24.06.2003

The Philosophy of Physics

Torretti

The Philosophy of Physics
Von R. Torretti. Cambridge University Press, Cambridge 2000. XVI + 512 S., paper back,£ 14.95. ISBN 0-521-56571-5 (bestellen)


Das historisch und philosophisch hervorragend fundierte Buch verfolgt die Entwicklung der Physik und ihrer Philosophie über mehr als drei Jahrhunderte hinweg - von Galilei, Descartes und Newton über Clausius, Maxwell und Boltzmann bis zu Einstein, Heisenberg und Schrödinger. Als erste Meilensteine betrachtet der Verfasser Galileis Übertragung mathematischer Methoden von der Astronomie auf die Mechanik, die analytische Geometrie und das Trägheitsprinzip von Descartes sowie Leibniz¿ Prinzip der vis viva-Erhaltung. Die Grundlagen der Mechanik werden von Newton bis zur analytischen Mechanik ausführlich besprochen. Newtons häufig missverstandene Induktionsregeln, die rules of philosophy aus den Principia, sind hier schlüssig in ihrer erkenntnistheoretischen Bedeutung erklärt. Dabei besticht die Darstellung durch wissenschaftshistorische Details und philosophiegeschichtliche Einsichten. So stellt Toretti richtig, was es mit der angeblichen Präzisionsmessung der Lichtgeschwindigkeit durch Rømer auf sich hat, die bis heute durch die Physik-Lehrbücher geistert; und er erschließt Kants schwierige und umstrittene Theorie der Natur anhand der naturphilosophischen Probleme, die Kant damit lösen wollte. Er teilt die Kritik der empiristischen Wissenschaftstheorie an Kants Auffassung von Raum und Zeit als Formen der Anschauung; bleibenden Wert für die Philosophie der Physik spricht er dagegen Kants Naturgesetzen der Kausalität, Substanz erhal tung und Wechselwirkung sowie den regulativen Erkenntnisprinzipien zu.
Das Kapitel zum 19. Jahrhundert behandelt neben nicht-euklidischer Geometrie und Feldbegriff die Zusammenhänge von kinetischer Wärmetheorie, Wahrscheinlichkeit und Entropie; einschließlich Boltzmanns Schwierigkeiten, das H-Theorem mit dem Zeitpfeil zu vereinbaren. Den Übergang zum 20. Jahrhundert bilden die wissenschaftstheoretischen Ansätze: Whewells Induktionslehre, die pragmatistische Theorie des Schließens von Peirce, Machs positivistische Newton-Kritik, die Einstein und den Wiener Kreis beeinfluss te, sowie Duhems Sicht der Beziehung von Theorie und Experiment. Die Ausführungen zur Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie reichen bis zum Standardmodell der heutigen Kosmologie und
zur wissenschaftstheoretischen Frage, ob der nicht-relativistische Massebegriff und seine relativistischen Nachfolger "inkommensurabel" sind. Die Quantenmechanik mit ihren Deutungen wird problemgeschichtlich erschlossen - von den experimentellen Grundlagen der älteren Quantentheorie bis zu Schrödingers physikalischer Deutung der Wellenfunktion, die am Zerfließen des Wellenpakets scheitert, und zur probabilistischen Deutung Borns, die aus der erfolgreichen Anwendung der Schrödinger-Gleichung auf ein Streuproblem resultierte. Die Deutungsprobleme der "reifen" Quantenmechanik macht Toretti wie üblich an EPR-Gedankenexperiment, Verletzung der Bellschen Ungleichung und quantenmechanischem Messprozess fest. Die heutigen Deutungen unterteilt er in physikalische Zähmungsversuche wie den Dekohärenz-Ansatz und "meta-physical ventures" wie Bohrs Komplementaritätsphilosophie, Quantenlogik, Bohmsche Theorie und Vielwelten-Theorie; die physikalische Rolle, die der Komplementaritätsbegriff neuerdings in der Quantenoptik spielt, bleibt hierbei ausgeklammert. Abschließend werden die behandelten physika lischen Theorien auf zentrale Probleme der neueren Wissenschaftsphilosophie bezogen, wobei die Dinge wiederum in beeindruckender Weise auf den Punkt gebracht werden. Das Buch ist für Physiker wie für Philosophen in jeder Hinsicht lesenswert.
Brigitte Falkenburg

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