17.08.2009

Streit um Stipendiensystem für ganz Deutschland

Ab kommendem Semester sollen in NRW erstmals 1400 Begabte eine Förderung von 300 Euro erhalten. Eine bundesweite Einführung steht zur Diskussion.

Streit um Stipendiensystem für ganz Deutschland

Ab kommendem Semester sollen in NRW erstmals 1400 Begabte eine Förderung von 300 Euro erhalten. Eine bundesweite Einführung steht zur Diskussion.

Berlin (dpa) - Streit um Stipendien: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) findet für ihre Forderung, ein Stipendiensystem für Begabte bundesweit einzuführen, keine Zustimmung bei SPD, Grünen und Linken. Schavan hatte der «Berliner Zeitung» (Freitag) gesagt, «das Modell in Nordrhein-Westfalen ist ein guter Anfang». Ab kommendem Semester sollen in NRW erstmals 1400 Begabte eine Förderung von 300 Euro erhalten, welche je zur Hälfte von privaten Geldgebern und dem Land finanziert wird.

«Bedauerlicherweise» haben laut Schavan bislang jedoch SPD- regierte Länder eine Einigung auf ein bundesweites System verhindert. «Es wäre gut, wenn sich die Länder auf ein Modell zum bundesweiten Ausbau einer solchen Mischfinanzierung einigen könnten.»

Nach Ansicht von Carola Reimann (SPD), die in Frank-Walter Steinmeiers Wahlkampfteam für Hochschule und Forschung zuständig ist, verstärkt ein Stipendiensystem die soziale Auslese an Schulen und Universitäten. In den bildungsfernen Schichten würden so nur wenige Studierende erreicht. Reimann forderte stattdessen ein gebührenfreies Studium sowie eine Ausweitung des Bafög, etwa in Form eines Schüler- Bafög und einer Förderung von Über-30-jährigen.

Kritik erntete Schavan auch von den Grünen und der Linken. «Es ist heuchlerisch von FDP und Union, den amerikanischen Geist der privaten Studienförderung zu beschwören und sich dann aus Mangel an Finanzierung an den Bund zu wenden», sagte Grünen-Chef Cem Özdemir. Der Vorstoß aus NRW und von Schavan sei ein «Griff aus der elitären Mottenkiste», kommentierte Nele Hirsch, bildungspolitische Sprecherin der Linken. Das Stipendienmodell führe «nur zu mehr Bildungsungerechtigkeit».

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock bezeichnete ein nationales Stipendiensystem als «falsches Instrument». «Wir brauchen vielmehr eine Stärkung des Bafög - es muss nach der Wahl schleunigst an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst werden.» Bei der Vergabe von Stipendien durch die Wirtschaft seien die Studierenden zu sehr auf deren Wohlwollen angewiesen.

Unterstützung erhielt Schavan dagegen von NRW- Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Der Initiator des nordrhein-westfälischen Stipendienprojekts forderte die SPD am Freitag auf, den Widerstand gegen ein nationales Stipendiensystem aufzugeben. Im Falle einer Regierungsbeteiligung im Bund würde sich die FDP nach der Bundestagswahl für den Aufbau des Stipendienmodells einsetzen. «Innerhalb von vier Jahren wollen wir soweit sein, dass die begabtesten zehn Prozent der Studenten ein Stipendium bekommen», sagte Pinkwart laut Mitteilung. Derzeit erhielten nur zwei Prozent der Studierenden solche Unterstützung.

KP

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