01.10.2026 • Teilchenphysik

Rekorde bei Antiprotonenspeicherung und -transport publiziert

BASE-Kolla­bo­ra­tion be­rich­tet, wie sie in einem mobi­len Trans­port­be­häl­ter erst­mals über einen Monat lang Anti­pro­to­nen spei­chern konnte.

Im März 2026 gelang es erstmals, mit einer speziell dafür konstruierten Falle Antiprotonen per Lkw über die Straße zu transportieren. Die BASE-Kollaboration, die dieses Experiment am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf unter der Leitung von Stefan Ulmer und Christian Smorra von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchführte, stellt nun die Ergebnisse und Erfahrungen dieses Pionierexperimentes in einem Fachartikel vor. So berichten sie unter anderem, dass in einem mobilen Transportbehälter erstmals über einen Monat lang Antiprotonen gespeichert werden konnten.


Ultrahochvakuum-Penning-Fallen ermöglichen solche Hochpräzisionsmessungen an eingeschlossenen Protonen und Antiprotonen. Die Forschungskollaboration BASE (Baryon Antibaryon Symmetry Experiment) konstruierte und betreibt am CERN, genauer an der dortigen „Antimateriefabrik“ (AMF), eine solche Falle namens BASE-STEP. AMF ist weltweit die einzige Anlage, an der niederenergetische Antiprotonen erzeugt, gespeichert und untersucht werden können.

Stefan Ulmer, Lehrstuhlinhaber für Quantentechnologie und Fundamentale Symmetrien an der HHU, ist Gründer und Sprecher von BASE und Koautor des Fachbeitrags: „Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits präzise Messungen mit einer Genauigkeit von 0,3 ppb für Protonen und 1,6 ppb für Antiprotonen zum intrinsischen magnetischen Moment beider Teilchenarten durchführen.“ Der Vergleich der so gewonnenen Daten von Protonen und Antiprotonen ergab aber bisher noch keinen Unterschied innerhalb der erreichbaren Messgenauigkeit.

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Klaus Blaum, Sven Sturm und Stefan Ulmer • 1/2017 • Seite 31

In die Falle gegangen

Christian Smorra, Projektleiter von BASE-STEP und Kor­res­pon­denz­autor der Studie: „Die Genauigkeit können wir bei Messungen an der AMF nicht mehr steigern. Denn der Betrieb der Anlage verursacht Magnetfeldschwankungen, die unsere Messgeräte beeinträchtigen. Bessere Bedingungen gibt es nur außerhalb des CERN. So wurde die Idee zur mobilen offenen Falle BASE-STEP geboren: Wir transportieren die Antiprotonen an einen anderen Ort mit einem Hochpräzisionslabor, um dort eine mindestens um den Faktor 100 höhere Präzision zu erzielen.“

Nachdem dem BASE-Team im Oktober 2024 bereits der Transport von Protonen gelang, waren sie im März 2026 mit der gleichen Falle auch mit Antiprotonen erfolgreich. Insgesamt 92 dieser Teilchen wurden aus der AMF ausgekoppelt und in BASE-STEP gespeichert. Anschließend wurde die Falle auf einen Lkw verladen und eine halbe Stunde lang rund acht Kilometer über das CERN-Gelände gefahren. Anschließend gelang es auch, die Falle wieder abzuladen, ohne dass in der ganzen Zeit auch nur eines der gespeicherten Antiprotonen verloren ging.

Marcel Leonhardt, Physikdoktorand an der HHU und Erstautor der Studie: „Wir haben die Antiprotonen dann weiter beobachtet. Insgesamt konnten wir sie über einen Monat lang speichern und kontrolliert manipulieren.“ Er weist darüber hinaus auf eine weitere besondere Leistung hin: „Besonders wichtig für eine mobile Falle für die Langzeitspeicherung ist ein extrem gutes Vakuum, damit die Antiprotonen nicht mit anderen Teilchen kollidieren und so verloren gehen. Wir haben – erstmals für ein offenes Fallensystem, in das Antiprotonen ein- und auch wieder ausgeschleust werden können – ein Vakuum von besser als 2,2 ⋅ 10-18 mbar über die gesamte Speicherzeit erreicht. Wir sind damit sogar deutlich besser als unser eigenes Designziel von 10-16 mbar.“

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Ein Ziel für die gespeicherten Antiprotonen ist ein Hochpräzisionslabor an der HHU, welches Ulmers Team zurzeit für die Vergleichsmessungen von Protonen und Antiprotonen aufbaut. „Mit dem Transport im März ist uns die Generalprobe gelungen. Wir konnten zeigen, dass unsere Idee funktioniert. Unser nächstes Ziel ist nun, die Falle so autonom zu machen, dass mit ihr ein zehnstündiger Transport von Genf bis nach Düsseldorf möglich werden wird“, betont Smorra. [HHU / dre]

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