26.01.2026

Warum niemand die Quantentheorie versteht

Frank Verstraete und Céline Broeckaert: Warum niemand die Quantentheorie
versteht – Aber jeder etwas darüber wissen sollte, C. H. Beck, München 2025,
geb., 351 S., 28 Euro, ISBN 9783406836220

Frank Verstraete und Céline Broeckaert

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Mit Frank Verstraete und Céline Broeckaert hat sich ein ungewöhnliches Duo zusammengefunden, um ein populärwissenschaftliches Buch über Quantenphysik zu schreiben. Der theoretische Physiker aus Belgien hat als einer der ersten die Rolle der Quantenverschränkung in der Vielteilchentheorie erforscht. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet; er ist Professor an der Universiteit Gent und an der University of Cambridge.

Fachlich bringt er also alle nötige Expertise mit. Die Erfahrung beim Schreiben steuert die Autorin, Künstlerin und Schauspielerin Céline
Broeckaert bei. Sie sorgt bei dem ungleichen (Ehe-)Paar für den unbefangenen Blick auf die für Laien meist unverständliche, teils mysteriöse Quantentheorie.

Die Kombination bietet eine gute Voraussetzung, um dem Untertitel gerecht zu werden, dass „aber jeder etwas darüber wissen sollte“. Und ja: Irgendetwas weiß vermutlich jeder nach der Lektüre über die Quantentheorie – auch wenn das vielleicht nur heißt, dass die Namen vieler Physikerinnen und Physiker, die zu ihrer Entwicklung beigetragen haben, nun geläufig sind. Ungeachtet des internationalen Erfolgs des in acht Sprachen erhältlichen Buchs beantwortet es aber für mich weder die Frage, die der Titel stellt, noch trägt es zum Verständnis bei.

So ist jenseits des Vorworts nicht klar getrennt, wer welche Passage inhaltlich verantwortet hat. Stil und Ausdrucksweise wechseln immer wieder – und machen es mitunter schwer, den Ausführungen zu folgen. Vielen gängigen Anekdoten über bekannte Persönlichkeiten der Physik stehen Passagen gegenüber, die schnell und tief in die Quantenphysik einsteigen, ohne sie allerdings wirklich zu erklären. Daher muss sich niemand grämen, wenn wie in der kurzen Anleitung zum Lesen des Buchs angekündigt nicht alles verstanden wird.

Wer Vorkenntnisse mitbringt, dürfte sich dagegen über die teils schrägen Analogien wundern, welche die besprochenen Phänomene und Gesetzmäßigkeiten veranschaulichen sollen. Vielleicht funktionieren sie in einem Vortrag oder einer Vorlesung, wenn ein Nachfragen möglich ist.

Einführungen in die Quantenmechanik

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Bei allen Abbildungen handelt es sich um handgezeichnete Skizzen, was beim Blättern einen einheitlichen Eindruck hinterlässt. Leider fällt es zumindest in der deutschen Ausgabe schwer, die Bilder den passenden Textpassagen zuzuordnen: Sie befinden sich nicht auf einer
Seite, auch wenn das der Verzicht auf Abbildungsnummern und entsprechende Verweise erwarten lässt. Stattdessen verteilt das Layout die Bilder großzügig im Buch. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn sich die Erklärung zum Bild nicht in der Bildunterschrift findet, sondern drei Seiten weiter im Fließtext versteckt, den wiederum andere Abbildungen begleiten.

Immerhin bietet ein ausführliches Glossar knappe, aber präzise Erklärungen vieler Fachbegriffe. Falls zum Beispiel nicht bekannt ist, dass es sich bei einem Bell-Paar um einen „Zustand von zwei Qubits mit einer maximalen Verschränkung“ handelt, finden sich dort auch gleich Einträge zu Qubit und Verschränkung. Bei den Hinweisen zur ergänzenden Literatur stehen sich Fachliteratur und populärwissenschaftliche Bücher gegenüber; das umfangreiche Stichwortregister erleichtert das Nachschlagen.

Trotz allem kommt die Lektüre kurzweilig daher. Wie das Autorenduo versichert, handelt es sich nicht um ein Physik(lehr)buch, sondern um „ein Buch über Quantenphysik“, das vor allem ihre Ideen und Konzepte nahebringen will. Diese mögen sich im Text auch finden, gehen aber meines Erachtens in all den Anekdoten und seltsamen Beispielen und Analogien unter.

Kerstin Sonnabend

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