Historische Stätte der Innovation
Joseph von Fraunhofers Wirkungsort in Benediktbeuern wurde von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPS) als „EPS Historic Site“ ausgezeichnet.
DPG / Fraunhofer-Gesellschaft / Alexander Pawlak
Zum diesjährigen 200. Todestag würdigen eine Ausstellung und zahlreiche Veranstaltungen das Leben und Werk Joseph von Fraunhofers. Dieser starb am 7. Juni 1826 im Alter von nur 39 Jahren an Lungentuberkulose. Trotz seines kurzen Lebens hat er wichtige Beiträge zur Optik und Feinmechanik geleistet. So übernahm er mit erst 24 Jahren die Gesamtleitung der Glashütte in Benediktbeuern, die rund zwanzig Jahre sein Wirkungsort blieb.
Dort verbesserte er Verfahren zur Herstellung und Bearbeitung von Glas, entwickelte optische Instrumente und machte seine bedeutendste wissenschaftliche Entdeckung: die Absorptionslinien im Spektrum des Sonnenlichts. Die in Benediktbeuern gefertigten und an alle großen europäischen Observatorien gelieferten Teleskope führten zu einem Aufschwung der Astronomie und eröffneten ihr völlig neue Horizonte.


Grund genug für die Europäische Physikalische Gesellschaft (EPS), das Gebäude, das 2023 durch ein schweres Unwetter erheblich beschädigt wurde, nun als europäischen Ort der Wissenschaftsgeschichte der Physik auszuzeichnen. Im Rahmen der feierlichen Wiedereröffnung mit hochrangigen Gästen aus Politik, Forschung und Gesellschaft am 18. September verlieh José María De Teresa, Präsident der EPS, im Beisein von Ulrike Woggon, DPG-Vorstandsmitglied „Internationale Aktivitäten“, der historischen Glashütte die Auszeichnung „EPS Historic Site“.
„Joseph von Fraunhofer war Forscher, Handwerker und Unternehmer zugleich. Er ist uns bis heute ein Vorbild, weil er wissenschaftliche Exzellenz, handwerkliche Präzision und unternehmerische Umsetzung untrennbar verbunden hat“, betonte Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka. Genau diese Haltung sei bis heute der Kern des Handelns bei der Fraunhofer-Gesellschaft, die wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Unternehmen in marktfähige Lösungen überführt.
Michael Decker, Generaldirektor des Deutsches Museum, sagte: „Mit dem Prismen-Spektralapparat, dem Gitterspektrometer oder dem Refraktor besitzt das Deutsche Museum einige kostbare Objekte aus der Werkstatt von Joseph von Fraunhofer. Mit diesen bahnbrechenden Innovationen aus der Vergangenheit können wir den Menschen auch heute noch anschaulich vermitteln, wie wichtig die Forschung für unser aller Zukunft ist.“
Die „EPS Historic Sites“ würdigen Orte in Europa – mitunter auch außerhalb des geografischen Europas –, die für die Entwicklung und Geschichte der Physik von nationaler oder internationaler Bedeutung sind. In Deutschland wurden zuletzt der Heinrich-Hertz-Hörsaal am Karlsruher Institut für Technologie, die Stadt Göttingen und das Magnus-Haus in Berlin ausgezeichnet. Die DPG sammelt Vorschläge für künftige Nominierungen solcher historisch bedeutenden Stätten in Deutschland und leitet sie an die EPS weiter.
Weitere Informationen
- Fraunhofer-Glashütte (Fraunhofer-Gesellschaft)
- Fraunhofer-Glashütte (Gemeinde Benedikbeuern)
- EPS Historic Sites
- Fernseh- und Radiobeiträge über Joseph von Fraunhofer (ARD alpha)
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