11.07.2006

Einstein privat

Die Hebräische Universität in Jerusalem hat zahlreiche persönliche Briefe aus dem Nachlass des Physikers Albert Einstein freigegeben.

Jerusalem (dpa) - Die Hebräische Universität in Jerusalem hat zahlreiche persönliche Briefe aus dem Nachlass des Physikers Albert Einstein freigegeben. Etwa 1400 Dokumente des Nobelpreisträgers dürften nun, 20 Jahre nach dem Tod von Einsteins Stieftochter Margot, von der Öffentlichkeit eingesehen werden, sagte Professor Chanoch Gutfreund der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Dienstag.

Die in deutscher Sprache verfassten Briefe seien persönlicher Natur, erklärte Gutfreund. Sie ließen keine neuen Schlüsse über Einsteins Forschungen zu, wohl aber über seine Beziehungen zu seinen Frauen, Geliebten und Kindern. «Einstein war ein sehr komplexer Mensch, dem es oft schwerfiel, seine Gefühle in Worte zu fassen», erklärte der Einstein-Experte. In den Briefen an seine Angehörigen schreibe er jedoch auf durchaus liebevolle und mitfühlende Weise.

In dem Nachlass finden sich Briefe Einsteins an seine zweite Frau Elsa und seine Stieftochter Margot sowie Briefe von seinen Söhnen und seiner ersten Frau Mileva. In einem der Briefe an Elsa schreibt er 1921 aus Prag: «Jetzt wächst mir aber die Relativität bald zum Hals heraus! Auch so was verblasst, wenn man zuviel damit zu thun hat.»

Die Briefe lieferten viele Anekdoten aus dem Leben Einsteins, der über eine sehr scharfe Beobachtungsgabe verfügt habe, berichtete Gutfreund. In einem anderen Brief an Elsa schrieb Einstein nach einem Besuch in der Universität Oxford: «Es war eine hübsche Zeit und ich fange schon an, mich an den Smoking zu gewöhnen, wie in einer früheren Zeit an die Zahnbürste.» Dagegen habe er «die ganze Zeit auch bei den feierlichsten Gelegenheiten keine Socken getragen und diesen Zivilisationsmangel durch das Tragen der hohen Stiefel verdeckt».

In einem anderen Brief berichtete Einstein über Ethel Michanowki, mit der er romantische Beziehungen pflegte: «Es ist wahr, dass die M. mir nachgereist ist und mir ein bisschen arg nachläuft. Aber erstens konnte ich dies nicht wohl verhindern und zweitens sage ich ihr, wenn ich sie wiedersehe, dass sie sofort abdampfen soll (...) Von allen Weibsen bin ich doch nur Frau L. anhänglich, die absolut harmlos und brav ist und auch darin liegt keinerlei Gefahr fuer die göttliche Weltordnung.»

Der 1955 in Princeton gestorbene Einstein hat der Hebräischen Universität seinen schriftlichen Nachlass vermacht. Seine Stieftochter Margot übergab der Hochschule 1984 auch die Briefe aus ihrem Besitz, jedoch unter der Bedingung, sie wegen ihrer privaten Natur erst 20 Jahre nach ihrem eigenen Tod zu veröffentlichen.

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