15.10.2026

Warnsignal für den Physikunterricht

Nach den ernüchternden Ergebnissen des IQB-Bildungstrends 2024 fordert die DPG in einer Stellungnahme entschlossenes Handeln der Bildungspolitik.

Anja Metzelthin und Maike Pfalz

Der IQB-Bildungstrend zählt zu den wichtigsten Instrumenten, um die Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems zu beobachten. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) untersucht dabei ­regelmäßig, inwieweit Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz erreichen. Der Bildungstrend 2024, der im Oktober 2025 veröffentlicht wurde, erfasste die Kompetenzen von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern in Mathematik sowie in den Natur­wissenschaften. Betrachtet wurden dabei insbesondere Fachwissen und naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung.

Der Bildungstrend ermöglicht zugleich einen Vergleich mit früheren Erhebungen und macht langfristige Entwicklungen sichtbar. Die aktuellen Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild: Zwischen 2018 und 2024 waren in keinem der untersuchten naturwissenschaftlichen Kompetenzbereiche Leistungssteigerungen feststellbar. In einigen Bundesländern stagnierten die Leistungen, in den meisten gingen sie zurück. Hinzu kommt ein sinkendes Interesse an den MINT-Fächern: Rund die Hälfte der Kinder in Klasse 9 gibt an, sich nur wenig für Mathematik, Chemie oder Physik zu interessieren.

Für die DPG bildet die Studie eine wichtige Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen. „Der IQB-Bildungstrend leistet einen entscheidenden Beitrag, die Bildungslandschaft in Deutschland trans­parent darzustellen. Dies trägt zu einer Basis bei, auf der bildungspolitische Entscheidungen wissenschaftlich fundiert getroffen werden können“, betont Anja Spaeth, DPG-Vorstandsmitglied für den Bereich Schule. Gemeinsam mit Lehrkräften und Physikdidaktikerinnen und -didaktikern hat sie die Ergebnisse analysiert und daraus Handlungsempfehlungen für die Bildungspolitik abgeleitet.

Physik in der Schule

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Ein zentrales Anliegen der DPG ist die Erweiterung des Auftrags an das IQB und somit die Weiterentwicklung des IQB-Bildungstrends selbst. Bislang werden in den Naturwissenschaften nur zwei der vier Kompetenzbereiche aus den Bildungsstandards erfasst, nämlich Fachwissen/Sachkompetenz sowie Erkenntnis­gewinnung. Künftig gelte es, auch Kommunikations- und Bewertungskompetenzen systematisch zu erheben. Darüber hinaus empfiehlt die DPG, die Erhebungen stärker auf Merkmale der Unterrichtsqualität auszurichten. Dazu zählen etwa der Umgang mit fachlichen Lernvoraussetzungen, die Angemessenheit fachlicher Methoden oder der Einsatz von Medien im Unterricht. Nur so lasse sich genauer erkennen, welche Faktoren erfolgreichen naturwissenschaftlichen Unterricht fördern.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen seien Initiativen erforderlich, die unmittelbar auf Bio­logie, Chemie und Physik zielen. Deutschland sei als Wissenschafts- und Hochtechnologiestandort auf naturwissenschaftlich qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Ein weiterer Rückgang der Leistungen und des Interesses würde sich langfristig auf Innovation, Wirtschaft und gesellschaftliche Teilhabe auswirken.

Als besonders vielversprechend bewertet die DPG eine datengestützte Unterrichtsentwicklung. Lehrkräfte sollten Werkzeuge erhalten, mit denen sie die Wirksamkeit ihres Unterrichts und die Lernentwicklung ihrer Klassen nachvollziehen können. Indi­viduelle Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler ließen sich dadurch frühzeitig erkennen und gezielt angehen. Gleichzeitig betont die DPG, dass solche Systeme die Lehrkräfte nicht zusätzlich belasten dürften. Ziel sei keine Kontrolle oder Vergleichbarkeit von Lehrkräften, sondern eine konstruktive Qualitätsentwicklung auf Basis verlässlicher Daten. Die DPG unterstützt daher die Überlegungen der Ständigen Wissen­schaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, entsprechende Instrumente auch für die Naturwissenschaften zu entwickeln.

Mit ihrer Stellungnahme verbindet die DPG die Aufforderung an die Bildungspolitik, die Warnsignale des IQB-Bildungstrends ernst zu nehmen. Die Fachgesellschaft sieht in den vorgelegten Empfehlungen einen wichtigen Beitrag, um die Qualität des Physikunterrichts zu stärken und dem anhaltenden Leistungs- und Motivationsverlust in den Naturwissenschaften entgegenzuwirken. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft wolle sie diesen Prozess mit ihrer Expertise aktiv begleiten.

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