Komplexer Ionentransport in Kohlenstoffelektroden analysiert
Forschungsteam erlangt mit 2D-NMR-Austauschspektroskopie wichtige Erkenntnisse für elektrochemische Technologien.
Eine neue Studie von Forschenden der Universität Leipzig, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Cambridge University in Großbritannien hat gezeigt, wie sich Ionen innerhalb komplexer poröser Kohlenstoffelektroden bewegen und austauschen. Diese Elektroden sind für die Hochleistungs-Energiespeicherung, die Wasserentsalzung, die Gasspeicherung und andere elektrochemische Technologien von großer Bedeutung. Die Wissenschaftler:innen nutzten für ihre Analyse des komplexen Ionentransports die zweidimensionale NMR-Austauschspektroskopie – eine Methode, mit der sich verfolgen lässt, wie sich Ionen zwischen verschiedenen chemischen Umgebungen bewegen und wie schnell dieser Austausch stattfindet.

Ihre Arbeit befasst sich mit einer seit Langem bestehenden Herausforderung in der Energiewerkstoffforschung: Obwohl poröse Kohlenstoffe aufgrund ihrer großen inneren Oberfläche, ihrer hohen Leitfähigkeit und ihrer anpassbaren Porenstrukturen weit verbreitet sind, lässt sich die mikroskopische Bewegung von Ionen durch ihre Porennetzwerke nur schwer direkt quantifizieren. Insbesondere haben Kohlenstoffelektroden keine einheitliche Porenumgebung. Stattdessen bewegen sich Ionen durch eine heterogene Landschaft.
Poröse Elektroden bestehen aus einem Festkörper mit unterschiedlich großen Hohlräumen. Man unterscheidet Mikroporen mit einem Durchmesser von weniger als zwei Nanometern und Mesoporen mit einer Größe zwischen zwei und fünfzig Nanometern. Diese Poren sind mit einem Elektrolyten gefüllt, der frei bewegliche positive und negative Ionen enthält und ihren Transport ermöglicht.
„Um diese Komplexität zu erfassen, entwickelte unser Forschungsteam einen quantitativen Analyseansatz auf der Grundlage der zweidimensionalen Austauschspektroskopie mittels Kernspinresonanz, bekannt als 2D-EXSY-NMR. Diese Methode ermöglicht es uns zu beobachten, wie Ionen im Zeitverlauf zwischen verschiedenen lokalen Umgebungen ausgetauscht werden“, erklärt Henry Enninful vom Felix-Bloch-Institut für Festkörperphysik der Universität Leipzig. Der Ansatz gehe über herkömmliche vereinfachte Modelle hinaus und liefere ein realistischeres Bild der Ionenbewegung im Inneren poröser Elektroden.
Für die Studie wurden wässrige LiTFSI-Elektrolyte genutzt. Diese Elektrolyte, die das Lithiumsalz LiTFSI enthalten und den Transport von Lithium-Ionen zwischen den Elektroden ermöglichen, waren in zwei porösen Kohlenstoffmodellen eingeschlossen: CMK-3, ein mesoporöser Kohlenstoff mit weitgehend eindimensionalen, kanalartigen Poren, und ST-CMK-3, ein hierarchisch strukturierter Kohlenstoff. Die Analyse ergab unterschiedliche Austauschregime, die von einem schnellen Austausch nahe der Oberfläche bis hin zu einer langsameren Diffusion innerhalb der Poren reichten. Im hierarchisch strukturierten Kohlenstoff beobachtete das Team zusätzliche Transportwege zwischen den Porenumgebungen. „Das verdeutlicht, wie die Porenvernetzung den Ionenaustausch beschleunigen und die Transporteffizienz verbessern kann“, sagt Rustem Valiullin von der Abteilung Angewandte Magnetische Resonanz der Universität Leipzig, der Letztautor der Studie. [U Leipzig / dre]
Weitere Informationen
- Originalveröffentlichung
H. R. N. B. Enninful, M. Hermesdorf, M. A. Khan, et al., Asymmetric Multi-Site Ion Exchange in Porous Carbon Electrodes, Adv. Energy Mater. 16 (25), e71126, 2. Juli 2026; DOI: 10.1002/aenm.71126 - Angewandte Magnetische Resonanz (Rustem Valiullin, Nikolaus Weiskopf), Felix-Bloch-Institut für Festkörperphysik, Fakultät für Physik und Erdsystemwissenschaften, Universität Leipzig













