herstellung des Bauelements. Individuelle Pixel konnten bisher nur bedingt angesteuert werden.
Ziel der Stuttgarter Forschenden war es, eine frei programmierbare Metaoberfläche zu realisieren. Um das zu erreichen, kombinierten sie plasmonische Gold-Nanoantennen mit ultradünnen, elektrochemisch aktiven, leitfähigen Polymeren und einer planaren elektronischen „Fan-Out-Architektur“. Diese Architektur ermöglicht die individuelle Ansteuerung von Pixeln, die jeweils aus vielen Nanostrukturen bestehen. Die Pixel lassen sich mit elektrischen Signalen im Sub-Volt-Bereich innerhalb von Millisekunden schalten; elektrische Störungen zwischen benachbarten Pixeln sind dabei vernachlässigbar.
Die Plattform, die die Forschenden entwickelt haben, ermöglicht es, die optische Funktionalität durch elektronische Steuerung auf Ebene einzelner Pixel dynamisch anzupassen. „Individuelle Adressierbarkeit ist die Grundlage jeder programmierbaren Technologie – das gilt auch für Metaoberflächen“, sagt Na Liu. „Indem jedes optische Pixel eine eigene elektronische Adresse erhält, werden aus Metaoberflächen programmierbare photonische Plattformen, die ihre Funktionalität in Echtzeit anpassen können.“
Um die Leistungsfähigkeit der Plattform zu demonstrieren, integrierten die Forschenden ihr Metaoberflächen-Bauelement in ein komplettes elektronisches Steuerungssystem. Tastatureingaben am Computer wurden bei dem Experiment umgehend in holografisch projizierte Buchstaben und Zahlen übersetzt. In einer zweiten Demonstration spielten die Nutzenden mit einem Handheld-Gamecontroller holografische Versionen klassischer Spiele – darunter „Snake“ und ein von „Tetris“ inspiriertes Block-Fall-Spiel. Anstatt vordefinierte optische Muster anzuzeigen, passte sich die holografische Szene kontinuierlich an die Nutzereingaben an, es kam also eine direkte Interaktion zwischen Nutzer*innen, Elektronik und Licht zustande.
Individuelle Adressierbarkeit einzelner Pixel demonstriert am Spiel „Snake“. Quelle: U Stuttgart
„Entscheidend dabei ist, dass jedes Pixel schnell schaltet, aber gleichzeitig von seinen Nachbarpixeln elektrisch isoliert bleibt“, erklärt Xiangyu Huang. „Zu sehen, wie holografische Bilder augenblicklich auf Befehle reagierten, war ein packender Moment. Wir haben gezeigt, dass individuell adressierbare Metaoberflächen zu wahrhaft interaktiven optischen Bauelementen werden können.“
Im Gegensatz zu konventionellen optischen Bauelementen, deren Funktionalität weitgehend bei der Fertigung festgelegt wird, kann ein Metaoberflächen-Bauelement verschiedene optische Aufgaben allein durch die Änderung der elektronischen Ansteuersignale erfüllen. Dieser programmierbare Betrieb ermöglicht es einer einzigen optischen Plattform, mehrere dynamische Funktionen bereitzustellen, ohne dass ihre physische Struktur geändert werden muss.
Die Forschenden sind überzeugt, dass das Konzept weit über die in der Studie gezeigten
Weitere Informationen
- Originalpublikation
X. Huang, B. Renz, Y. Hu & Na Liu, Interactively addressable organic metadevices, Nat. Commun. 17, 6251, 16. Juli 2026; DOI: 10.1038/s41467-026-75757-4 - 2. Physikalisches Institut: Forschung in der Nanophotonik und DNA-Nanotechnologie (Laura Na Liu), Fakultät 8 • Mathematik und Physik, Universität Stuttgart
Anbieter
Universität StuttgartKeplerstraße 7
70174 Stuttgart
Deutschland
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