16.04.2008

Industrie vor Hannover Messe optimistisch

Roboter werden immer selbstständiger, Automaten immer kleiner und Produktionsprozesse kosten- und umweltschonender. Das sind die Trends, die auf der Hannover Messe im Vordergrund stehen.

Industrie vor Hannover Messe optimistisch

Hannover (dpa) - Roboter werden immer selbstständiger, Automaten immer kleiner und Produktionsprozesse kosten- und umweltschonender. So fassen Experten die neuesten Trends in der Welt der Industrie zusammen, die ab nächsten Montag auf der weltgrößten Technologieschau, der Hannover Messe, im Vordergrund stehen. Ungeachtet der Rekordpreise für Rohstoffe, der für Exporteure schwierigen Wechselkursverhältnisse und der jüngsten Abschwächungstendenzen in der Weltwirtschaft sieht die deutsche Industrie derzeit keinen Grund zum Konjunkturpessimismus. Die Auftragsbücher sind voll und auch aus dem Ausland ist trotz der Verteuerung gegenüber dem Dollar zuletzt die Nachfrage nach deutschen Maschinen weiter gewachsen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie ging bisher von einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsproduktes von bis zu 2 Prozent aus und will seine Prognose zu Beginn der Hannover Messe aktualisieren. Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag der Auftragseingang nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zuletzt im Februar real um zehn Prozent über dem Vorjahr - ein wichtiger Frühindikator für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Das Inlandsgeschäft wuchs um zwölf Prozent. Aus dem Ausland gab es neun Prozent mehr Bestellungen. Auch über drei Monate gesehen - Dezember 2007 bis Februar 2008 - nahmen die Aufträge um zehn Prozent zu.

Der Maschinen- und Anlagenbau gilt als Marathonläufer unter den verschiedenen deutschen Industriezweigen. Seit 2004 ist die Schlüsselbranche mit den mehr als 6000 Unternehmen, 935 000 Beschäftigten und über 180 Milliarden Euro Umsatz im Aufwind.

«Die Stimmung ist nach wie vor gut», sagt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Die hohen Auftragseingänge und -bestände zeigten zudem, dass die Branche weiterhin auf Wachstumskurs sei. Der starke Euro belaste zwar die Exporte in den Dollar-Raum, jedoch könnten die Maschinenbauer dies durch Ausfuhren etwa nach China und Indien, in die arabischen Länder, aber auch nach Russland mehr als ausgleichen. In den neuen Märkten, die sich industrialisierten, seien die klassischen deutschen Investitionsgüter sehr gefragt, erläuterte Wiechers.

Gedeckelt würden die Zuwächse einerseits durch die Weltwirtschaft, andererseits aber auch durch die im Durchschnitt bereits zu über 93 Prozent ausgelasteten Kapazitäten. «Wir können uns nicht abkoppeln von der weltweiten Konjunktur», sagte Wiechers. So seien etwa die US- Exporte im vorigen Jahr um fünf Prozent gesunken. Es gebe aber dennoch keinen Anlass für Pessimismus. 2007 war für die Branche ein Rekordjahr mit einem Produktionszuwachs von real elf Prozent. Dieser soll sich nach den Prognosen in diesem Jahr auf fünf Prozent halbieren.

Die Hannover Messe wird an diesem Sonntag von Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit dem früheren japanischen Ministerpräsident Shinzo Abe eröffnet. Japan ist in diesem Jahr Partnerland auf der Industrieschau - rund 150 Aussteller kommen aus dem fernöstlichen Land nach Hannover, darunter etwa Toyota und Sharp. Die Japaner erwarten neue Kontakte und ein engeres Zusammenrücken der beiden Industrieländer.

Insgesamt stellen vom 21. bis 25. April in Hannover knapp 5100 Unternehmen aus 62 Ländern ihre Produkte vor. Fast jeder zweite Aussteller kommt aus dem Ausland. Erstmals wird sich auch die Kraftwerksbranche mit neuesten Entwicklungen präsentieren. Dauerbrenner sind Weiterentwicklungen zum sparsamen Umgang mit Energie und Schonung der Umwelt und des Klimas. Die technischen Systeme werden immer intelligenter, komplexer und unabhängiger von menschlicher Bedienung. Da gibt es fahrerlose Transportsysteme, mobile Roboter und Autos, die selbstständig manövrieren können.

Beim wichtigen Thema Energieeffizienz gehen Experten davon aus, dass es noch immense Einsparpotenziale gibt. Mit den bekannten technischen Systemen seien sie aber nicht zu heben, vielmehr müsse es dafür ganz neue Lösungen geben. Der Klimaschutz sei eine treibende Kraft in der Branche, heißt es. Dabei gehe es um die größtmögliche Effizienz, nicht nur beim Energieeinsatz, sondern insgesamt darum, Kosten zu senken und Produktivität zu steigern.

Von Eva Tasche, dpa

Schwerpunkte der Hannover Messe

  • Energie und Energieeffizienz: Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und steigender Rohstoffkosten zählt Energieeffizienz zu den Top- Themen der Hannover Messe. Eine Sonderschau zeigt Beispiele zur effizienten Energienutzung in der industriellen Produktion. Experten gehen davon aus, dass es noch immense Energiesparpotenziale gibt. Die Kraftwerksbranche will neue Entwicklungen zeigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Energieversorgung auf der Basis von Wasserstoff und Brennstoffzellen. Auf einem «World Energy Dialogue» diskutieren Fachleute über die Themen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit.

  • Automatisierung und Robotik: Industrieroboter werden zunehmend in der Produktion und im Service eingesetzt und immer leistungsfähiger. Bei der Fabrikautomation geht der Trend nach Branchenangaben zu vernetzten Lösungen, etwa durch den verstärkten Einsatz von IT und mobilen Robotern.

  • Miniaturisierung: Die Produkte im Maschinenbau und in der Elektrotechnik werden immer kleiner. Die Fachmesse «MicroTechnology» zeigt zum Beispiel den Einsatz von Lasertechnologien für die Mikromaterialbearbeitung sowie neue Entwicklungen in der Nanotechnologie.

  • Nachwuchsmangel: Die Industrie beklagt zunehmend einen Fachkräftemangel, es fehlten tausende Ingenieure. Um mehr Jugendliche für Technik zu begeistern, hat die Hannover Messe die Initiative TectoYou ins Leben gerufen. Ein Schwerpunkt dabei soll sein, mehr Mädchen für technische Dinge zu interessieren. Für die Initiative hat die Messe eine ganze Halle bereitgestellt.

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