18.05.2026

Magnetische „Superlinsen“ für Untersuchungen bei höchstem Druck

Erst­mals eine viel­ver­spre­chen­de Klas­se von Supra­lei­tern unter ex­tre­mem Druck mit Kern­spin­re­so­nanz-Spek­tro­sko­pie analy­siert.

Superhydride sind wasserstoffreiche Verbindungen, bei denen ein Metall wie Lanthan in ein dicht gepacktes Wasserstoffgitter eingebettet ist. Unter extremem Druck, wie er im Inneren von Planeten herrscht, entwickeln sie außergewöhnliche elektronische Eigenschaften und können Supraleitung nahe Raumtemperatur zeigen. Damit hält diese Materialklasse den aktuellen Weltrekord der bislang höchsten kritischen Sprungtemperatur, bei der Anzeichen für Supraleitung zu finden sind.

Künstlerische Darstellung der inneren Diamantstempelzelle. Auf dem unteren Diamantstempel befindet sich eine kupferfarbene, mehrstufige Lenzlinse, während am oberen Diamantstempel elektrische Kontakte zur Widerstandsmessung angebracht sind. Im Experiment wird die Materialprobe des Superhydrids im nur wenige hundertstel Millimeter großen Loch in der Mitte platziert.
Künst­le­ri­sche Dar­stel­lung der in­ne­ren Di­a­mant­stem­pel­zel­le: Auf dem un­te­ren Di­a­mant­stem­pel be­fin­det sich eine kupfer­far­be­ne, mehr­stu­fi­ge Lenz­lin­se, wäh­rend am obe­ren Di­a­mant­stem­pel elek­tri­sche Kon­tak­te zur Wi­der­stands­mes­sung an­ge­bracht sind. Im Ex­pe­ri­ment wird die Ma­te­ri­al­pro­be des Su­per­hy­drids im nur we­ni­ge hun­dert­stel Mil­li­me­ter gro­ßen Loch in der Mit­te pla­tziert.
Quelle: B. Schröder / HZDR

Um solche Zustände zu erzeugen, komprimierte das Team die Proben in Diamantstempelzellen zwischen zwei Diamanten auf Drücke von über einer Million Atmosphären. Die Herausforderung: Es stehen nur winzige Proben zur Verfügung, deren Untersuchung höchste experimentelle Präzision erfordert.

Hier setzt die aktuelle Arbeit an: Mittels Lenzlinsen – mikrostrukturierter leitfähiger Ringelemente – bündeln die Forschenden die für die Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR) benötigten Hochfrequenzfelder gezielt im Probenbereich und verstärken sie deutlich. Diese Fokussierung macht NMR-Mes­sung­en unter den extremen Bedingungen innerhalb der Diamantstempelzelle überhaupt erst möglich.

„Wir mussten die Hochfrequenzfelder exakt dort bündeln, wo sich die Probe zwischen den Diamanten befindet – auf eine Ausdehnung von nur wenigen zehn Mikrometern, also kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares“, erklärt Florian Bärtl vom Hoch­feld-Magnet­labor Dresden (HLD) am HZDR. „Mit Hilfe der Lenzlinsen konnten wir das Hoch­fre­quenz-Sig­nal so weit verstärken, dass erstmals aussagekräftige NMR-Daten an Superhydriden zugänglich wurden.“ Die Messungen liefern direkte Einblicke in die atomaren Eigenschaften der Materialien und helfen diese besser zu verstehen.

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Andreas A. Buchheit, Torsten Keßler und Benedikt Fauseweh • 6/2024 • Seite 41

Kalkulierte Fernbeziehung

Bereits zuvor hatte das Team die Materialien in den gepulsten Hochfeldmagneten des HLD mittels Messungen des elektrischen Widerstands untersucht. Solche Magnetfelder dienen als Härtetest für Supraleiter: Sie zeigen, bis zu welchen Feldstärken der supraleitende Zustand stabil bleibt.

Erst die Kombination beider Ansätze – NMR-Un­ter­su­chung­en unter Hochdruck und Widerstandsmessungen in extremen Magnetfeldern – liefert ein umfassendes Bild der physikalischen Eigenschaften dieser Materialklasse.

Die Arbeiten entstanden in enger Zusammenarbeit mit Hochdruckexperten vom Center for High Pressure Science & Technology Advanced Research (HPSTAR) in Peking. „Die Kooperation mit dem HLD war entscheidend für unser Projekt“, sagt Dmitrii Semenok. „Die hier verfügbaren Hochfeldanlagen und die Expertise in Hochfrequenztechnik bieten ideale Voraussetzungen für diese Experimente.“

Langfristig wollen die Forschenden die physikalischen Ursachen für die Supraleitung in wasserstoffreichen Materialien besser verstehen und somit die Entwicklung neuer Materialien für energieeffizientere Technologien der Zukunft vorantreiben. [HZDR / dre]

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Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf e. V. (HZDR)

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