10.01.2008

Deutschland 2007 wieder Exportweltmeister

Exportweltmeister Deutschland hat 2007 einen neuen Rekord aufgestellt und bleibt weltweit Spitze. Doch schon in diesem Jahr könnte China erstmals vorbei ziehen.

Wiesbaden (dpa) - Exportweltmeister Deutschland hat 2007 einen neuen Rekord aufgestellt und bleibt weltweit Spitze. Allerdings haben der starke Euro und die hohen Energiekosten der Exportwirtschaft zum Jahresende einen Dämpfer verpasst. Im November betrug der Zuwachs bei den Ausfuhren nur ein Drittel des Jahresdurchschnitts von 9 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Insgesamt haben deutsche Firmen aber bereits in den ersten elf Monaten zwei neue Spitzenwerte im Außenhandel erzielt: Beim Exportvolumen und bei dem für das Wirtschaftswachstum entscheidenden Handelsüberschuss wurde bereits vorzeitig der Wert aus dem Jahr 2006 übertroffen.

«Das dürfte für den Titel Exportweltmeister reichen», sagte ein Statistiker. 2008 werde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen um diesen Titel mit dem bislang zweitplatzierten China geben. Das Reich der Mitte steigert seit Jahren seine Exporte und ist vor allem mit Spielwaren und Textilien auf den Weltmärkten erfolgreich. Deutschland glänzt mit Maschinen, Autos und chemischen Produkten. Die deutschen Ausfuhren werden aber von der Aufwertung des Euro gebremst, die die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen im außereuropäischen Ausland mindert.

Der Ausblick für 2008 ist wegen der Abschwächung der Weltkonjunktur, der schwachen Binnennachfrage und der Finanzkrise gedämpft. «Der Außenhandel ist nicht automatisch die Konjunkturlokomotive», warnte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner. «Wir sollten dies in Deutschland nicht als selbstverständlich betrachten.» Für das laufende Jahr erwartet der Verband ein Ausfuhrvolumen von mehr als einer Billion Euro. «Das Tempo verlangsamt sich», sagte auch Volkswirt Matthias Rubisch von der Commerzbank.

In den ersten elf Monaten wurden Waren im Wert von 895,7 Milliarden Euro ausgeführt - damit übertrafen die Exporteure schon jetzt das Ergebnis vom Gesamtjahr 2006 mit 893 Milliarden Euro. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz - als Saldo von Exporten und Importen - betrug von Januar bis November 185,8 Milliarden Euro - auch das waren bereits rund 27 Milliarden Euro mehr als im gesamten Jahr 2006. Somit steuert Deutschland auch beim Handelsüberschuss auf einen neuen Rekord zu.

Schon seit September ist der Zuwachs bei den Exporten kleiner geworden und im Gegensatz zu den Vormonaten nur noch einstellig. Im November 2007 betrug das Plus 3,2 Prozent auf 87,8 Milliarden Euro - dies war die zweitniedrigste Zuwachsrate in diesem Jahr. Als Grund gelten der ungünstige Wechselkurs, aber auch statistische Effekte. Während die Ausfuhren in den Euro-Raum im November deutlich zulegten, schrumpfte der Export in Länder außerhalb der EU wegen des starken Euro um 6,6 Prozent. Die Importe lagen im November um 2,3 Prozent über Vorjahresniveau. Diesen geringen Zuwachs werten Ökonomen als Beleg für eine schwache Inlandsnachfrage im vierten Quartal.

Nach Expertenansicht haben die Exporte im vierten Quartal trotz der Abschwächung deutlich zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Allerdings sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im November überraschend. Sie sei preis- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent zum Vormonat zurückgegangen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte daher nach Prognosen der Ökonomen im vierten Quartal nicht so stark zugenommen haben wie erwartet. Die Schätzungen liegen zwischen 0,3 und 0,5 Prozent.

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