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1/1995Seite 1

Festschrift, Teil 1

Eine neue MaterialklasseMartin Stehno, Hartmut Buhmann und Laurens W. Molenkamp9/2017Seite 39

Eine neue Materialklasse

Innen Isolator, außen ein sehr guter Leiter: Topologische Isolatoren überraschen durch ihre faszinierenden Eigenschaften.

Topologische Isolatoren besitzen ungewöhnliche elektronische Eigenschaften: Im Inneren sind sie Isolatoren, an der Oberfläche leiten sie Strom durch topologisch geschützte, metallische Zustände nahezu ohne Widerstand. Noch sind sie Gegenstand der Grundlagenforschung, aber künftig könnten sie die Basis elektronischer Bauteile mit niedrigem Energieverbrauch sein und in Kombination mit Supraleitung eine Plattform für Quanten­computer bilden.

Topologische Phänomene in der Leitfähigkeit sind bekannt, seit Klaus von Klitzing, Gerhard Dorda und Michael Pepper 1980 den ganzzahligen Quanten-Hall-Effekt entdeckten [1]. Dabei ist die Hall-Leitfähigkeit eines zweidimensionalen Elektronengases in einem starken senkrecht angelegten Magnetfeld in Stufen von e2/h quantisiert. Die beeindruckende Genauigkeit der Quantisierung deutet darauf hin, dass das zugrundeliegende physikalische Prinzip nicht von Details des Materials abhängt. In einer wichtigen Pionierarbeit zeigten David Thouless, Mahito Kohmoto, Peter Nightingale und Marcel den Nijs zwei Jahre später, dass eine topologische Invariante, die so genannte Chern-Zahl, die Hall-Leitfähigkeit festlegt [2].

Die Chern-Zahl ähnelt in ihrer geometrischen Bedeutung dem Satz von Gauß-Bonnet: Das Integral über die Krümmung einer geschlossenen Fläche ist durch die Anzahl der Löcher gegeben, die der Körper besitzt, den die Fläche umschließt. Sein Wert hängt nicht von der genauen Geometrie der Oberfläche ab, weil die Anzahl der Löcher bei einer stetigen Deformation gleich bleibt. Analog leitet sich die Chern-Zahl aus der Zahl besetzter Landau-Niveaus ab. Sie lässt sich nicht durch stetige Veränderung des Hamilton-Operators ändern – aus diesem Grund ist der Quanten-Hall-Effekt so robust. Ändert sich aber die Anzahl besetzter Landau-Niveaus, kann ein topologischer Phasen­übergang stattfinden, der die Chern-Zahl modifiziert. Die Volu­men-Rand-Korrespondenz besagt, dass die Chern-Zahl direkt mit der Anzahl chiraler Randzustände am Übergang des Systems zum Vakuum zusammenhängt...

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Rainer Scharf9/2008Seite 95

Wasser, Übergänge und Spins

Highlights aus dem Programm des Arbeitskreises Festkörperphysik

Björn Trauzettel7/2007Seite 39

Von Graphit zu Graphen

Einatomare Kohlenstoffschichten sind ein neues Modellsystem für Elektronen in zwei Dimensionen.

Seit es vor drei Jahren gelungen ist, einzelne, nur ein Atom dicke Kohlenstoffschichten zu präparieren, stürzen sich Experimentatoren und Theoretiker auf Graphen. Diese jüngste Modifikation von Kohlenstoff verhält sich in jeder Beziehung anders als übliche Halbleiter wie Silizium. Zu dem besonderen Reiz daran trägt insbesondere die Tatsache bei, dass sich die Elektronen darin verhalten, als seien sie masselose, ultrarelativistische Teilchen.

Rainer Scharf9/2006Seite 95

Vom suprasoliden Helium zur Physik der DNA

Die unbekannte DimensionRonny Thomale4/2018Seite 20

Die unbekannte Dimension

Forschern ist es gelungen, den vierdimensionalen Quanten-Hall-Effekt experimentell zu simulieren und die zweite Chern-Zahl zu messen.

Roland Winkler12/2005Seite 17

Spin statt Ladung

Ewelina M. Hankiewicz und Björn Trauzettel10/2010Seite 20

Lückenschluss an der Oberfläche

Experimente an Bi2Se3-Kristallen ergaben, dass sich die Zustände an der Oberfläche topologischer Isolatoren als Dirac-Fermionen beschreiben lassen.

Vielfalt in zwei DimensionenChristoph Stampfer, Bernd Beschoten und Sebastian Staacks10/2019Seite 29

Vielfalt in zwei Dimensionen

Van-der-Waals-Kräfte erlauben es, aus zweidimensionalen Materialien Heterostrukturen mit maßgeschneiderten Eigenschaften aufzuschichten.

Neue Materialien zu entdecken und geschickt zu nutzen, ist ein Garant für den technologischen Fortschritt. Ein prominentes Beispiel ist die Rolle von Silizium in der modernen Mikroelektronik. Zweidimensionale Materia­lien, insbesondere kombiniert zu Van-der-Waals-Hetero­strukturen, besitzen einzigartige Eigenschaften und ermöglichen eine neuartige Elektronik und integrierte Opto­elektronik.

Zweidimensionale Materialien zeichnen sich durch außergewöhnliche Eigenschaften aus. Beispielsweise besitzen die Ladungsträger interne Freiheitsgrade wie den Spin, den Pseudospin oder den Valley-Freiheitsgrad [1]. Diese ermöglichen es, quantenmechanische Effekte technologisch zu nutzen, sodass sich die Materialien für die Spintronik und die neuartige Valleytronik anbieten. Beide Technologien ähneln der konventionellen Elektronik. Während dort Elektronen als Träger der elektrischen Ladung dazu dienen, Daten zu speichern, zu bewegen und zu verändern, nutzt die Spintronik dafür die Spinfreiheitsgrade der Elektronen – und die Valleytronik entsprechend den Valley-Freiheitsgrad.


Zweidimensionale Materialien werden aus Van-der-Waals-Materialien hergestellt. Diese besitzen eine ausgedehnte kristalline planare Struktur, die durch starke kovalente Bindungen innerhalb der Ebene und schwache Van-der-Waals-Kräfte senkrecht zu den Ebenen zusammengehalten wird. Das führt zu Schichtsystemen, wobei sich einzelne Lagen durch das Aufbrechen der Van-der-Waals-Bindungen leicht voneinander ablösen lassen, ohne den verbleibenden Kris­tall oder die entfernte Lage zu beschädigen. So ist es möglich, einzelne Graphen-Lagen (zweidimensionales Material) mit einem Klebeband von einem Graphitkristall (Van-der-Waals-Material) abzuziehen und auf beinahe beliebigen Oberflächen oder Substraten abzulegen. Diese technologisch sehr einfache mechanische Methode der Exfoliation ist auch auf andere Van-der-Waals-Materialien anwendbar. Daher wächst derzeit die Anzahl experimentell zugänglicher zweidimensionaler Kristalle mit den unterschiedlichsten Eigen­schaften rasch an. Diese Schichten lassen sich völlig unabhängig von zueinander passenden Gitterkonstanten oder Kristallorientierungen stapeln, sodass Van-der-Waals-Heterostrukturen entstehen. Die Auswahl und Abfolge der Schichten und ihre Orientierung zu­einander erlauben es, die physikalischen Eigenschaften der Heterostrukturen maßzuschneidern [2]...

 

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Rainer Scharf9/2009Seite 93

Plasmonen, Spinspiralen und Graphen (SKM)

Weyl sie exotisch sindJohannes Gooth, Jürgen Kübler und Claudia Felser2/2021Seite 29DPG-Mitglieder

Weyl sie exotisch sind

In den letzten Jahren wurden viele neue topologische Materialien mit ungewöhnlichen Eigenschaften entdeckt, darunter auch Weyl-Halbmetalle.

Weyl-Halbmetalle sind topologische Materialien, die durch die Quantenzustände ihrer Elektronen an Kreuzungspunkten in ihrer Bandstruktur neuartige exotische Eigenschaften zeigen. An diesen Kreuzungspunkten verhalten sich die Leitungselektronen wie relativis­tische chirale Teilchen – sogenannte Weyl-Fermionen. Zuerst wurden diese in der Teilchenphysik vermutet, nun aber in Festkörpern gefunden.

Elektronische Eigenschaften von Festkörpern sind in unserem Leben allgegenwärtig. Sie bestimmen unter anderem die Farbe von Materialien und deren Fes­tigkeit und werden in elektrischen Bauelementen nutzbar gemacht. Sie sind auch Grundlage zahlreicher Physik-Nobel­preise; prominente Beispiele sind die Hochtemperatur-Supraleitung (1987), der Riesenmagnetowiderstand (2007) oder Graphen (2010). Die elektronischen Eigenschaften von Festkörpern ergeben sich aus der Wechselwirkung von Elektronen mit den Atomen, aus denen der Festkörperkristall aufgebaut ist. Die Elektronen in einem Festkörper spüren die umliegenden Ionenrümpfe und können dadurch andere Eigenschaften besitzen als Elektronen im freien Raum.

Die Dispersionsrelation der Elektronen in einem Festkörperkristall, also die Relation der Energie mit dem Impuls, lässt sich durch das Bändermodell beschreiben, das in Bandstrukturdiagrammen darstellbar ist. Aus solchen Diagrammen sind unter anderem die Gesamtmasse der Elektronen und deren Geschwindigkeit im Festkörper abzulesen. Die einzelnen Bänder können mit Elektronen gefüllt bzw. besetzt (in den Abbildungen in diesem Artikel farbig dargestellt) oder leer bzw. unbesetzt sein. Die Fermi-Energie, welche die besetzten von den unbesetzten Zuständen trennt, bestimmt den „Füllstand“ der Elektronen in einem Festkörper. In geordneten Phasen, wie sie in Kristallen und Magneten vorliegen, legen vor allem Symmetrien die Form der Bandstruktur fest. Denn in einem Kristall sind die Ionen aufgrund ihrer elektrostatischen Wechselwirkungen periodisch angeordnet, wodurch die kontinuierliche Symmetrie des Raums unter Rotationen und Translationen gebrochen wird. Bei typischen Magneten ist zusätzlich ein Teil der Rotationssymmetrie zusammen mit der Zeitumkehrsymmetrie gebrochen. Ändert sich die Symmetrie des Festkörperkristalls, ändern sich folglich auch die Bandstruktur und damit die elektrischen und optischen Eigenschaften des Materials. (...)

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Rainer Scharf9/2010Seite 90

Vom Flussquant zum Nobelpreis (SKM)

Effektvolle DrehungDmitri K. Efetov3/2021Seite 28

Effektvolle Drehung

Eine einfache Drehung zweier Graphenschichten unter dem „magischen“ Winkel sorgt für eine Vielzahl neuer Zustände und exotischer Eigenschaften.

Die Entdeckung neuartiger Materialien hat seit der Steinzeit technologische Revolutionen ausgelöst. Die heutzutage wichtigsten Materialien sind die Bausteine moderner Technologien wie Halbleiter, Magnete oder Supraleiter. Sie bilden die Grundlage für Computer­chips, Speicher und wissenschaftliche Geräte. Für die weitere Entwicklung wären Materialien wünschenswert, die viele unterschiedliche Eigenschaften gleichzeitig besitzen können. Diese sollten gesteuert ein- und ausschaltbar sein, um je nach Bedarf per Knopfdruck einen Magneten oder einen Supraleiter zu erhalten.

Traditionell sind Materialeigenschaften das Ergebnis der Zusammensetzung und Anordnung von Atomen in Kristallen. Abhängig davon, welche Atomspezies in einem Material gemischt sind, ordnen sich die Atome in unterschiedlichen periodischen Strukturen mit verschiedenen Symmetrien und elektronischen Eigenschaften an. Diese Attribute definieren somit die Eigenschaften des Materials und bestimmen, ob es beispielsweise ein Halbleiter, Magnet oder Supraleiter ist.

Um immer reichhaltigere Materialeffekte zu finden, hat sich die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten darauf konzentriert, immer kompliziertere Kristalle herzustellen. Damit ist es gelungen, eine zunehmende Anzahl verschiedener Atomspezies in einem Material zu mischen und eine Vielfalt exotischer Spezies zu entdecken, die in der Natur nicht vorkommen. Ein Beispiel ist der Kuprat-Supraleiter Hg12Tl3Ba30Ca30Cu45O127. Um diese Materialien in der modernen Elektronik einzusetzen, müssen ihre Abmessungen nanometerklein sein. Die Miniaturisierung hat zudem einen weiteren positiven Effekt: Da die Materialien zunehmend empfindlich gegenüber angelegten elektrischen und magnetischen Feldern werden, können wir diese Felder nutzen, um die Materialeigenschaften kontrolliert zu verändern.  (...)

 

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Physik-Preise 20251/2025Seite 53DPG-Mitglieder

Physik-Preise 2025

Laudationes auf die Preisträgerinnen und Preisträger der Deutschen Physikalischen ­Gesellschaft 

Physik-Preise 20261/2026Seite 59DPG-Mitglieder

Physik-Preise 2026

Laudationes auf die Preisträgerinnen und Preisträger der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

Harald Fritzsch, Willibald Plessas und Wolfgang Schweiger12/2008Seite 58

Approaches to Quantum Chromodynamics

419. WE-Heraeus-Seminar

Stefan Kettemann und Tomi Ohtsuki12/2008Seite 58

Network Models in Quantum Physics

411. WE-Heraeus-Seminar

11/2008Seite 1

November

Experimente und Simulationen geben Aufschluss über das Innere der Erde (vgl. S. 27, Quelle: NASA, eig. Grafik).

Jens Ebbecke12/2008Seite 58

Single Charge Effects in Semi­conductor Nanostructures

413. WE-Heraeus-Seminar

Tamara Nunner, Timo Kuschel und Andy Thomas4/2014Seite 63

Spin transport beyond Boltzmann

550. WE-Heraeus-Seminar

Ortwin Hess, Thomas Zentgraf und Falk Lederer4/2014Seite 63

Active Nanoplasmonics and Metamaterial Dynamics

551. WE-Heraeus-Seminar

Andrea Alberti, Dieter Meschede und Reinhard Werner4/2014Seite 64

Discrete and Analogue Quantum Simulators

553. WE-Heraeus-Seminar

Alexander Schug und Abhinav Verma4/2014Seite 64

Physics of biomolecular folding and assembly: Theory meets experiment

 552. WE-Heraeus Seminar

Ohne TwistAnna Seiler9/2025Seite 59DPG-Mitglieder

Ohne Twist

Auch in nicht-verdrehtem Doppellagen-Graphen treten elektronische Korrelationen auf.

Künstlich verdrehtes Doppellagen-Graphen machte durch die Entdeckung supraleitender und isolierender korrelierter Zustände auf sich aufmerksam. Nun rückt auch das natürlich vorkommende, nicht-verdrehte Doppellagen-Graphen in den Fokus. Denn auch darin können starke elektronische Wechselwirkungen auftreten. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die gezielte Kontrolle korrelierter Quantenzustände in 2D-Materialien und können einen wichtigen Beitrag zum Verständnis komplexer Vielteilcheneffekte leisten.

Das Verhalten von Elektronen bestimmt maßgeblich, ob ein Material Strom leitet. Die Elektronen besetzen quantenmechanische Zustände, deren Verfügbarkeit bei einer bestimmten Energie durch die Zustandsdichte beschrieben ist. Entscheidend ist der Bereich um die Fermi-Energie. Bis zu dieser Energie sind die Zustände bei tiefen Temperaturen mit Elektronen gefüllt. Nur wenn dort freie Zustände vorhanden sind, lassen sich Elektronen – oder auch Löcher – anregen, die zum elektrischen Strom beitragen. In Metallen­ ist die Zustandsdichte an der Fermi-Energie hoch, was den Ladungstransport ermög­licht. In Isolatoren hingegen liegt die Fermi-Energie in einer Bandlücke, sodass kein Strom fließt.

Interessant wird es, wenn sich viele Zustände in einem engen Energiebereich konzentrieren – die Zustandsdichte also hoch ist. In solchen Fällen führen die gegenseitigen Wechselwirkungen der Elektronen zu kollektiven Effekten. Daraus entstehen neuartige Quantenzustände wie spontaner Magnetismus, bei dem sich Spins ohne äußeres Magnetfeld ausrichten, oder korrelierte Isolatorphasen, in denen das System trotz metallischer Bandstruktur isolierend ist. (...)

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Patrik Recher und Björn Trauzettel12/2010Seite 22

Mit Tesafilm nach Stockholm

Für ihre bahnbrechenden Pionierarbeiten zu Graphen erhalten Andre Geim und Konstantin Novoselov den Nobelpreis für Physik 2010.

Andrea Aiello, Gerd Leuchs und Marco Ornigotti3/2013Seite 60

Quantum Optical Analogies – a Bridge between Classical and Quantum Physics

518. WE-Heraeus-Seminar

Arno Rauschenbeutel und Fedor Jelezko3/2013Seite 60

Hybrid Quantum Systems

519. WE Heraeus Seminar

Martin Gradhand, Diemo Ködderitzsch, Yuriy Mokrousov und Yoshichika Otani3/2013Seite 60

Spin-orbit-driven transverse transport phenomena

520. WE-Heraeus-Seminar

Topologische Materie − ultrakaltMonika Aidelsburger und Christof Weitenberg7/2021Seite 46DPG-Mitglieder

Topologische Materie − ultrakalt

Ultrakalte Atome liefert neue Einblicke in topologische Quantenmaterie.

Geschlossene Flächen wie die Oberfläche einer Kugel lassen sich anhand ihrer Topologie klassifizieren, die durch die Anzahl der Löcher des geometrischen Objekts bestimmt ist. Sehr ähnliche Konzepte spielen auch in der Festkörperphysik eine wichtige Rolle. Dort klassi­fizieren topologische Invarianten Materiezustände nach ihren topologischen Eigenschaften. Topologische Materiezustände zeigen außergewöhnliche Phänomene wie die präzise Quantisierung des Hall-Widerstandes. Diese Eigenschaften lassen sich im Labor auf kontrollierte Art und Weise in Modellsystemen studieren.

Topologie ist ein Konzept aus der Mathematik, das in den letzten Jahrzehnten auch in der Physik an Bedeutung gewonnen hat. Das gilt neben der tra­ditionellen Festkörperphysik zunehmend auch für synthetische Quantenmaterie wie photonische Wellenleiter oder ultra­kalte Atome in optischen Gittern [1, 2]. Ein zentrales Beispiel sind topologische Isolatoren, die leitende Rand­kanäle besitzen, in denen der Strom verlustfrei transportiert wird. Diese Eigenschaft entsteht aufgrund der Topologie des Materials, die durch ganzzahlige topologische Invarianten wie die Chern-Zahl beschrieben sind. Ein topologisch triviales Material hat eine Chern-Zahl ν  =  0, ein topologisch nicht-triviales Material ν ≠ 0. Die Chern-Zahl bestimmt die Anzahl der leitenden Randkanäle an der Grenzfläche zu einem topologisch trivialen Material oder dem Vakuum. Für viele Anwendungen sind genau diese Randkanäle interessant, weil sie elektrischen Strom nur in eine Richtung leiten und daher gegen Rückstreuung geschützt sind, also einen verschwindenden elektrischen Widerstand haben. 
In diesem Artikel wollen wir die Physik der eher abstrakten topologischen Konzepte anhand von Experimenten mit ultrakalten Atomen in optischen Gittern veranschau­lichen. Hierbei kommen im ersten Schritt Laserkühlung und Evaporation zum Einsatz, um Atome auf sehr kalte Temperaturen von wenigen Nanokelvin zu bringen. Dies verringert die Bewegungsenergie der Atome so weit, dass sie in periodischen Potentialen gefangen sind, die durch interferierende Laserstrahlen entstehen (Abb. 1a). Die Bewegung der Atome in diesem künstlichen Kristall aus Laserlicht lässt sich ähnlich wie die Bewegung von Valenz­elektronen in einem Festkörper beschreiben. Somit stellt dieses im Labor erzeugte, wohl kontrollierte System ein stark vereinfachtes Modell von Festkörpern dar (Abb. 1b, c) und erlaubt es, deren grundlegende elektronische Eigenschaften zu untersuchen. Diese Quantensimulation der Physik von Festkörpern bietet neue Einblicke, die in vielerlei Hinsicht komplementär zu den Messgrößen in Festkörpern sind [3]. Dieser Ansatz ist besonders vielversprechend für wechselwirkende topologische Zustände, deren Eigenschaften trotz jahrzehntelanger Forschung immer noch Rätsel aufgeben. (...)

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Licht treibt Materie anMichael A. Sentef3/2023Seite 51DPG-Mitglieder

Licht treibt Materie an

Kurze Laserpulse oder starke Licht-Materie-Kopplung können die Eigenschaften von Quantenmaterialien gezielt verändern.

Licht kann in sogenannter Quantenmaterie Phänomene wie Topologie, Supraleitung oder Metall-Isolator-Übergänge induzieren. Daraus entstehen an der Schnittstelle von Festkörperphysik und Quantenoptik neue Forschungsfelder, in denen statt starker Laserpulse nun starke Licht-Materie-Kopplung dazu dient, langlebige Zustände mit neuen Funktionalitäten zu erzeugen.

Aus wertlosen Metallen Gold zu machen – das ist ein alter Menschheitstraum. Ausgehend von den Alchemisten des Mittelalters kristallisierte sich daraus die wissenschaftliche Methode von Versuch und Irrtum, wodurch im 17. und 18. Jahrhundert die moderne Chemie aus der Alchemie entstand. Im 21. Jahrhundert hat das Gold seinen Status zugunsten neuer „Quantenmateria­lien“ eingebüßt, die einmal in grünen Technologien oder Quantenanwendungen zum Einsatz kommen sollen. Quantenmaterialien sind Festkörper, in denen es durch elektronische Korrelationen, Topologie oder beides interessante Phasendiagramme gibt. Diese Phasendiagramme enthalten thermische Materialzustände, die durch thermodynamische Variablen wie Druck, chemische Zusammensetzung oder Temperatur zu kontrollieren sind. 

Eine weitere Möglichkeit, um Materialzustände zu ändern, bieten Laserpulse. Im Gegensatz zu den Gleich­gewichtsphasendiagrammen bringt eine Laseranregung das Material jedoch weg vom thermischen Gleichgewicht, da der Laser dem System Energie zuführt. Die Idee von lichtgetriebenen Materialzuständen besteht nun darin, dass diese zusätzliche Energie auf kurzen Zeitskalen (1 Femtosekunde = 10–15 Sekunden) nicht das Material aufheizt, also die Temperatur erhöht, sondern etwa kohärent dessen elektronische Struktur verändert. Dadurch lassen sich neue Zustände stabilisieren, die im Gleichgewicht nicht existieren oder die sonst instabil wären. (...)
 

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Erhellende TopologieEric Meyer und Alexander Szameit5/2017Seite 29

Erhellende Topologie

Topologische Methoden erklären exotische Materiezustände und bahnen neue Wege in der Photonik.

Lange Zeit galt die Topologie als reines Teilgebiet der Mathematik, das sich allgemein mit Eigenschaften von Strukturen befasst, die unter stetigen Verformungen erhalten bleiben. Doch Topologie ermöglicht nicht nur einen neuen Blick auf abstrakte Strukturen, sondern hat mittlerweile auch Einzug in die Physik gehalten. Topologische Methoden erlauben neue Erkenntnisse bei exotischen Phasen der Materie und versprechen faszinierende Durchbrüche bei der optischen Kommunikation.

Was verbindet die sieben Brücken in Königsberg, Schwarze Löcher und Krawatten? All dies sind Beispiele dafür, wie sich grundlegende Fragen mit topologischen Mitteln beantworten lassen. Topologie erklärt, weshalb sich kein Rundweg über die sieben Königsberger Brücken finden lässt, dass Schwarze Löcher im Universum eine Singularität besitzen müssen und wieso es genau 266 682 Möglichkeiten gibt, eine Krawatte zu binden [1].

Die Topologie ist als eigene mathematische Disziplin noch vergleichsweise jung. In einfachen Worten befasst sie sich mit den Eigenschaften geometrischer Gebilde, die bei „elastischen Verformungen“ wie Dehnen, Stauchen, Verbiegen oder Verzerren erhalten bleiben. Man sagt, die betreffenden Gebilde seien topo­logisch äquivalent oder „homöomorph“: Anschaulich gesagt bleiben Randpunkte weiterhin Randpunkte, und Kreuzungen bleiben Kreuzungen, selbst wenn sich Winkel und Abstände ändern (Abb. 1). Außerdem bleibt ein geschlossener Linienzug als solcher erhalten. ,,Auf dem Rand liegend”, ,,innen”, ,,außen”, ,,sich schneidend”, ,,geschlossen” sind topologisch invariante Eigenschaften. Topologie formalisiert den Begriff „Nähe“, ähnlich wie die algebraischen Strukturen die Rechengesetze formalisieren. Ziel ist es dabei, eine Menge von Objekten zu klassifizieren, d. h. topologisch äquivalente Objekte in Klassen zusammenzufassen...

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Physik-Preise 20201/2020Seite 57

Physik-Preise 2020

Laudationes auf die Preisträgerinnen und Preisträger der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Von Leitungsketten zur PaarhypotheseChristian Joas und Georges Waysand6/2011Seite 23

Von Leitungsketten zur Paarhypothese

Die Entdeckung der Supraleitung und die wechselvolle Geschichte ihrer Erklärung

Mit der Entdeckung der Supraleitung 1911 setzte ein jahrzehntelanges Rätselraten um ihren Ursprung ein. Viele berühmte Physiker versuchten sich lange Zeit erfolglos an einer theoretischen Erklärung. Dennoch trugen die vielfältigen Ansätze dazu oft Früchte in anderen Gebieten der Physik. Schließlich gelang es Bardeen, Cooper und Schrieffer im Jahr 1957, eine mikroskopische Theorie der Supraleitung zu liefern.

Die Entdeckung der Supraleitung durch Heike Kamerlingh Onnes im Jahre 1911 entsprang einem ambitionierten Forschungsprogramm, dem sich Onnes Zeit seines Lebens widmete und in dem er auf einzigartige Weise industrielle Standards in der Grundlagenforschung umsetzte [1]. Der erste große Erfolg dieser frühen Großforschung war die Verflüssigung von Helium im Jahre 1908 [2]. Sie machte der im 19. Jahrhundert entwickelten Vorstellung der Existenz nicht-verflüssigbarer Permanentgase den endgültigen Garaus. Noch bis 1923 war das Leidener Tieftemperaturlabor weltweit der einzige Ort, an dem Helium verflüssigt werden konnte [3, 4].
Onnes erkannte, dass viele der damals neuen Erkenntnisse der Physik „Messungen bei niedrigen Temperaturen zu einem Gegenstand höchsten Interesses bei Physikern“ machten ([5], S. 308). Dazu zählten nicht zuletzt Walther Nernsts Wärmesatz von 1905, der später leicht abgeändert zum dritten Hauptsatz der Thermodynamik wurde, Max Plancks Quantentheorie von 1900 und Plancks „zweite Quantentheorie“, die das Konzept der Nullpunktsenergie umfasste ([6], S. 246). Onnes hoffte, die damit verbundenen lebhaften Debatten durch Tieftemperaturexperimente mitzuentscheiden. Sein Forschungsprogramm wurzelte zwar tief in der Chemie und Thermodynamik des 19. Jahrhunderts, wandte sich jedoch bewusst den drängenden Fragen der modernen Physik zu. ...

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1/2022Seite 59DPG-Mitglieder

Physik-Preise 2022

12/2003Seite 0

Jahresregister 2003

Jahresbericht 20129/2013Seite 89

Jahresbericht 2012

Jahresbericht des Vorstands und der Geschäftsführung zu Aufgaben und Aktivitäten der DPG, aus dem Physikzentrum Bad Honnef und dem Magnus-Haus Berlin

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