Starke optoakustische Kopplung in einer optischen Faser
Mit stimulierter Brillouin-Streuung gelang es erstmals, in einer Faser Licht und langlebige akustische Schwingungen stark zu koppeln.
Mechanische und akustische Schwingungen lassen sich nutzen, um verschiedene optische Frequenzen (Terahertz) über Mikrowellen bis hin zu noch niedrigeren Frequenzen von Megahertz oder Kilohertz umzuwandeln. Das ist zum Beispiel notwendig, um Quantencomputer, die bei Gigahertz Frequenz arbeiten, über optische Links zu verbinden. Zudem breiten sich akustische Wellen mit einer wesentlich geringeren Geschwindigkeit als Licht aus. Somit sind sie ein Medium, das sich langsam bewegende Informationen transportieren kann, was für Speicherzwecke und die vorübergehende Speicherung von Informationen von großem Interesse ist.


Um jedoch eine dieser Verarbeitungsmöglichkeiten durch mechanische Schwingungen für Quanteninformationen nutzen zu können, ist eine Voraussetzung erforderlich: der Bereich starker Kopplung. Dieser Bereich gewährleistet, dass Quanteninformationen ausgetauscht werden, bevor die Informationen aufgrund von Verlusten und Dekohärenz verloren gehen. Dekohärenz beschreibt den Zustand, dass die Wellen nicht mehr im Gleichtakt schwingen. Im Bereich der starken Kopplung kann die Quanteninformation schneller verarbeitet werden: Schneller, als die Geschwindigkeit, mit der Rauschen in das System eindringt, ohne dabei ihre Quanteneigenschaften zu verlieren.
Bislang wurde der Bereich der starken Kopplung in optomechanischen Resonatoren erreicht, die man sich als Kreisverkehre für Licht vorstellen kann: Licht rast in den optischen Resonatoren oft eine Million Mal im Kreis und hat dabei die Möglichkeit, sich stark an Schwingungen entlang der Resonatorstrecke zu koppeln. Wenn Licht jedoch durch eine optische Faser läuft, ist das mit dem Fahren auf einer Autobahn vergleichbar: Die optischen Signale rasen in einer Richtung entlang der „Faser-Autobahn“ und passieren Schwingungen oder andere Hindernisse nur einmal, statt eine Million Mal wie im Kreisverkehr. Die starke Kopplung von Lichtinformation an eine akustische Schwingung bei nur einmaligem Vorbeiflug ist daher extrem schwierig.
Forschende des MPI für die Physik des Lichts und der Uni Hannover ist es erstmals gelungen, in einer gekühlten optischen Faser eine starke Kopplung durch Licht-Schall-Wechselwirkungen zu erreichen, und zwar speziell durch den Effekt der stimulierten Brillouin-Streuung. Der Zustand starker Kopplung zwischen Licht und Schall wird ohne optischen Resonator und ohne mechanischen Resonator realisiert. Bei einem einzigen Durchlauf des Lichts durch eine optische Faser bei moderaten kryogenen Temperaturen von 4 K gelingt es dem Team um Birgit Stiller, Wechselwirkungen zwischen Licht und Schall zu erzielen, die weitaus stärker sind als die Verluste sowohl durch optische als auch durch akustische Rauschquellen. Bei der spektralen Signalmessung tritt eine Lücke auf – das ist für die Forschenden ein Hinweis auf die starke Kopplung. „Wir haben eine neue Messtechnik eingeführt, die es ermöglicht, das deutlichste Anzeichen einer starken Kopplung zu beobachten: ebendiese Lücke in der spektralen Antwort, die sonst nur in Resonatoren sichtbar wird“, sagt Laura Blázquez Martínez, Erstautorin der Studie. Das Phänomen der vermiedenen Kreuzung ist normalerweise in Resonator-Konfigurationen sichtbar, nicht jedoch beim Inline-Betrieb. Daher stellt die neue experimentelle Technik einen wichtigen Proof-of-Concept für die starke Kopplung in Lichtwellenleitern dar.
„Dieses Ergebnis ist ein entscheidender Schritt hin zur Nutzung von Glasfasern als leistungsfähige Plattform für Quantenwechselwirkungen“, sagt Birgit Stiller, Leiterin der Forschungsgruppe Quantenoptoakustik am MPL und Professorin an der LUH. „Der Nachweis, dass dieser Zustand in Glasfasern erreicht werden kann, ebnet den Weg für die Realisierung von Quantenmessungen auf der Plattform, die bereits den Großteil unseres Telekommunikationssystems ausmacht.“
Darüber hinaus sei dies ein wegweisendes Ergebnis für die Erforschung des Übergangs zwischen klassischer und Quantenphysik. Lichtwellenleiter sind wesentlich massereichere Objekte als die mikrooptomechanischen Resonatoren, die normalerweise zur Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Licht und mechanischen Wellen verwendet werden. Die Möglichkeit, die Quanteneigenschaften dieser Wechselwirkung zu untersuchen, ebnet den Weg für die Erforschung der Quanteneigenschaften massereicher Objekte. [MPL / dre]
Weitere Informationen
- Originalveröffentlichung
L. Blázquez Martínez, C. Zhu & B. Stiller, Cavity-less Brillouin strong coupling in a solid-state continuous system, Nat. Phys., 16. Oktober 2026; DOI: 10.1038/s41567-026-03458-2 - Forschungsgruppe Quanten-Optoakustik (Birgit Stiller), Leibniz Universität Hannover / MPI für die Physik des Lichts, Erlangen
Anbieter
Max-Planck-Institut für die Physik des LichtsStaudtstr. 2
91058 Erlangen
Deutschland
Meist gelesen

Eine Bibliothek für Feynman-Integrale
Neue Organisationsmethode beschleunigt Berechnungszeiten um den Faktor Tausend.

Optische Kontrolle von Kernspins in Molekülen
Neue Wege für Quantentechnologien: Forschende demonstrieren erstmals die optische Initialisierung und Detektion von Kernspins in einem Europium-basierten Molekülkristall.

Atmosphäre wo keine sein dürfte
Berufs- und Amateuerforschende in Japan detektieren eine dünne Gashülle um ein 500-Kilometer-Objekt im äußeren Sonnensystem.

Primordiale Schwarze Löcher aus Raumzeit-Kristallen
Team aus Wien und Frankfurt findet eine Formel für ein merkwürdiges Phänomen: Raum und Zeit können eine Art Kristall bilden, der zu einem Schwarzen Loch werden kann.

Polarisierte Helium-3-Strahlen beschleunigen
Erhalt des Polarisationszustands der Teilchen ist ein wichtiger Fortschritt für die Laser-Plasma-Beschleunigertechnologie.













