06.01.2026

Wie Quantencomputer noch zuverlässiger werden

Forschende des KIT unter­su­chen stö­ren­de Quan­ten­über­gänge bei Mes­sung­en und er­ar­bei­ten Stra­te­gien zur Feh­ler­ver­mei­dung.

Bei supra­leitenden Quanten­rechnern war es bisher schwie­rig, das Ergeb­nis eines Experi­ments auszu­lesen. Denn die Mes­sungen können zu stö­ren­den Quanten­über­gängen führen. For­schende des Karls­ruher Insti­tut für Techno­logie und der Univer­sité de Sher­brooke in Qué­bec haben nun das Ver­ständ­nis dieser Vor­gänge expe­ri­men­tell ver­tieft und ge­zeigt, dass eine Ka­li­brie­rung der La­dung an den Qubits zur Feh­ler­ver­mei­dung bei­trägt.

Forschende des KIT wollen Quantencomputer zuverlässiger machen. Sie untersuchen, wie Messungen Qubits stören und entwickeln Strategien, um Fehler zu vermeiden. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT) Full size
Forschende des KIT wollen Quantencomputer zuverlässiger machen. Sie untersuchen, wie Messungen Qubits stören und entwickeln Strategien, um Fehler zu vermeiden.
Quelle: Amadeus Bramsiepe, KIT

Quanten­compu­ter be­sitzen großes Po­ten­zial für die For­schung, bei­spiels­weise bei der Ent­wick­lung neuer Materi­alien mit genau defi­nier­ten Eigen­schaf­ten. Quan­ten­com­pu­ter eig­nen sich aber auch beson­ders gut für hoch­kom­plexe Auf­gaben, wie Krypto­graphie oder Simula­tionen für Natur- und Inge­nieur­wissen­schaften. Qubits lassen sich unter ande­rem aus Trans­mons bauen – künst­liche Atome aus winzi­gen supra­lei­tenden Schalt­kreisen. Der­zeit sind Trans­mons die sta­bils­ten supra­leiten­den Qubits. Sie lassen sich ein­fach ferti­gen und gut steuern.

Bei der Skalierung von auf supra­lei­tenden Qubits, speziell Trans­mons, basie­renden Quanten­compu­tern war es bis­her aller­dings schwie­rig, das Ergeb­nis eines Experi­ments zuver­lässig auszu­lesen, ohne den Quanten­zustand zu stören. Beim Aus­lesen werden viele Mikro­wellen-Photonen in einen Reso­nator geschickt. Dabei kann es dazu kommen, dass das Qubit in höhere Energie­zustände springt. Dieser Prozess, der sich mit der Ionisie­rung eines Atoms unter starkem Licht ver­glei­chen lässt, macht die Mes­sung unzu­ver­läs­sig. „Wenn wir ver­stehen, bei welchen Photo­nen­zahlen im Reso­nator und bei welcher Ladung am Trans­mon das Qubit in uner­wünschte Zustände aus­bricht, können wir die Mess­proze­dur opti­mie­ren, bei­spiels­weise durch gezielte Wahl der Betriebs­para­meter oder Stabi­lisie­rung der La­dung“, er­klärt Ioan Pop, Pro­fes­sor am Ins­ti­tut für Quanten­materi­alien und Techno­logien (IQMT) des KIT die For­schung zu Quanten-Compu­ting leitet.

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Forschende am IQMT und am Physika­lischen Institut (PHI) des KIT sowie an der Univer­sité de Sher­brooke in Québec in Kanada haben nun in einer gemein­samen Studie das Ver­ständnis der Mess­rück­wirkung in supra­leiten­den Qubits anhand von Expe­ri­men­ten ver­tieft und prak­ti­sche Stra­te­gien für eine zuver­läs­si­ge­re Quan­ten­aus­le­sung erar­bei­tet. „Eine wesent­liche Schwie­rig­keit bei der Unter­su­chung der durch Mes­sung­en ausge­lösten Quan­ten­über­gänge ist das Vor­han­den­sein von Lad­ungs­schwan­kungen im Schalt­kreis, ein all­gegen­wärti­ges Prob­lem für alle Fest­kör­per­platt­for­men“, erläu­tert Mathieu Fé­chant, der am IQMT zu Quanten-Compu­ting forscht. „In die­ser Arbeit über­wachen und kali­brie­ren wir die­sen Para­meter wieder­holt neu, wäh­rend wir die Aus­lese­stärke vari­ieren.“

Die Ergebnisse der Experi­mente stim­men mit kürz­lich vor­ge­schla­ge­nen theo­re­ti­schen Mo­del­len über­ein und be­stä­ti­gen das Ver­ständ­nis von der zu­grun­de lie­gen­den Phy­sik. Die For­schen­den zei­gen auch, dass sich durch ak­ti­ve Kali­brie­rung der La­dung an den Trans­mons die Aus­le­sung in Pho­to­nen­zahl-Berei­chen be­trei­ben lässt, in denen die stö­ren­den Quan­ten­über­gänge ver­ring­ert wer­den. Lang­fris­tig trägt die Stu­die dazu bei, Feh­ler beim Aus­le­sen zu ver­mei­den und da­durch supra­lei­ten­de Quan­ten­com­pu­ter zu­ver­läs­si­ger zu machen. [KIT / dre]

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