Die Urknallmaschine
Barbara Warmbein: Die Urknallmaschine, National Geographic Deutschland, National Geographic Buchverlag, München 2025, geb., 208 S., 24,99 Euro, ISBN 9783987011238
Barbara Warmbein

In der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf kommt es zu zweierlei Arten fruchtbarer Kollisionen: Während unter der Erde Protonen fast mit Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen, treffen dort tausende Wissenschaftler:innen aufeinander. Von diesem Kanon der Kollisionen erzählt die Wissenschaftsredakteurin Barbara Warmbein in ihrem Bildband über den größten Teilchenbeschleuniger der Welt, den Large Hadron Collider (LHC).
Die studierte Literaturwissenschaftlerin kam über Umwege zur Teilchenphysik: Statt ins Feuilleton führte sie ein Praktikum in der Pressestelle des CERN zur Physik. Seit über 20 Jahren ist sie als Wissenschaftskommunikatorin nicht nur für das CERN, sondern auch für die ESA und das DESY tätig. Ihre qualifizierte Außenperspektive auf die Welt der Teilchenphysik übersetzt sich in den von National Geographic verlegten Bildband.
Mit einem Kapitel über die großen geklärten und offenen Fragen der Teilchenphysik eröffnet sie das Buch und weckt das Interesse mit der Aussicht, dass der LHC helfen kann, diese Fragen zu beantworten. Auch die beschriebenen Dimensionen des Beschleunigers und vielen Zahlen mit „Wow“-Faktor machen generationenübergreifend Spaß beim (Vor)lesen.
Diesem gelungenen Auftakt folgen zwei Kapitel, die vom Großen ins Kleine die Technik einführen, welche die Teilchen beschleunigen und detektieren. Ein abschließendes Kapitel legt den Fokus auf die Infrastruktur des LHC und wirft einen Blick in die Zukunft der experimentellen Grundlagenforschung.
Die Autorin erzählt lebendig von den Menschen, die den Teilchenbeschleuniger am Laufen halten. Sie vermittelt die Spannung im Saal beim Verkünden der Entdeckung des Higgs-Bosons und berichtet vom Leben einer Familie, die am LHC gegründet wurde. Manche Einschübe klingen aber allzu sehr nach PR für das CERN. Auch die existierende Kritik an der immens teuren Form der Grundlagenforschung, insbesondere im Zuge der Planungen für den noch deutlich größeren Beschleuniger FCC, bekommt mit zwei direkt im Anschluss entkräfteten Sätzen wenig Aufmerksamkeit.
Auch wenn die ehemalige CERN-Kommunikatorin keinen Anspruch auf Objektivität erhebt, gelingt ihr mit diesem bildreichen Band ein populärwissenschaftlicher Umriss der Teilchenphysik, der ohne Formeln auskommt und sich trotzdem nicht in vagen Metaphern verliert.
Henri Wagner














