Zu den Sternen!
Eine Ausstellung im Arp-Museum in Remagen zeigt noch bis Januar 2027 künstlerische Positionen zum Weltraum.
Alexander Pawlak
Der Blick in den Weltraum offenbart viele Dimensionen – vom sehnsuchtsvollen Sternenhimmel über expansive Bestrebungen von Wirtschaft und Politik bis hin zu utopischen oder dystopischen Visionen alternativer Existenzformen.
Apokalyptisches Erwachen und exzentrischen Grenzverlust verspricht die Ausstellung „Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne“ im arp museum Bahnhof Rolandseck in Remagen. Zu sehen sind bis 10. Januar 2027 rund 100 Werke von der Moderne bis zur heutigen Zeit, die zu kosmischen Träumen und zu einer Reflexion über unsere Gegenwart und Zukunft einladen.
Die gezeigten Kunstwerke stammen unter anderem von Hans (Jean) Arp, Max Ernst, Hannah Höch, Liesl Karlstadt / Karl Valentin, El Lissitzky, Joan Miró, Man Ray, Odilon Redon, Oskar Schlemmer, Carl Spitzweg, Sophie Taeuber-Arp und Yves Tanguy.
Zu den Künstler:innen, die Gegenwartspositionen liefern, zählen unter anderem Yael Bartana, Bjørn Melhus, Thomas Ruff, Katharina Sieverding, Klaus Staeck und Emma Talbot. Kuratiert haben die Ausstellung die Direktorin des Museums, Julia Wallner, und die wissenschaftliche Assistentin Helene von Saldern.



Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Werken ab 1920. Zu dieser Zeit hatte nicht nur der Erste Weltkrieg für Weltuntergangsstimmung gesorgt, sondern auch Himmelsereignisse wie der Halleysche Komet, der 1910 zu sehen war. Gleichzeitig weckte der Weltraum neben Ängsten auch Sehnsüchte.
Anfang des 20. Jahrhunderts potenzierte sich das astronomische Wissen durch spektroskopische wie fotografische Techniken, und es wurde auch technisch denkbar, den Weltraum zu bereisen. Die angesichts von Technisierung und Rationalisierung blühende Projektion des Irdischen ins All vervielfachte sich in den Künsten.
Nicht zuletzt das Apollo-Programm schürte Hoffnungen auf unbegrenzte Möglichkeiten der Raumfahrt, die spätestens ab den 1980er-Jahren von kritischen Stimmen begleitet wurden. Den Hoffnungen, ein alternatives Leben auf einem Ersatzplaneten zu finden oder dies zu ermöglichen, steht ein zunehmender Kulturpessimismus entgegen. Die Erkenntnis der Endlichkeit unserer lebenswichtigen Ressourcen angesichts menschlicher Hybris und unseres Fehlverhaltens führt auch in der Kunst zu neuen Diskursen.
Der ausstellungsbegleitende Katalog mit dem Titel Zu den Sternen! – To the Stars! (224 Seiten, deutsch/englisch) erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln. In sechs Kapiteln führt Kuratorin Julia Wallner in die Ausstellung ein. Dazu kommen Beiträge zum Werk eimzelner Künstler:innen und zum Thema „Von Weltuntergängen und Extraterrestrischem in Literatur und Film nach 1900“.
Im Begleitprogramm treffen zudem Wissenschaft und Kunst zusammen: Bei einer Dialogführung am 26. November führen der Radioastronom Frank Bertoldi von der Universität Bonn und Julia Wallner gemeinsam durch die Ausstellung. Zusätzlich bietet eine Folge des Museums-Podcasts Die Leichtigkeit der Kunst ausführliche Hintergründe zur Ausstellung.
Weitere Informationen
- Ausstellung: Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne (arp museum Bahnhof Rolandseck, bis 10.1.2027)
- Flyer zur Ausstellung PDF
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