13.03.2026 • Geophysik

Feuerball-Flugbahn mit Erdbebenmessstationen bestimmt

In Kob­lenz durch­schlug ein Bruch­stück eines Meteors ein Haus­dach – Geo­phy­si­ker konn­ten die Flug­bahn re­kon­stru­ie­ren.

Am Abend des 8. März ist gegen 19:00 Uhr ein heller Meteor über dem Südwesten Deutschland beobachtet worden. Zahlreiche Augenzeugen meldeten einen Feuerball am Himmel; in Koblenz durchschlug ein Bruchstück ein Hausdach. Erste Bahnberechnungen stammen unter anderem von der International Meteor Organization (IMO), die auf optische Beobachtungen zurückgreift. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) konnten das Ereignis nun mit einer anderen Methode analysieren und eine genauere Flugbahn berechnen. Dazu werteten sie Signale von Erdbebenmessstationen aus.

„Beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugt ein schneller Meteoroid eine Druckwelle, die sich wie ein Mach-Kegel – also der typische Überschallkegel eines sehr schnellen Objekts – ausbreitet“, erklärt Dario Eickhoff vom Geophysikalischen Institut (GPI) des KIT. „Empfindliche Seismometer können diese schwachen Schallwellen registrieren. Aus den Ankunftszeiten an verschiedenen Messstationen lässt sich die Flugbahn des Meteoroids rekonstruieren.“

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Vorhergesagt und aufgespürt

Das Team nutzte dafür ein dichtes Netz seismischer Messstationen in der Eifel, welches das GPI eigentlich für seismologische Untersuchungen betreibt. „Die große Zahl an Messpunkten ermöglichte eine besonders genaue und zügige Berechnung“, so Eickhoff. „Wenn sich aus den Messdaten schnell eine präzise Flugbahn bestimmen lässt, erhöht das auch die Chance, Meteoritenfragmente zu finden. Diese Proben liefern wichtige Informationen über die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems.“

Die Ergebnisse zeigen, dass der Meteoroid aus westlicher Richtung kam und zunächst Luxemburg sowie die Eifel überflog, bevor Fragmente im Raum Koblenz niedergingen. Die berechnete Einschlagszeit ist 18:57 Uhr.

Seismische Daten bieten nach Ansicht der Forschenden mehrere Vorteile für die Untersuchung solcher Ereignisse. „Es gibt deutlich mehr Erdbebenmessstationen als spezialisierte Meteorkameras“, sagt Joachim Ritter, Professor am GPI, der die Arbeiten zu Erdbeben in der Eifel leitet. „Außerdem sind seismische Messungen unabhängig von Tageslicht oder Bewölkung möglich.“ Besonders wertvoll sei die Methode in der Dunkelflugphase am Ende der Flugbahn, in der der Meteor nicht mehr leuchtet, seine Druckwelle jedoch weiterhin messbar bleibt. [KIT / dre]

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