Lindley Winslow ist neue Direktorin am MPP
US-Experimentalphysikerin steht neuer Abteilung „Physik seltener Ereignisse“ am Münchener MPI vor.
Die US-amerikanische Experimentalphysikerin Lindley Winslow hat Anfang September ihr Amt als Direktorin der neuen Abteilung am Max-Planck-Institut für Physik angetreten. Die Wissenschaftlerin forschte und lehrte zuletzt am Massachussetts Institute of Technology. Ihr Forschungsinteresse gilt Präzisionsexperimenten in der Teilchenphysik, wie etwa DMRadio für den Nachweis ultraleichter Axionen oder CUPID, mit dem Forschende der Frage nachgehen, ob das Neutrino sein eigenes Antiteilchen ist.

Die Kern- und Teilchenphysikerin beschäftigt sich mit der Physik von Elementarteilchen und ihrer Rolle bei der Entwicklung und dem Aufbau des Universums. Ihr Fokus gilt der Entwicklung neuartiger Detektoren, mit denen theoretisch berechnete, aber experimentell noch nicht entdeckte Teilchen und Prozesse nachgewiesen werden sollen.
Am MPP plant Winslow die Entwicklung von supraleitenden Quantensensoren sowie supraleitender Hochtemperaturmagnete voranzutreiben, die in zwei Experimenten den Durchbruch bringen sollen.
Die Physikerin ist Mitbegründerin des CUPID-Experiments im Gran-Sasso-Untergrundlabor. Es beschäftigt sich mit der Frage, ob das Neutrino sein eigenes Antiteilchen ist. Der Detektor besteht aus Molybdänoxid-Kristallen, die mithilfe der weltweit größten Kühlanlage betrieben werden. Hochempfindliche Quantensensoren sollen die Forschenden künftig dabei unterstützen, einen sehr seltenen radioaktiven Zerfall nachweisen. Die Doppelnatur des Neutrinos könnte letztlich auch die Frage beantworten, warum im Universum die Materie dominiert, und warum Antimaterie verschwunden ist
Das Experiment DMRadio, dessen Sprecherin Winslow aktuell ist, nutzt Präzisionsmessungen in Magnetfeldern um nach dem Axion, einem bisher hypothetischen Teilchen, zu suchen. Seine Entdeckung würde Aufschluss das Wesen der Dunklen Materie geben, die 85 Prozent der Materie im Universum ausmacht. Außerdem könnten wichtige Fragen hinsichtlich der starken Wechselwirkung gelöst werden, welche die Atomkerne zusammenhält.
Der Fortschritt in zentralen Forschungsfragen der Teilchenphysik basiert auf innovativen Technologien“, erklärt Lindley Winslow. „Die Entwicklung neuer supraleitender Quantensensoren und Magnete sind allerdings nicht nur für unser Feld wichtig: Sie bilden auch die Schlüsseltechnologien für das Quantencomputing und die Fusionsenergie – zwei Bereiche, die in Deutschland eine hohe strategische Bedeutung haben.“ Darüber hinaus ist oder war die neue MPP-Direktorin in verschiedenen Funktionen an den Präzisionsexperimenten DarkSNSPD, CUORE, KamLAND-Zen und NuDot beteiligt.
Winslow erwarb ihren Bachelor- (Physik und Astronomie) sowie ihren Master-Abschluss (Physik) an der University of California, Berkeley, und promovierte 2008 an derselben Universität. Nach einer Tätigkeit als Postdoktorandin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) von 2008 bis 2012 wurde sie Assistenzprofessorin an der University of California, Los Angeles. 2015 wechselte sie als Assistenzprofessorin an das MIT und wurde 2020 zur außerordentlichen Professorin befördert. Ab 2022 war sie stellvertretende Fachbereichsleiterin, seit 2023 ist sie ordentliche Professorin am MIT. Im Jahr 2021 wurde sie zum Fellow der American Physical Society (APS) ernannt. [MPP / dre]
Direktor:innen und Abteilungen am Max-Planck-Institut für Physik, München














