09.01.2026 • Energie

Molekulares Feintuning steigert Wirkungsgrad von Solarzellen

Mit gezieltem Moleküldesign erreichen LMU-Forschende eine Effizienz von 31,4 Prozent bei Perowskit-Silizium-Tandemzellen.

Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen gelten als Schlüsseltechnologie für die Photovoltaik. Ihr Aufbau erlaubt es, Sonnenlicht effizienter zu nutzen als bei herkömmlichen Siliziumzellen: Während die obere Perowskit-Schicht den energiereichen blauen Anteil des Lichts absorbiert, fängt die darunterliegende Silizium-Schicht den roten Bereich ein. Das Zusammenspiel beider Materialien ermöglicht eine deutlich höhere Lichtausbeute.

Ein internationales Team um Erkan Aydin, Forschungsgruppenleiter an der LMU, hat diesen Ansatz nun entscheidend weiterentwickelt. In einer Fachpublikation berichten die Forschenden über die erste Perowskit-Silizium-Tandemzelle, die vollständig in der Münchner Region gefertigt wurde. Kooperationspartner sind die Southern University of Science and Technology (SUSTech) in Shenzhen, China, die City University of Hong Kong und die King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) in Saudi-Arabien.

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Lukas Schmidt-Mende und Juliane Borchert • 7/2024 • Seite 31

Perowskite in der Anwendung

Zentrales Element der Tandem­zellen ist die selbst­organisierte Monoschicht (self-assembled monolayer, SAM). Diese nur wenige Nanometer dünne molekulare Schicht sorgt dafür, dass elektrische Ladungen effizient zu den Ladungs­sammel­schichten trans­portiert werden. Auf pyramiden­förmig struktu­rierten Silizium­oberflächen neigen herkömmliche SAMs mit einfachen Alkyl­ketten jedoch dazu, ungleichmäßig zu aggre­gieren. Das schränkt die Leistungs­fähigkeit der Zellen ein.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelten die Forschenden ein spezielles Molekül. Seine besondere Struktur verbessert den Ladungs­transport selbst auf rauen Ober­flächen und schafft damit die Grund­lage für eine stabile Grenz­fläche.

Bei Analysen machte das Team eine über­raschende Beobachtung: Eine handels­übliche SAM-Vorstufe enthielt winzige Mengen brom­haltiger Verunrei­nigungen. Diese erwiesen sich als äußerst nützlich, da sie Defekte an der Grenz­fläche neutra­lisieren und so die Effizienz der Solar­zellen steigern.

„Dass eine so kleine chemische Veränderung eine derart große Wirkung entfalten kann, hat uns selbst über­rascht“, erklärt Projekt­leiter Aydin. „Diese Erkennt­nis zeigt, wie entschei­dend das präzise Zusammen­spiel von Materialien auf molekularer Ebene für den Energie­ertrag neuartiger Solarzellen ist.“

Die Forschenden kombinierten bromierte und nicht bromierte Moleküle, um die positiven Effekte des Broms zu nutzen, ohne die chemische Stabili­tät zu beein­trächtigen. Ihre neu entwickelte SAM-Struktur ermöglicht eine dichtere Molekülpackung und eine bessere Passi­vie­rung der Grenz­fläche – was wiederum höhere Wirkungs­grade, eine gestei­gerte Stabili­tät und eine effi­zientere Ladungs­extraktion bewirkt.

Durch diese gezielte Feinsteuerung auf Molekülebene erreichte das Team eine Effizienz der Zellen von 31,4 Prozent. Damit gehört das Team zu den weltweit führenden Laboren in der Entwick­lung von Hoch­leistungs-Perowskit-Silizium-Tandem­zellen. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Werte auf indus­triell relevanten kristal­linen Silizium-Bottom-Zellen erzielt wurden. Neben der Effizienz­steigerung zeigte sich auch eine verbes­serte Stabi­lität der Zellen über längere Zeit­räume. Die dichtere molekulare Packung der neuen SAMs schützt die empfindliche Grenz­fläche vor Schäden auf molekularer Ebene.

„Als nächsten Schritt wollen wir zeigen, dass unsere Tandemzellen ihre Leistungsfähigkeit nicht nur im Labor unter Beweis stellen, sondern auch in beschleu­nigten Alterungstests, die Aufschluss über ihr Verhalten unter realen Umwelt­bedingungen geben“, sagt Aydin. „Parallel dazu prüfen wir, wie sich die Technologie für den Einsatz in der Raumfahrt anpassen lässt – insbesondere für Satelliten in niedrigen Erdumlauf­bahnen.“ Gerade in diesem Bereich wachse das Inte­resse an besonders leichten, leistungs­fähigen und strahlungs­resistenten Solar­zellen rasant. [LMU / dre]

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