23.04.2026

Leucht-Türme. Adlershofer Hightech-Firmen und ihre Geschichte

Norbert Langhoff und Klaus Meier (Hrsg.): ­Leucht-Türme. Adlershofer Hightech-Firmen und ihre Geschichte, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2025, geb., 622 S., 63 Euro, ISBN 9783960236733

Norbert Langhoff und Klaus Meier (Hrsg.)

Photo

Dieser Sammelband beschreibt die an ein „Wunder“ grenzende Entwicklung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Berlin-Adlershof (WISTA) nach 1990. Geschrieben ist er aus der Sicht früherer Mitarbeitender der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW), die erfolgreiche Unternehmen gegründet haben. Die groß­artige Bilanz: Aus den 6000 Mitarbeitern der AdW wurden 30 000 in 1350 Unternehmen und 18 wissenschaftlichen Einrichtungen.

Das belegt nicht zuletzt die Lebens­bilanz von Norbert Langhoff (S. 30 – 77), dem ehemaligen Direktor des für die AdW lebenswichtigen Zentrums für wissenschaftlichen ­Gerätebau: Seinen Erinnerungen stellt er ein ­Motto Churchills voraus: „Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Miss­erfolg zum nächsten zu gehen, ohne die Begeisterung zu verlieren.“ An ihrem Ende findet sich: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“

In seinem Geleitwort betont Ingolf Volker Hertel, Gründungsdirektor des späteren Max-Born-Instituts, dass es eine gemeinsame Erfolgsgeschichte „von Akteuren aus Ost und West“ (S. 9) sei. Zu denen aus West gehören unter anderem er selbst und Roland Sillmann, der seit 2015 Geschäftsführer der WISTA-Management GmbH ist. Sillmann bezieht sich dabei auf den US-Ökonomen Richard Florida. In dessen Buch „The Rise of the Creative Class“ ist Schöpfertum nicht nur in Wissenschaft und Kunst zu finden, sondern in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen. Ideenreiche Personen – aus Wissenschaft, Ingenieurwesen, IT, Design, Architektur, Management etc. – „entfalten ihre Wirksamkeit bevorzugt in einer Umgebung, die Offenheit, Vielfalt und Toleranz fördert.

Wissenschaft in der DDR

Photo
Photo

Sie sind nicht nur Träger innovativer Ideen, sondern auch Motoren wirtschaftlicher Dynamik. Allein ihre bloße Anwesenheit zieht neue Unternehmen und Talente an.“ (S. 11f.) Dazu kämen als weitere attraktive Faktoren ein starkes soziales Netzwerk, flexible Arbeitsbedingungen und die technologische Infrastruktur. Die von der WISTA gestalteten eineinhalb Etagen im Steinbeis-Haus sind ein Musterbeispiel hierfür.

Gleiches gilt cum grano salis für die Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Kunst in Berlin insgesamt, im Guten wie im Schlechten, wie der Beitrag von Klaus Meier über 150 Jahre Wissenschaft und Politik erhellt. Auf einige aktuelle Entwicklungen gehen auch Langhoff und Meier in ihrer Einführung kurz ein. Hierbei geht es Meier vorrangig um die Perspektive „multidisziplinärer und polyinstitutioneller urbaner Wissenschaftslandschaften“. Erste Höhepunkte dessen sind die Gründungen der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt 1887 und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 1911; der Rest ist Geschichte.

Nur zu gern würde der Rezensent (1984 – 1997 in Adlershof tätig) näher auf das Elektronensynchrotron BESSY II (1998 nach nur vier Jahren Bauzeit in Betreib genommen) und auf Kollegen eingehen, die anderswo ihre Fähigkeiten bewiesen haben.
Summa summarum ist dieses Buch unbedingt lesenswert, denn es vermittelt Ermutigung, Erfolg trotz Büro­kratie, gegenseitige Unterstützung im vorwettbewerblichen Bereich und Durchhalten!

Prof. Dr. Peter Enders

Vorsitzender der AG Senior Expert Netzwerk in der DPG (AGSEN)

Weitere Informationen

Weitere Beiträge

Veranstaltung

Vier Kongress-Fokusthemen beleuchten Kernaspekte der Quantenphotonik zur Quantum Photonics 2026

Vier Kongress-Fokusthemen beleuchten Kernaspekte der Quantenphotonik zur Quantum Photonics 2026

Der Fachkongress mit begleitender Ausstellung „Quantum Photonics“ findet vom 5. bis 6. Mai 2026 zum zweiten Mal in der Messe Erfurt statt. Mit dem neuen One-Ticket-Konzept wird die Teilnahme am Event noch einfacher und effektiver.

Anbieter des Monats

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

Meist gelesen

Themen