20.05.2026 • Lasertechnik

Allgegenwärtige Laser

Hoch­ka­rä­tig be­setz­tes Po­di­um der Gerd Her­zi­ger Ses­sion des AKL’26 rich­te­te den Blick auf die zu­neh­mend all­ge­gen­wär­ti­ge Laser­tech­nik.

Diskutanten der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Jochen Stollenwerk (Fraunhofer), Christopher Dorman (Coherent), Constantin Häfner (Fraunhofer), Hagen Zimer (TRUMPF), Damien Buet (Amplitude) und Trevor Ness (IPG)
Quelle: Fraunhofer ILT, Andreas Steindl


Seit nunmehr drei Jahrzenten ist der AKL – International Laser Technology Congress als wichtige Austauschplattform der Lasercommunity etabliert. Vom 22. bis 24. April strömten 544 Fachleute aus 21 Ländern, rund 90 Vortragende und 57 ausstellende Unternehmen und Institutionen zum AKL’26 nach Aachen. Dort ließ in der Gerd Herziger Session am 23. April ein hochkarätig besetztes Podium die Entwicklung der letzten dreißig Jahre Revue passieren und richtete den Blick in die Zukunft einer zunehmend allgegenwärtigen Lasertechnik.

Aus Rechenzentren und Telekommunikation, klinischer Diagnostik und Therapie, der Fertigung zunehmend elektrischer Automobile, aus Smartphonefabriken, aus der Halbleiterfertigung, dem Markieren, Beschriften, Strukturieren und Funktionalisieren von Oberflächen, der Materialbearbeitung vom Schneiden und Bohren bis zum Schweißen und Löten sind sie branchenübergreifend nicht mehr wegzudenken. Und mit der Fusion, den Quantentechnologien sowie dem Lasereinsatz in Landwirtschaft, Bergbau, Offshore und unter Wasser oder im Bereich humanoider Robotik und zur blitzschnellen Abwehr ganzer Drohnenschwärme kündigen sich neue Zukunftsmärkte mit teils enormem ökonomischen Potenzial an.  

Hinzu kommt der rasante Ausbau von Rechenzentren, der zu beinahe zwei Dritteln durch den exponentiell steigenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) getrieben ist. In seinem Vortrag in der Gerd Herziger Session zählte Dr. Hagen Zimer, CEO Laser Technology und Vorstandsmitglied der TRUMPF SE + Co. KG auf, warum dieser Ausbau der Branche Rückenwind gibt.

Diskutanten der Podiumsdiskussion »High Power and High Energy Lasers – Quo Vadis?«. V.l.n.r.: Damien Buet, Christopher Dorman, Trevor D. Ness, Constantin Häfner, Hagen Zimer, Jochen Stollenwerk.
Diskutanten der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.) Damien Buet, Christopher Dorman, Trevor Ness, Constantin Häfner, Hagen Zimer, Jochen Stollenwerk
Quelle: Fraunhofer ILT, Andreas Steindl

Die mit CO2-Lasern angeregte extreme ultraviolette (EUV) Strahlung ist für das Erzeugen der Nano­me­ter-fei­nen Chipstrukturen unverzichtbar. Laser mit kurzen Wellenlängen braucht es laut dem Executive Vice President Industrial der Coherent Gruppe in Europa, Dr. Christopher Dorman, aber auch für die Qualitätsprüfung in der Mikro­elek­tro­nik- und Halbleiterindustrie. Dorman hatte weitere Beispiele, die den Fortschritt der letzten dreißig Jahren belegen. So habe der Wechsel von CO2- auf Faserlaser die Geschwindigkeit beim Laserschneiden von fünfzehn Zentimeter auf neun Meter pro Minute steigen lassen. Im Dreischritt steigender Leistungen, kürzerer Pulsdauern und flexiblerer Wellenlängen habe der Laser Märkte gewonnen und sei nun ein unverzichtbarerer Fortschrittstreiber. Lasertechnik ist auch Enabler der rasch expandierenden Herstellung von OLED-Bild­schir­men, die sich laut Marktprognosen in den nächsten Jahren von 10 auf 20 Millionen Quadratmeter Gesamtfläche verdoppeln soll. Hier sind laut Dorman Ex­ci­mer-Laser gesetzt.

Trevor Ness, Senior Vice President und Chief Revenue Officer bei IPG Photonics, zeichnete ein Zukunftsbild, in dem Laser flächendeckend in Infrastrukturen, Systeme und Prozesse integriert sein und so zuverlässig arbeiten werden, dass kaum noch über sie gesprochen wird. So wie der Laser in den letzten Jahrzehnten durch technologische Fortschritte eine enorme Steigerung der Qualität und Skalierbarkeit ermöglicht habe, werde er auch künftig durch immer höhere Leistung, Energie, Flexibilität und Zuverlässigkeit neue Felder erschließen. Der immer breitere industrielle Einsatz von Faserlasern sei eng mit ihrer Leistungssteigerung und Zuverlässigkeit verbunden, die auf die rasante Entwicklung bei Halbleiterlasern zurückzuführen sei.

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Schneidköpfe mit optimierten Funktionen würden es im Zusammenspiel mit neuer Sensorik ermöglichen, was lange als unmöglich galt: Faserlaser schneiden routinemäßig hoch reflektierende Metalle wie Aluminium, Kupfer oder Messing. Der breite Lasereinsatz unter anderem auch in handgeführten Schweißgeräten werde durch die Verfügbarkeit hoher Leistungen und stark rückläufiger Kosten pro Watt vorangetrieben. Neue Anwendungen wie spektrometrische Atemanalysen in der medizinischen Diagnostik, Präzisionsbearbeitung mit Spotgrößen unter zehn Mikrometern, Quantentechnologie oder Lasereinsätze in der Verteidigung seien neue Chancen für die Laserbranche – mit denen jedoch ethische Verantwortung einhergehe, die einen sorgfältig durchdachten Einsatz der gelenkten Energie erfordere.

Alle Experten auf dem Podium waren sich einig, dass die Verteidigung ein wichtiger Markt mit viel Wachstumspotenzial für die Photonik werden wird. Gleiches gilt für Fusionskraftwerke – wobei Zimer hier deutlich skeptischer klang als seine Kollegen. Die für alle Beteiligten oft schmerzhafte, 15-jährige Entwicklungsphase der EUV-Technologie habe gezeigt, dass es eine richtige Push-Pull-Beziehung brauche, um solche Projekte zu einem guten Ende zu führen. Wenn sich in der Fusion nicht jemand finde, der ein Fusionskraftwerk bauen will, dafür konkrete Aufträge vergibt und eine Lieferkette für Laser und Optiken, Gläser und Dioden aufbaut, dann werde es sehr schwer, diese Technologie zu realisieren. Es brauche beispielsweise mindestens 100 bis 200 Millionen Euro, um die für Fusionskraftwerke erforderlichen 2-kJ-Laser zu entwickeln. Solche Investitionen bräuchten ein solides Geschäftsmodell. [FhILT / dre]

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