Florian Bernlochner ist neuer Direktor am MPP
Experimentalphysik-Professor der Uni Bonn wird seine Tätigkeit in Garching bis Ende Juni 2027 zunächst im Nebenamt ausüben.
Das MPI für Physik erhält mit dem Experimentalphysiker Florian Bernlochner einen neuen Direktor. Er ist Professor an der Universität Bonn und wird seine Tätigkeit am MPP bis zum 30. Juni 2027 zunächst im Nebenamt ausüben. Sein Forschungsinteresse gilt der Suche nach neuer Physik mithilfe von Präzisionsmessungen, der Untersuchung hochenergetischer Neutrinos sowie der Entwicklung neuartiger Teilchendetektoren. Am MPP möchte er insbesondere die Experimente Belle II und FASER vorantreiben.

Der Teilchenphysiker beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen der modernen Physik: Warum gibt es im Universum mehr Materie als Antimaterie? Gibt es bislang unentdeckte Teilchen oder Kräfte? Und wo liegen die Grenzen des Standardmodells, das die bekannten Elementarteilchen und ihre Wechselwirkungen beschreibt?
Ein Schwerpunkt seiner Forschung ist das Belle-II-Experiment [📄] am japanischen Forschungszentrum KEK. Dort untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Zerfälle von B-Mesonen und anderen Elementarteilchen. Besonders seltene Zerfälle und kleinste Abweichungen von theoretischen Vorhersagen könnten Hinweise auf bislang unbekannte Physik liefern. Seit 2025 ist Florian Bernlochner Sprecher der Belle-II-Kollaboration, an der mehr als 1.200 Forschende aus aller Welt beteiligt sind. Am MPP möchte er auch wesentlich zur Weiterentwicklung des Belle-II-Detektors beitragen.
Ein zweiter Fokus von Bernlochner liegt auf dem FASER-Experiment am europäischen Forschungszentrum CERN. Diesem gelang 2023 erstmals der direkte Nachweis von Neutrinos aus Teilchenkollisionen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, die Eigenschaften von Materie bei höchsten Energien zu untersuchen.
Neben diesen beiden Schwerpunkten sieht Bernlochner interessante Perspektiven darin, sich in die Aktivitäten des MPP am Cherenkov Telescope Array Observatory (CTAO, 🔎), insbesondere bei den Large-Sized-Teleskopen (LST, 📄), einzubringen.
„Wenn wir neue physikalische Phänomene entdecken wollen, müssen wir zum einen immer präziser messen und zum anderen neue Bereiche experimentell erschließen”, erklärt Bernlochner. „Dafür brauchen wir innovative Detektoren.” Sein Team und er planen daher die Entwicklung neuartiger Sensoren am Neutrinodetektor FORTVNE, um aus Neutrino-Wechselwirkungen entstehende Teilchen präzise sichtbar zu machen und zentrale Technologien für künftige Neutrinoexperimente zu erproben.
Auch am Forschungscampus Garching setzt Bernlochner auf starke Kooperationen: Gemeinsam mit dem Halbleiterlabor der Max-Planck-Gesellschaft HLL plant er die Weiterentwicklung moderner Siliziumdetektoren und neuer Sensortechnologie, für beispielsweise besonders schnelle, zeitauflösende Sensoren. „Solche Technologien können den Weg für zukünftige Experimente in der gesamten Teilchenphysik ebnen”, prognostitziert er.
Bernlochner studierte an der ETH Zürich, wo er 2007 sein Diplom in theoretischer Physik erwarb. 2011 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend forschte er als Postdoktorand an der University of Victoria in Kanada und am CERN. Er wechselte 2014 an die Universität Bonn, an der er später eine von der DFG geförderte Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe leitete. Von 2017 bis 2019 war er Professor für experimentelle Physik am KIT, bevor er 2019 als Professor an die Uni Bonn zurückkehrte. [MPP / dre]
Direktor:innen und Abteilungen am Max-Planck-Institut für Physik, München















