Auf der Jagd nach den Medaillen
Bei der Internationalen PhysikOlympiade in Kolumbien erreichte das deutsche Team dreimal Silber und zweimal Bronze.
Stefan Petersen / Anja Hauck
Ob Lichtbündelung, Kepler-Bahnen oder thermodynamische Untersuchungen – bei der Internationalen PhysikOlympiade (IPhO) gehören physikalische Knobeleien, Aufgaben und Experimente ebenso dazu wie der Austausch mit Menschen aus allen Teilen der Welt und das Kennenlernen des Gastgeberlandes. An der 56. Ausgabe des Wettbewerbs, der vom 4. bis 12. Juli im kolumbianischen Bucaramanga stattgefunden hat, nahmen 381 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 84 Ländern teil.

Für Deutschland traten als Nationalteam Efe Gökkus (Albert-Schweitzer-Gymnasium, Erlangen), Lasse Jungermann (Max-Planck-Gymnasium, Groß-Umstadt), Mykyta Khitsenko (Albertus-Magnus-Gymnasium, Regensburg), Dmytro Mintenko (Max-von-Laue-Gymnasium, Koblenz) sowie Tim Sindelar (Bismarckschule Hannover) an. Die Fünf hatten sich bei der vierstufigen PhysikOlympiade in Deutschland unter etwa 1350 Schülerinnen und Schülern bundesweit ein Ticket für Kolumbien gesichert und konnten sich anschließend in verschiedenen Trainings, zuletzt mit dem dänischen Nationalteam auf die IPhO vorbereiten. Nach Bucaramanga begleitet wurden sie von Dr. Stefan Petersen vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel, das für die Auswahl und das Training des Teams verantwortlich ist, Titus Bornträger (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) sowie Tim Pokart (Technische Universität Dresden).
Bei der Internationalen PhysikOlympiade müssen die Teilnehmenden in je einer fünfstündigen theoretischen und experimentellen Physikklausur ihr Können unter Beweis stellen. Bei den theoretischen Aufgaben ging es um die Jagd nach dem absoluten Nullpunkt anhand von Kühlprozessen, die Lichtbündelung in Solaröfen sowie um Kepler-Bahnen, eine hydrostatische Vorrichtung und die Photodissoziation von Ozon. Die theoretischen Aufgaben waren etwas weniger umfangreich als in den letzten Jahren, sodass es einigen Teilnehmenden gelang, die Klausur vollständig zu lösen.
Die praktische Klausur verlangte verschiedene thermodynamische Untersuchungen an einem luftgefüllten Zylinder, um unter anderem den Dampfdruck von Wasser zu bestimmen. Das Experiment war sehr durchdacht aufgebaut. Leider hatten aber viele Olympionikinnen und Olympioniken während der Klausur Probleme mit der Dichtigkeit der Apparatur oder andere technische Schwierigkeiten. Diese Fälle ließen sich im Nachgang im Rahmen der Möglichkeiten auffangen. Kein leichtes Unterfangen bei etwa 400 aufgebauten Experimentierplätzen! So zeigte dies, wie wichtig es ist, die Aufbauten vor Ort vor Beginn der Experimente noch einmal zu testen.
Auch die deutschen Teammitglieder waren in unterschiedlichen Ausmaßen von diesen experimentellen Problemen betroffen, haben aber dennoch insgesamt sehr überzeugt. Am Ende konnten sich alle über eine Medaille freuen: Efe Gökkus, Lasse Jungermann und Dmytro Mintenko erhielten für ihre Leistungen je eine Silbermedaille, Mykyta Khitsenko und Tim Sindelar jeweils eine Bronzemedaille. Im inoffiziellen Länderranking nach Punkten erreicht das deutsche Team damit erneut eine gute Platzierung im oberen Drittel. Die erfolgreichsten Nationen und auch die bestplatzierten Olympionik:innen stammten aus Asien. Bedingt auch durch die Probleme mit der experimentellen Klausur und dem Versuch, der Leistung aller Teilnehmenden bestmöglich gerecht zu werden, war die Anzahl der vergebenen Goldmedaillen mit 51 Stück sehr hoch. Gleich mehreren Ländern ist es gelungen, Goldmedaillen für alle fünf Teammitglieder zu erringen. In diesem Jahr war auch der Frauenanteil mit rund zehn Prozent sowohl bei den Teilnehmenden als auch bei den Goldmedaillen höher als in den vergangenen Jahren.
Die Gastgeber hatten für die teilnehmenden Delegationen aus aller Welt ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das bei abwechslungsreichen Exkursionen einen Einblick in die Kultur von Kolumbien und insbesondere in die austragende Region Santander erlaubte. Ihnen gebührt große Anerkennung für die Ausrichtung der IPhO 2026, die mit so vielen teilnehmenden Ländern aus allen Teilen der Welt eine echte Mammutaufgabe darstellte.
Die nächste Internationale PhysikOlympiade wird 2027 in Riad, Saudi-Arabien, stattfinden.











