10.07.2018 • Science Fiction

Frankenstein and the Birth of Science

Joel Levy: Frankenstein and the Birth of Science, Carlton Books, London 2018, geb., 208 S., 20 £, ISBN 9780233005355

Joel Levy

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Mary Shelley ist es vergönnt, mit 19 Jahren einen literarischen Mythos erschaffen zu haben. Allerdings ist das Bild von Victor Frankenstein und seiner Kreatur mehr geprägt von den filmischen Darstellungen als vom ursprünglichen Roman, der zuerst

1818 und dann 1831 in einer überarbeiteten Version erschien. Auch wenn vieles darin nicht mehr heutigen Lesegewohnheiten entspricht, lohnt es sich, den „wahren Frankenstein“ zu entdecken. Mary Shelley hält sich zwar sehr bedeckt, wie Frankenstein das Kunststück gelungen ist, einen aus Leichenteilen neu zusammengesetzten Körper zu beleben, aber sie schrieb ihre „Gothic Novel“ durchaus mit Kenntnis der damaligen Natur­philosophie und Wissenschaft.

Der britische Wissenschaftsjournalist und Buchautor Joel Levy präsentiert in seinem kurzweiligen und reichhaltig bebilderten Buch den wissenschaftlichen Kontext, in den die Geschichte von Frankenstein eingebettet ist. Das ist ebenso aufschlussreich wie gruselig. Forschung, wie wir sie heute kennen, begann sich vor 200 Jahren erst allmählich zu etablieren, oft genug trug die damalige Wissenschaft noch Spuren von Magie und Alchemie. Ebenso tummelten sich dort Scharlatane oder Gestalten mit wahnhaften Vorstellungen.

Levy stellt beispielsweise die damaligen Spekulationen zum Ursprung des Lebens, Versuche zum Galvanismus, zur Analyse der Atemluft oder der Erzeugung neuartiger Gase vor. Dabei treten bekannte Forscher wie Luigi Galvani und Humphrey Davy auf, aber auch viele unbekanntere wie Galvanis Neffe Giovanni Aldini. Sein Beispiel belegt eindrucksvoll, dass Frankensteins Experimente gar nicht so weit von der damaligen Praxis entfernt waren. Aldini stimulierte die Köpfe geschlachteter Ochsen auf elektrische Weise und sogar die von hingerichteten Verbrechern − und zwar in öffentlichen Vorführungen!

„Birth of Science“ besteht aber nicht nur aus Schauergeschichten von verirrten Forschern, sondern schildert auch die damaligen Vorstellungen und Erkundungen der Polarregionen, wo ein Teil der Handlung von Shelleys Frankenstein spielt. Der Autor spannt zudem den Bogen zu den Bereichen, wo sich heutige Wissenschaft in zweifelhafte Regio­nen wagt. Das Buch führt also nicht nur in die Ursprünge der modernen Naturwissenschaft ein und vermittelt Hintergrundwissen, um Frankenstein besser würdigen zu können, sondern zeigt auch, wo der Mythos immer noch auf die Realität verweist.

Alexander Pawlak

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