Ausstellungen, Vorträge und ein KI-Avatar
Zum 200. Todestag von Joseph von Fraunhofer finden zahlreiche Veranstaltungen statt.
Jakob Schöll
Am 7. Juni 1826 starb Joseph Fraunhofer im Alter von nur 39 Jahren an Lungentuberkulose. Trotz seines kurzen Lebens hat er wichtige Beiträge zur Optik und Feinmechanik geleistet. Seine wohl bekannteste Entdeckung sind die Fraunhoferschen Linien – schmale, dunkle Striche im Spektrum der Sonne. Fraunhofer war der erste, der diese Linien systematisch untersuchte und sehr präzise vermaß. Erst einige Jahrzehnte später fanden Robert Wilhelm Bunsen und Gustav Robert Kirchhoff eine Erklärung für dieses Phänomen. Die Linien entstehen, weil chemische Elemente das Sonnenlicht bei bestimmten Wellenlängen absorbieren.

Fraunhofer wurde 1787 geboren und verlor bereits mit zwölf Jahren seine Eltern. Wie sein Vater begann er eine Lehre als Glaser. 1801 stürzte das Gebäude seines Lehrmeisters ein, doch Fraunhofer überlebte unverletzt. Bei seiner Rettung aus den Trümmern war auch der Unternehmer Joseph von Utzschneider anwesend, der ihn fortan förderte und ihm den Schulbesuch ermöglichte. Außerdem erhielt er Unterricht im Linsenschleifen. Mit nur 22 Jahren übernahm der talentierte Fraunhofer die Leitung einer Glashütte in Benediktbeuern. Dort verbesserte er die Herstellungsmethoden und Prüfverfahren, um die Qualität der Produkte immer weiter zu erhöhen. Seine Instrumente wurden in ganz Europa verkauft und eingesetzt. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit widmete Fraunhofer sich der Wissenschaft und untersuchte mit selbst entwickelten Instrumenten unter anderem das Sonnenlicht und die Lichtbeugung. Seine Begabung, wissenschaftliche Arbeit und technische Anwendung miteinander zu verbinden, ist bis heute Vorbild für die nach ihm benannte Fraunhofer-Gesellschaft.

Anlässlich seines 200. Todestags widmet ihm die UNESCO ein Gedenkjahr, das am 25. Februar mit einem Festakt eröffnete. Die Fraunhofer-Gesellschaft plant im Rahmen des Jubiläums mehrere Veranstaltungen, unter anderem beim Münchner Science Communication Hub, bei Langen Nächten der Wissenschaft und in Schulen. Darüber hinaus steuert sie ein besonderes Stück zur Optik-Ausstellung des Deutschen Museums bei: „Joseph“ – ein KI-Avatar, mit dem sich Besucherinnen und Besucher unterhalten können.
Das Deutsche Museum ist im Besitz vieler Fraunhofer-Exponate. Dazu gehören der Fraunhofer-Refraktor, mit dem Johann Gottfried Galle 1846 den Planeten Neptun entdeckte, und der Prismenapparat, mit dem Fraunhofer die Linien im Sonnenspektrum untersuchte, sowie ein Gitterspektrograf, für den Fraunhofer mehr als 300 Rillen pro Millimeter in ein Glasplättchen ritzte. Wie er das bewerkstelligt hat, bleibt bis heute ein Rätsel.
Auch Fraunhofers Geburtsstadt Straubing erinnert mit einer Veranstaltungsreihe an seinen 200. Todestag. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Führung in Straubing, eine Exkursion nach Benediktbeuern und Optik-Experimente für Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus zeigt eine Ausstellung im Gäubodenmuseum das Leben und Wirken Fraunhofers.









