25.03.2024

„Die tragende Rolle der Physik deutlich machen“

Der theoretische Physiker Klaus Richter ist neuer DPG-Präsident.

DPG / Alexander Pawlak

Am 21. März übernahm Klaus Richter im Magnus-Haus in Berlin die Präsidentschaft der DPG von seinem Vorgänger Joachim Ullrich. Mit Richter steht erstmals seit 40 Jahren nach Joachim Treusch (1984 – 1986) wieder ein theoretischer Physiker an der Spitze der DPG. Ullrich ist nun turnusgemäß DPG-Vizepräsident; der bisherige Vizepräsident, Lutz Schröter, scheidet entsprechend aus dem Amt.

Klaus Richter hat seit 2001 an der Universität Regensburg einen Lehrstuhl im...
Klaus Richter hat seit 2001 an der Universität Regensburg einen Lehrstuhl im Bereich der Theorie der Kondensierten Materie inne. Seine Arbeitsgruppe „Complex Quantum Systems“ forscht dort auf den Gebieten der Festkörperphysik, der Physik kalter Atome und des Vielteilchen-Quantenchaos. Für seine Arbeiten erhielt er 2019 den Physikpreis Dresden. Für sein Engagement bei der Berufsvorbereitung von Studierenden wurde Richter 2022 als „Professor des Jahres“ in der Kategorie Medizin/Naturwissenschaften durch die UNICUM-Stiftung ausgezeichnet.
Quelle: DPG / Alexander Janetzko 2024

„Gerade in dieser Dekade haben die großen gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen an Bedeutung und Dynamik gewonnen. Die DPG steht hier in der Verantwortung, die Handlungsfelder zu identifizieren, in denen die Physik im Allgemeinen und die DPG im Speziellen zu Lösungen beitragen kann“, sagt der neue DPG-Präsident.

Zu den wichtigsten Handlungsfeldern in seiner Präsidentschaft zählt Richter drei große Querschnittsthemen, bei denen die Physik eine wichtige Rolle spielt: die Quantenwissenschaft und -technologien, Künstliche Intelligenz (KI) sowie die kolossalen Herausforderungen des Klimawandels. Darüber hinaus möchte Richter den wissenschaftlichen Austausch, den Bereich Schule und die Kommunikation zwischen Physik und Politik weiter fördern.

„Die Quantenmechanik, deren theoretisches Fundament in Göttingen 1925 und in den Folgejahren gelegt wurde, hat unser Weltbild grundlegend verändert und unser aller Leben mannigfach beeinflusst. Nach Ansicht vieler Experten stehen wir heute, nach 100 Jahren Erfolgsgeschichte der Quantenphysik, möglicherweise an der Schwelle zu einer zweiten Quantenrevolution“, sagt Richter. Er sieht deshalb das von der DPG unter dem Motto „Quantum2025 – 100 Jahre sind erst der Anfang …“ organisierte Jubiläumsjahr als einmalige Chance, die Bedeutung der physikalischen Grundlagenforschung für die Lösung gesellschaftlich-technologischer Probleme aufzuzeigen.

Das zweite umfassende Thema mit enormer Dynamik betrifft „Big Data“ und KI bzw. das Maschinelle Lernen. „Diese werden in vielfältiger Weise unser Alltagsleben durchdringen, mit damit verbundenen Chancen, aber auch Risiken“, ist Richter überzeugt. Die Physik spiele schon heute bei der Entwicklung und Anwendung von KI-Methoden eine wesentliche Rolle. „Vor dem Hintergrund der jüngsten rapiden Entwicklungen sehe ich die Notwendigkeit, diesen Themen in meiner Präsidentschaft besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Als DPG werden wir die tragende Rolle der Physik hier deutlich machen und uns noch stärker am öffentlichen Diskurs beteiligen“, betont Richter.

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Zu den besonderen Querschnittsaufgaben gehört für Richter in seiner Präsidentschaft der Klimawandel. Hier gelte es, sich seitens der DPG mit Erkenntnissen aus der Physik einzubringen, insbesondere für eine nachhaltige Energieversorgung. „Inzwischen sind die Auswirkungen des Klimawandels für uns alle erfahrbar, es ist Eile geboten!“, mahnt er und unterstreicht, dass bei den komplexen Fragen der gesellschaftlichen Umsetzung der Energiewende neben der Physik auch die Wirtschafts-, Sozial- und Politikwissenschaften unverzichtbar sind. Die bereits laufenden Aktivitäten in der DPG zum Klimawandel möchte Richter stärker bündeln und die in der DPG vorhandene Daten- und Wissensbasis für die Öffentlichkeit sichtbarer machen.

Neben neuen Akzenten möchte Richter in seiner Präsidentschaft zentrale Kontinuitäten wahren, dazu gehört insbesondere die Förderung des Schulfachs Physik und – angesichts des akuten Mangels an Physiklehrkräften – die Unterstützung der Universitäten bei der Optimierung des Lehramtsstudiums. „Die vielen Aktivitäten der DPG im Schulbereich möchte ich in meiner Präsidentschaft fortführen und da, wo es noch Bedarf gibt, erweitern“.

Die Bemühungen seiner Vorgänger, über den wissenschaftlichen Austausch einen friedvollen und vertrauensvollen Dialog über Grenzen und Kulturen hinweg zu unterstützen, bleiben für Richter im Fokus. Das gilt auch für die Stärkung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Medien. Die Physik sieht Richter in der Verantwortung, langfristige Perspektiven aufzuzeigen und damit Politik und Medien auf Basis wissenschaftlicher Fakten als „Kompass“ zu dienen – beispielsweise durch die Veranstaltung von weiteren Parlamentarischen Abenden der DPG.

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