10.03.2026 • GroßgeräteEnergie

Nachfolge-Forschungsreaktor für Wendelstein 7-X

IPP, Frei­staat Bay­ern, Pro­xi­ma Fu­sion und RWE schließen Rah­men­ver­ein­ba­rung für den Bau des De­mon­stra­tions­stel­la­ra­tors „Alpha“ in Gar­ching.

Ilustration des Demonstrators Alpha
Quelle: Proxima Fusion

Mit einem am 26. Februar 2026 in München signierten Memorandum of Understanding bestätigen die Bayerische Staatsregierung, das Startup-Unternehmen Proxima Fusion, der Energieversorger RWE und das IPP ihre Absicht zur Zusammenarbeit bei Design, Bau und Betrieb eines Fusionsdemonstrators „Alpha“ sowie eines möglichen Pilotkraftwerks „Stellaris“ an jeweils geeigneten Standorten im Freistaat Bayern.

Als Vorstufe zu einem solchen Kraftwerk soll die Demonstrationsanlage Alpha nach dem Stellarator-Konzept in Garching gebaut werden. Ein konkreter Standort für Alpha nahe dem IPP wird derzeit geprüft.

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„Diese räumliche Nähe ist kein Zufall, sondern ein strategischer Vorteil: Sie ermöglicht eine enge Verzahnung von wissenschaftlicher Exzellenz, technologischer Entwicklung und industrieller Umsetzung“, sagt Sibylle Günter, Wissenschaftliche Direktorin des Ma-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP). „Unser Institut hat in den vergangenen Jahrzehnten neben der weltweit favorisierten Tokamak-Linie konsequent auch den optimierten Stellarator weiterentwickelt. Dieser Ansatz verfolgt das Ziel, ein Fusionskraftwerk zu realisieren, das von Natur aus für den Dauerbetrieb ausgelegt ist – ein entscheidender Vorteil für eine zukünftige Energieversorgung.“

Der geplante Demonstrator in Garching soll die technologischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse – insbesondere aus den erfolgreichen Experimenten am IPP-Stellarator Wendelstein 7-X in Greifswald – nutzen, um die Kommerzialisierung vorzubereiten.

Prof. Günter: „Mit dem Großexperiment Wendelstein 7-X am Standort Greifswald konnten wir zeigen, dass die im Vorfeld berechneten Optimierungen tatsächlich erfolgreich sind. Wendelstein 7-X hat eindrucksvoll demonstriert, dass ein optimierter Stellarator hervorragende Plasmaeigenschaften erreichen kann und das Potenzial für ein wirtschaftlich nutzbares Fusionskraftwerk besitzt. Wir sind – ebenso wie Proxima Fusion – überzeugt, dass Stellaratoren langfristig die besseren Fusionskraftwerke sein können. Gleichzeitig hat Wendelstein 7-X uns auch klar aufgezeigt, welche offenen Fragen auf dem Weg zu einem Kraftwerk noch beantwortet werden müssen. Genau hier setzt das Projekt Alpha an. Gemeinsam wollen wir in einer starken Public-Private Partnership den nächsten entscheidenden Schritt gehen.“

Das IPP wird in dem Projekt die führende Rolle bei der Plasmaphysik übernehmen und die wissenschaftliche Mission von Alpha definieren. Proxima Fusion trägt die Verantwortung für das Engineering, die öffentlichen Ausschreibungen und den Bau der Anlage.

Wirt­schafts­minister Hubert Aiwanger, Wissen­schafts­minister Markus Blume, Minister­präsident Markus Söder, Fran­cesco Scior­tino, CEO Pro­xima Fusion, Sibylle Günter, IPP und Markus Krebber, RWE (v. l.).
Wirt­schafts­minister Hubert Aiwanger, Wissen­schafts­minister Markus Blume, Minister­präsident Markus Söder, Fran­cesco Scior­tino, CEO Pro­xima Fusion, Sibylle Günter, IPP, und Markus Krebber, RWE (v. l.).
Quelle: Bayerische Staatskanzlei

„Wir planen das Projekt Alpha komplementär zu Wendelstein 7-X. W7-X soll weiterhin nachweisen, dass Stellaratoren im Dauerbetrieb laufen können. Deshalb wird Alpha lediglich für relativ kurze Plasmapulse ausgerüstet, soll aber den Wärmeeinschluss im Plasma für ein kommerzielles Kraftwerk skalieren – eine Fähigkeit, die wiederum Wendelstein 7-X nicht hat“, erklärt Prof. Günter.

Alpha soll innerhalb eines Magnetfusions-Hubs vorangetrieben werden, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ausgeschrieben ist und als Teil der Hightech-Agenda Deutschland mehr Tempo in die Entwicklung eines ersten kommerziellen Fusionskraftwerks in Deutschland bringen soll. Die Partner werden einen entsprechenden Förderantrag stellen, der gegebenenfalls auch weiteren Teilnehmern offensteht.

Vorbehaltlich der Förderzusage will Proxima Fusion zwanzig Prozent der Kosten für Alpha bei privaten Investoren einwerben. Auch RWE prüft eine Beteiligung. Die Bayerische Staatsregierung stellt unter Haushaltsvorbehalt eine gegebenenfalls erforderliche Kofinanzierung von bis zu 400 Millionen Euro in Aussicht. Für das gesamte Projekt Alpha sind Kosten von zwei Milliarden Euro veranschlagt.

In einem abschließenden Schritt streben RWE, Proxima Fusion und der Freistaat Bayern an, den Standort des ehemaligen RWE-Kernkraftwerks Gundremmingen für den Bau eines kommerziellen Fusionskraftwerks Stellaris zu nutzen. Gundremmingen ist auch für zusätzliche Fertigungs- und Forschungs- und Entwicklungskapazitäten bereits parallel zum Aufbau von Alpha eine Option, zum Beispiel für die Magnetfertigung.

Prof. Günter: „Deutschland ist mit dem IPP auf dem Gebiet der Stellaratorforschung absolute Weltspitze, und mit diesem Memorandum of Understanding haben wir die Chance, diese Führungsrolle weiter auszubauen.“ [IPP / dre]

Anbieter

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

Boltzmannstraße 2
85748 Garching b. München
Deutschland

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