13.04.2007

Keine «Generation Praktikum»

Die viel diskutierte «Generation Praktikum», die sich nach dem Studium von einem Praktikum zum nächsten hangelt, gibt es einer Untersuchung zufolge nicht.

Keine «Generation Praktikum»

Hannover (dpa) - Die viel diskutierte «Generation Praktikum», die sich nach dem Studium von einem Praktikum zum nächsten hangelt, gibt es einer Untersuchung zufolge nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Studie der HIS Hochschulinformations-System GmbH, die am Donnerstag in Hannover veröffentlicht wurde. Befragt wurden rund 12.000 Absolventen des Jahrgangs 2005. «Der Begriff "Generation Praktikum" impliziert ja, dass es sich um ein Massenphänomen handelt. Unsere Zahlen deuten aber in eine ganz andere Richtung», sagte HIS-Mitarbeiter Kolja Briedis.

Demnach machte etwa jeder achte Absolvent einer Fachhochschule (FH) und jeder siebte Uni-Abgänger ein Praktikum. Kettenpraktika seien keinesfalls die Regel. Nur etwa jeder zehnte FH-Absolvent und jeder fünfte Uni-Absolvent mit Praktikumserfahrung habe zwei oder mehr Hospitationen hinter sich. Die Dauer der Praktika sei zudem überschaubar: In etwa der Hälfte der Fälle dauerten sie maximal drei Monate, nur etwa ein Prozent der Praktikanten arbeite ein Jahr und länger als Hilfskraft.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt betonte, Praktika seien sowohl für die Absolventen als auch die Unternehmen wichtig. Man dürfe nicht länger «Panikmache» betreiben und «Zukunftsängste von jungen Menschen schüren». «Das hohe Engagement der Unternehmen, Praktikumsplätze anzubieten, muss unterstützt und ermutigt und darf nicht weiter diskreditiert werden», sagte Hundt am Donnerstag.

Nach Angaben von Briedis gibt es durchaus Branchen, in denen auffällig viele Praktikanten eingesetzt werden. Dazu zählten die Medien sowie der Kunst- und Kulturbetrieb. Auch das Verlagswesen sei «praktikumsintensiv».

Unterschiede gibt es laut Briedis zwischen den Fachrichtungen. «In der Elektrotechnik oder der Pharmazie gibt es hervorragende Berufsaussichten», sagte er. Ein Praktikum nach dem Studium sei bei Naturwissenschaftlern oder Technikern die Ausnahme. Dagegen absolviere jeder vierte Sprach- und Kulturwissenschaftler sowie jeder fünfte Psychologe ein oder mehrere Praktika. Am häufigsten seien Absolventen der Magisterstudiengänge als Praktikanten tätig.

Die Mehrheit sei mit dem Praktikum zufrieden, sowohl was die Aufgaben als auch den Lerngehalt anginge. Bei der Bezahlung sehe es jedoch anders aus. 34 Prozent der Uni-Absolventen und 17 Prozent der FH-Absolventen erhielten für ihre Arbeit gar kein Geld. Lediglich 22 Prozent der Uni- und 28 Prozent der FH-Absolventen stuften die Vergütung als gut ein.

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