19.08.2026 • Astronomie

Erster „Exomond“ zeigt Grenzen von astronomischen Klassifikationen auf

Mond­ähn­li­ches Ob­jekt um­kreist ei­nen Brau­nen Zwerg – ist es im Sprach­ge­brauch ein Pla­net oder ein Mond?

Künstlerische Darstellung von CD-35 2722, ein System mit einem mondähnlichen Objekt
Quelle: ESO / M. Kornmesser


Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO-VLT) liefern Hinweise auf ein mondähnliches Objekt im System CD-35 2722. Im Gegensatz zu den Monden in unserem Sonnensystem umkreist das neu entdeckte Objekt keinen Planeten, was Fragen bezüglich seiner Bezeichnung aufwirft. Stattdessen zieht es seine Bahn um einen Braunen Zwerg – ein Objekt, das größer als ein Planet ist und selbst den Stern CD-35 2722 umkreist. Sollte sich die Entdeckung bestätigen, könnte dies als der erste Nachweis eines „Mondes“ außerhalb unseres Sonnensystems gelten.

Kevin Hoy, ESO-Student in Chile und Erstautor der Studie, beschreibt das von ihm monatelang analysierte System als „supermerkwürdig“ im Vergleich zu unserem eigenen. Das größte und massereichste Objekt in diesem jungen System ist der Stern CD-35 2722, der etwa die halbe Masse der Sonne besitzt. Der Stern wird von einem Braunen Zwerg umkreist – einem Objekt, das zu massereich für einen Planeten, aber zu klein für einen Stern ist. Das neu entdeckte Objekt umkreist wiederum diesen Braunen Zwerg.

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„Dieses System lässt sich nur schwer mit Begriffen beschreiben, die auf dem Sonnensystem basieren, wie etwa ‚Planet‘ und ‚Mond‘“, erklärt Hoy, der auch an der Universidad Diego Portales und dem Millennium Nucleus of Young Exoplanets and their Moons (YEMS) in Chile tätig ist. Das neue Objekt, das das Team als Exosatelliten bezeichnet, besitzt mindestens die Masse des Jupiters, während der Braune Zwerg mehr als die 30-fache Jupitermasse aufweist. „Der Exosatellit ist eindeutig massereich genug, um ein Planet zu sein. Er umkreist jedoch keinen Stern, sondern ein Objekt, das seinerseits einen Stern umkreist“, sagt Hoy. „Dass er in diesem System als drittes Mitglied dem Braunen Zwerg zuzuordnen ist, verleitet dazu, ihn als Mond zu bezeichnen – auch wenn er absolut nichts mit den kleinen, felsigen Monden in unserem System gemein hat.“

Dieser Exosatellit oder „Exomond“ – ein natürlicher Satellit außerhalb unseres Sonnensystems – lässt sich aufgrund der Unterschiede dieses Systems zu unserem eigenen nur schwer einordnen. Alice Zurlo, YEMS-Direktorin und Mitwirkende in der Studie, führt aus: „Bei dem von uns beschriebenen Satelliten handelt es sich um einen gasförmigen Riesenkörper, der einen äußerst massereichen Begleiter umkreist, welcher selbst ein Vielfaches der Jupitermasse besitzt.“

„Im Sonnensystem haben wir eine klare Abgrenzung zwischen den Planeten und der Sonne, weshalb die Definition von Objekten wie Monden einfach ist. Im System CD-35 2722, in dem die Grenzen zwischen Sternen, Planeten und Monden verschwimmen, wird die Beschreibung des Ganzen wesentlich komplizierter“, ergänzt Zurlo, die ebenfalls als Astrophysikerin an der Universidad Diego Portales forscht.

Unabhängig von der Benennung dieses Objekts versuchen Astronom:innen seit Jahren, Satelliten außerhalb unseres Sonnensystems nachzuweisen. Bislang konnte jedoch keiner zweifelsfrei bestätigt werden. Trotz der mehr als sechstausend bisher entdeckten Exoplaneten wurden nur wenige Exomond-Kandidaten aufgespürt, und die Hinweise, die für sie sprechen, sind begrenzt. Erst vor wenigen Monaten berichtete ein Team um Quentin Kral über Beobachtungen mit dem Very Large Telescope Interferometer der ESO im Sternsystem HD 206893, die Hinweise auf einen Satelliten ergaben, jedoch keinen eindeutigen Nachweis erbrachten.

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Für die Beobachtungen von CD-35 2722 nutzten Hoy, Zurlo und ihr Team das Instrument CRIRES+ am VLT der ESO. Sie wandten dabei dieselbe Methode an, mit der einst der erste Exoplanet um einen sonnenähnlichen Stern entdeckt wurde: Mithilfe dieser Radialgeschwindigkeitsmethode wiesen sie minimale Taumelbewegungen des Braunen Zwergs nach, die durch das ihn umkreisende Objekt verursacht werden. Das Team sieht darin eine starke Evidenz für diesen „Mond“. „So exotisch es auch sein mag: Dieses System ist wahrhaft einzigartig und stellt einen Durchbruch dar – den ersten plausiblen Nachweis eines Exosatelliten“, so Zurlo.

Über die Faszination hinaus, neue Objektklassen zu entdecken, kann der Nachweis von Satelliten in anderen Planetensystemen dazu beitragen, die Vielfalt ihrer Entstehung und Entwicklung zu verstehen. Das kommende Extremely Large Telescope (ELT) der ESO wird mit seinem 39-Meter-Spiegel und seiner fortschrittlichen Instrumentierung in der Lage sein, auch kleinere Exomonde aufzuspüren. Entdeckungen mit dem ELT werden uns weiter dazu veranlassen, die Klassifikation planetarer Objekte aus Systemen, die sich von unserem unterscheiden, neu zu überdenken. [ESO / dre]

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