Von Ohm zur modernen Quantenmetrologie
Ein Sonderkolloquium an der TH Nürnberg würdigt 200 Jahre Ohmsches Gesetz.
TH Nürnberg / Alexander Pawlak
Vor zweihundert Jahren formulierte Georg Simon Ohm eines der bedeutendsten Gesetze der Naturwissenschaften und legte damit einen Grundstein für die moderne Elektrotechnik. Dieses besondere Jubiläum würdigte die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm mit einem Sonderkolloquium.


Nobelpreisträger Klaus von Klitzing und Wissenschaftshistoriker Friedrich Steinle spannten bei der Veranstaltung, die im Rahmen des Mathematisch-Physikalischen Kolloquiums stattfand, den Bogen von den historischen Anfängen der Elektrizitätsforschung bis zur modernen Quantenmetrologie. Die Aktualität dieses wissenschaftlichen Erbes hob auch Hochschulpräsident Niels Oberbeck hervor: „Georg Simon Ohms Vermächtnis steht beispielhaft dafür, wie aus grundlegender wissenschaftlicher Erkenntnis eine Basis für technologischen Fortschritt werden kann. Dieser Anspruch prägt auch heute die anwendungsorientierte Forschung an unserer Hochschule: Wir verbinden wissenschaftliche Neugier mit dem Ziel, konkrete Lösungen für die aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.“
Friedrich Steinle, Wissenschaftshistoriker an der TU Berlin, rückte in seinem Vortrag die historische Dimension von Ohms Forschung in den Mittelpunkt. Seine zentrale Botschaft: Ohms Leistung auf den experimentellen Nachweis einer Proportionalität zwischen Strom und Spannung zu reduzieren, greift zu kurz. Zu einer Zeit, als selbst die grundlegenden Begriffe Strom, Spannung und Widerstand noch keineswegs etabliert waren, schuf Ohm mit seinem Gesetz und dessen experimenteller Begründung einen Meilenstein in der europäischen Erforschung der Elektrizität. Damit zeigte der Vortrag auch, warum eine heute selbstverständlich erscheinende Gleichung vor zweihundert Jahren einen fundamentalen wissenschaftlichen Fortschritt darstellte.
Klaus von Klitzing führte den Bogen anschließend bis in die moderne Physik. Der Nobelpreisträger von 1985 sprach unter dem Titel „Wie das Ohm quantisiert wurde – von Georg Simon Ohm zur modernen Metrologie“. Seine Forschung zum quantisierten Hall-Effekt bildet eine Grundlage für die moderne Realisierung der Einheit Ohm.
Von Klitzing zeichnete die Entwicklung von den historischen Widerstandsnormalen über die elektrische Präzisionsmesstechnik bis hin zur Quantenmetrologie nach. Im Zentrum standen der Quanten-Hall-Effekt und fundamentale Naturkonstanten. So wurde deutlich, wie sich die im 19. Jahrhundert empirisch bestimmte elektrische Größe zu einer Größe entwickelte, die heute auf Quantenphänomenen und Naturkonstanten beruht.
Die Kombination der beiden Vorträge machte damit auf besondere Weise sichtbar, wie eng historische Grundlagenforschung und moderne Spitzenforschung miteinander verbunden sind: von Georg Simon Ohm und den noch jungen Grundbegriffen der Elektrizitätslehre bis zur hochpräzisen elektrischen Messtechnik des 21. Jahrhunderts.
Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König nahm an dem Sonderkolloquium teil und würdigte in einem Grußwort die Bedeutung Georg Simon Ohms sowie der Technischen Hochschule Nürnberg für die Stadt und die Metropolregion: „Georg Simon Ohm hat vor zweihundert Jahren gezeigt, wie viel Kraft in genauer Beobachtung und im Mut zur eigenen Idee steckt, auch wenn die Anerkennung nicht sofort kommt. Eine Stadt wie Nürnberg braucht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht nur fragen ‚Warum ist das so?’, sondern auch ‚Wie können wir es besser machen?’, bei Energie und Digitalisierung ebenso wie bei Mobilität und Künstlicher Intelligenz.“
Weitere Informationen
- Werke von und über Georg Simon Ohm (TH Nürnberg)
- Die Widerstandseinheit Ohm (PTB)
- Georg-Simon-Ohm-Preis für physikalische Technik (DPG)
Weitere Beiträge
- K. H. Wiederkehr, Faradays Feldkonzept und Hans Christian Oersted: Zum 200. Geburtstag von Michael Faraday, Physikalische Blätter 47, 825 PDF
- K. H. Wiederkehr, Zur Deutung magnetischer Phänomene im 19. Jahrhundert, Physikalische Blätter 44, 129 PDF
- F. Fraunberger, Zur Geschichte der Kraftlinienbilder, Physikalische Blätter 23. 489 PDF
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