06.10.2026 • Magnetismus

3D-Magnetfeld-Experiment bringt Spintronik voran

FNPP-Proben mit wei­cher Rönt­gen­strah­lung und Pty­cho­gra­phie am VEK­MAG-Instru­ment von BESSY II unter­sucht.

(Fe0.63Ni0.3Pd0.07)3P oder kurz FNPP ist ein magnetisches Material, das auch schon bei Raumtemperatur komplexe magnetische Strukturen zeigt. Das macht das Material für die Spintronik interessant, die Datenverarbeitung mit deutlich weniger Energie ermöglichen würde, zum Beispiel neuartige Datenspeicher. Allerdings müsste es dafür gelingen, die gewünschten Strukturen kontrolliert zu erzeugen und zu verändern, und das ist bisher noch eine Herausforderung. Eine neue Studie unter Federführung des HZB ist hier nun einen Schritt vorangekommen. Mit einem weltweit einzigartigen Instrument, dem VEKMAG an BESSY II, zeigten sie, dass ein sehr kleines äußeres Magnetfeld in der Ebene der Strukturen ausreicht, um diese zu verändern.

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Martin Jourdan, Mathias Kläui, Libor Šmejkal und Jairo Sinova • 2/2026 • Seite 26

Eine neue Art des Magnetismus

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Der Quanten-Twist

Die Gruppe um Florin Radu am HZB hat FNPP-Proben mit weicher Röntgenstrahlung und Pty­cho­gra­phie an BESSY II untersucht. Dabei haben sie magnetischen Texturen erfasst, während die Probe einem äußeren Magnetfeld in bestimmten Raumrichtungen ausgesetzt war. Dafür steht an BESSY II ein weltweit einzigartiges Instrument bereit, das vom Team um Radu selbst entwickelt wurde: Der Vektormagnet VEKMAG kann in allen drei Raumrichtungen ein Magnetfeld von bis zu einem Tesla erzeugen.

„Wir konnten beobachten, dass sich die Magnetstreifendomänen durch ein äußeres Magnetfeld steuern lassen, wenn es nicht senkrecht, sondern parallel zu diesen Mustern angelegt wird“, sagt Viktor Ukleev, Erstautor der Studie. „Das Überraschende war: Schon ein sehr kleines Feld von nur zehn Millitesla genügt, um eine chirale Streifenkonfiguration zu einer achiralen Fächerkonfiguration zu verändern.“

Modellierungen können dieses Verhalten gut erklären: Im FNPP konkurrieren unterschiedliche magnetische Wechselwirkungen miteinander, was im Ergebnis zu den komplexen magnetischen Texturen führt. Während eine dieser Wechselwirkung nahezu isotrop ist, besitzt eine andere wichtige Wechselwirkung eine Vorzugsrichtung. „Wir haben nun in unseren Experimenten einen konkreten Mechanismus identifiziert, durch den ein schwaches B-Feld in der Ebene ein Gleichgewicht zwischen diesen Wechselwirkungen bewirkt und damit den Streifenzustand verändert“, sagt Ukleev.

Das Material FNPP eignet sich damit als Modellsystem, um Spintexturen von außen zu kontrollieren. Die hier gewonnenen Ergebnisse bringen die Entwicklung von funktionellen magnetischen Materialien für die Spintronik voran. [HZB / dre]

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