19.05.2026

Plasmonische Neuronen im Nanometerbereich

Wich­ti­ger Schritt hin zu ul­tra­schnel­len, ener­gie­effi­zien­ten neu­ro­mor­phen Netz­wer­ken.

Nanophotonics
Volume 15, Issue 7
Apr 2026
Sche­ma­ti­sche Il­lus­tra­tion der plas­mo­ni­schen Ner­ven­zel­le auf dem Cover der Nano­pho­to­nics-Aus­gabe 15(7), April 2026
Quelle: WILEY

Forschende der RPTU Kaiserslautern-Landau und der Universität Augsburg präsentieren eine neuartige plasmonische Architektur, die zentrale Funktionen eines künstlichen Neurons auf der Nanoskala vereint. Mithilfe von Licht und Oberflächenplasmonen gelingt es, mehrere Eingangssignale parallel zu verarbeiten, gezielt zu gewichten und auszuwerten – alles innerhalb eines einzigen Bauelements. Besonders innovativ ist die Nutzung des orbitalen Drehimpulses von Licht als effizientes Kodierungsschema. Langfristig könnten solche Konzepte die Grundlage für ultraschnelle und rein optische Informationsverarbeitung bieten.

Im Zentrum der Arbeit steht die Entwicklung einer „plasmonischen Nervenzelle“ im Nanometermaßstab. Ziel ist es, die grundlegenden Funktionen biologischer Neuronen – das Empfangen, Gewichten und Verarbeiten von Signalen – direkt in einer physikalischen Struktur zu vereinen.

Statt elektrischer Signale nutzt das System Oberflächenplasmonen, die an Metalloberflächen entlanglaufen. Diese erlauben es, Informationen extrem schnell und auf kleinstem Raum zu transportieren. Ein besonderer Clou ist die Verwendung des orbitalen Drehimpulses (OAM) von Licht, mit dem mehrere Signale gleichzeitig codiert und parallel verarbeitet werden können.

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Die Forschenden zeigen erstmals eine integrierte Plattform, die alle drei zentralen Schritte eines künstlichen Neurons kombiniert: Mehrere Eingangssignale werden gleichzeitig eingespeist und getrennt verarbeitet, die Stärke der Signale wird durch nanoskalige Lücken in den Wellenleitern gezielt angepasst und über einen photoelektrischen Effekt wird das Ergebnis nichtlinear ausgewertet – ähnlich wie bei Aktivierungsfunktionen in neuronalen Netzen. Diese Integration in einem einzigen nanoskaligen Bauelement gilt als entscheidender Fortschritt, da bisherige Ansätze oft mehrere getrennte Komponenten benötigten.

Die neue Architektur könnte langfristig den Weg für künstlicher neuronaler Netzwerke auf Lichtbasis ebnen. Solche Systeme versprechen deutlich höhere Geschwindigkeiten und Energieeffizienz als heutige Rechner, die unter dem Von-Neumann-Fla­schen­hals leiden. Die Autoren sehen in dieser Grundlagenstudie großes Potenzial: Künftig könnten komplexe, skalierbare Netzwerke entstehen, die Informationen vollständig optisch – und damit nahezu mit Licht­ge­schwin­dig­keit – verarbeiten. Plasmonische neuronale Architekturen könnten damit eine Schlüsseltechnologie für die nächste Generation ultraschneller, energieeffizienter Computer werden. [RPTU / dre]

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